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Herzberg 60-Jähriger besaß Panzergeschoss
Die Region Osterode Herzberg 60-Jähriger besaß Panzergeschoss
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12:04 18.01.2018
Symbolbild Quelle: dpa
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Herzberg

Ein Souvenir aus seiner Bundeswehr-Zeit brachte einen 60-jährigen Herzberger jetzt in ernste rechtliche Schwierigkeiten: Er war wegen Verstoßes gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz angeklagt und musste sich dafür vor dem Herzberger Amtsgericht verantworten. Er wurde zu einer Geldstrafe verurteilt.

Der Mann hatte in einem Zimmer im Dachgeschoss seines Hauses scharfe Munition für ein Schnellfeuergewehr G3 sowie eine 20mm-Patrone mit einem Sprengzünder für ein Panzergeschütz aufbewahrt. Die Polizei hatte die Munition im Mai bei einer Hausdurchsuchung gefunden und sichergestellt. Der Mann räumte vor Gericht den Sachverhalt vollständig ein und gab sich reumütig. Er sei von 1979 bis 1981 Panzerfahrer gewesen und in Osterode stationiert. Die Munition habe er damals „als Andenken“ mitgenommen.

„Jugendlicher Leichtsinn“

Er habe die Munition zusammen mit einem Foto des Panzers in einer Vitrine in seinem Dachzimmer aufbewahrt und, nachdem er später ins Untergeschoss des Hauses gezogen war, ihre Existenz im Laufe der Jahre schlicht vergessen: „Aus den Augen, aus dem Sinn“, sagte er. Es sei „jugendlicher Leichtsinn“ gewesen, rechtfertigte der Angeklagte den Diebstahl, ihm sei nicht bewusst gewesen, in welche Lage er sich damit brachte. Über seine Verantwortung könne man aber nicht diskutieren, betonte er. Es tue ihm heute leid und er ärgere sich, dass es dazu gekommen ist.

Laut Gutachten, aus dem der Richter vortrug, handele es sich bei der Panzermunition um ein Sprenggeschoss im einsatzfähigen Originalzustand. Der Richter gab zu bedenken, welche erheblichen Gefahren von der scharfen Munition ausgingen, etwa bei einem Feuerwehreinsatz oder wenn sie in die Hände von Kindern gelangt wären. Dass der Mann die Existenz der Munition gänzlich vergessen haben will, überzeugte die Staatsanwältin nicht, sie ging deshalb von Vorsatz aus. Gleichwohl rechnete sie ihm sein umfassendes Geständnis an. Allerdings stellte sie klar, dass ein Verstoß gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz keine Kleinigkeit ist, sondern ein Verbrechen. Eigentlich sehe das Gesetz dafür eine Mindestfreiheitsstrafe von einem Jahr vor, jedoch handele es hierbei um einen minderschweren Fall.

Explosives Souvenir mitgenommen

Der Angeklagte hatte als „Andenken“ an seine Bundeswehrzeit von 1979 bis 1981 einen Gurt mit insgesamt 23 scharfen Patronen für ein Schnellfeuergewehr G3 sowie eine 20-Millimeter-Patrone für das Geschütz eines Schützenpanzers Marder mitgenommen, den er damals als Fahrer gesteuert hatte. Der illegale Besitz dieses laut Gutachten einsatzfähigen Sprenggeschosses mit Aufschlagzünder ist ein Verstoß gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz und damit ein Verbrechenstatbestand.

Sowohl der Richter als auch Staatsanwältin betonten, dass es sich um hochgefährliches Material handele und die Unfall- und Missbrauchsgefahr enorm sei. Beide gingen beim Angeklagten von Vorsatz beim Besitz der Kriegsmunition aus, auch wenn dieser beteuerte, sich damals der Tragweite seines Handelns nicht bewusst gewesen zu sein und später die Existenz der Munition in seinem Dachzimmer schlicht vergessen zu haben. „Die Wirkung der Munition muss ihm als Soldat und Panzerfahrer bewusst gewesen sein“, stellte die Staatsanwältin klar, auch wenn der Verwendungszweck der Patronen „sentimentale Gründe“ hatte.

Leichtfertiges Andenkensammeln

Auch wegen seiner umfänglichen Einlassung hielt sie eine Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu je 50 Euro jedoch für ausreichend. „Das leichtfertige Andenkensammeln endet als Verbrechen“, fasste sie den Sachverhalt zusammen. Der Verteidiger des Mannes bat mit Verweis auf die Verfahrenskosten, die der Mann ebenfalls zu tragen habe, um eine etwas geringere Strafe. „Er räumt die Vorwürfe ein, er will nichts beschönigen und war von Anfang an geständig“, erklärte er. Die Tat habe vor 36 Jahren stattgefunden und es sei glaubhaft, dass die Munition in Vergessenheit geraten sei, fand der Verteidiger. Seinem Mandanten sei nicht bewusst gewesen, dass er ein Verbrechen begangen hatte. „Das ganze Verfahren wird einen bleibenden Eindruck auf ihn hinterlassen.“

Das Gericht folgte in seinem Urteil dem Appell der Verteidigung und würdigte auch das Geständnis des Mannes. Es handele sich klar um einen minderschweren Fall, so der Richter. Er verurteilte den Mann zu 25 Tagessätzen zu 50 Euro. Sowohl der Angeklagte als auch die Staatsanwaltschaft verzichteten auf Rechtsmittel.

Von Martin Baumgartner