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Herzberg Mordprozess: Ex-Frau von Angeklagtem schildert gewalttätige Übergriffe
Die Region Osterode Herzberg Mordprozess: Ex-Frau von Angeklagtem schildert gewalttätige Übergriffe
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17:02 03.05.2019
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Symbolfoto Quelle: dpa
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Göttingen/Herzberg

Im Prozess um eine einbetonierte Leiche in Herzberg hat das Landgericht Göttingen am Freitag zwei frühere Ehefrauen des 47-jährigen Angeklagten als Zeuginnen vernommen. In einem Fall ist diese Personenstandsbezeichnung allerdings nicht korrekt: Die zweite Zeugin war zwar mit dem Angeklagten verheiratet gewesen. Die Ehe wurde jedoch später annulliert, weil er zum Zeitpunkt der Eheschließung noch mit einer anderen Frau verheiratet war – eine von vielen Betrügereien, mit denen er seine Partnerinnen in größte Schwierigkeiten brachte. Beide Zeuginnen wurden nach eigenen Angaben durch ihn finanziell ruiniert, eine landete sogar im Gefängnis.

Der bereits mehrfach vorbestrafte Angeklagte muss sich in dem Prozess wegen Mordes verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, im September 2017 seine Mutter in ihrem Haus in Herzberg aus Habgier getötet zu haben. Um das Verbrechen zu vertuschen, habe er ihre Leiche in einer Blumenbank einbetoniert. Sie wurde erst sieben Monate später gefunden.

Viele Parallelen zwischen Aussagen

Zwischen dem, was die beiden Zeuginnen erlebt haben, gibt es viele Parallelen.Die 48-jährige Zeugin hatte den Angeklagten 1996 an ihrem Arbeitsplatz in Ettlingen kennengelernt. Kurz darauf wurde sie schwanger, im Mai 1997 heirateten sie, drei Monate später kam ihr Sohn zur Welt. Auch bei der 42-Jährigen aus dem Raum Starnberg ging alles ganz schnell: 2005 lernten sie sich kennen, schon im September 2005 folgte die (später annullierte) Heirat, vier Monate später wurde das erste gemeinsame Kind geboren. Beide Frauen hatten die Erwartung, dass der Angeklagte einen guten Vater abgeben würde. „Er war eloquent, konnte unglaublich gut reden und sich gut verkaufen“, sagte die 42-Jährige.

Kindergeld umgeleitet

Beide Frauen stellten allerdings sehr schnell fest, dass hinter der anfangs so liebevollen und freundlichen Fassade auch noch ein ganz anderes Gesicht steckte. Beide hatten Mühe, die Fassung zu bewahren, als sie schilderten, wie sie erst allmählich dahinter kamen, dass sie offenbar einem notorischen Lügner und Betrüger aufgesessen waren. Dass ihr Partner zwar den ganzen Tag außer Haus war und immer schwer gestresst wirkte, tatsächlich aber keiner Arbeit nachging und auf ihre Kosten lebte. Dass er klammheimlich das Kindergeld, das die 48-Jährige beantragt hatte, auf sein Konto umgelenkt hatte. Der Angeklagte habe auch heimlich auf ihren Namen ein Auto gekauft, berichtete sie. Da sie damals mit ihrem Baby beschäftigt gewesen sei, habe sie ihm immer das Geld für die Miete gegeben, damit er es dem im gleichen Haus wohnenden Vermieter bringen sollte. Dieser habe das Geld jedoch nie erhalten und sie deshalb aus der Wohnung geworfen.

Geldgeschenk abhanden gekommen

Als ihr - inzwischen geschiedener Mann – einige Jahre später in Südafrika im Gefängnis saß, habe sie von seiner Mutter erfahren, dass seine Eltern ihnen zur Hochzeit 10.000 Mark geschenkt hätten. Von diesem Geld habe sie nie etwas gesehen, sagte die Zeugin. Der Angeklagte habe ihr bei der Heirat ein leeres Kuvert gezeigt. Sie sei damals fassungslos gewesen, wieso die Schwiegereltern ihnen nur einen leeren Umschlag zukommen ließen.

Die 48-Jährige berichtete auch von körperlichen Übergriffen. Als sie hochschwanger war, habe der Angeklagte ihr einmal in den Bauch geboxt und gesagt: „Wenn du verreckst, ist alles egal.“ Ein anderes Mal habe er sie mit dem Kind auf dem Arm die Treppe heruntergestoßen.

Noch vor der Scheidung erneut geheiratet

Später heiratete der Angeklagte eine Frau aus Lehrte. Noch bevor die Ehe geschieden war, heiratete er die 42-Jährige aus dem Raum Starnberg. Er überredete sie dazu, über ihren Account einen ebay-Shop für Spielzeug zu eröffnen. „Plötzlich stand die Kripo vor der Tür“, berichtete sie. Während ihr Mann wegen Betruges in Stadelheim inhaftiert war, wurde sie aufgefordert, mehrere Schließfächer zu räumen. Die 42-Jährige fand darin zwei Säcke voll mit Mahnbescheiden, die der Angeklagte hatte verschwinden lassen. Trotzdem folgte sie ihm, als er sich später nach Südafrika absetzte. „Ich war blind vor Liebe“, sagte sie. Dort wurde er wieder verhaftet. Da er sie in seine Betrügereien verwickelt hatte, kam sie ebenfalls ins Gefängnis und hatte zudem 250.000 Euro Schulden.

Von Heidi Niemann

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