Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Herzberg Einbetonierte Leiche: Mord statt Märchen
Die Region Osterode Herzberg Einbetonierte Leiche: Mord statt Märchen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
19:05 29.01.2019
Mordprozess vor dem Landgericht Göttingen. Quelle: dpa
Herzberg/Göttingen

Schon zum Auftakt des Mordprozesses hat er diesen Pulli getragen. Auch an diesem Dienstag trägt Sven H. wieder diesen Pulli, als er auf der Anklagebank des Landgerichts Göttingen Platz nimmt. „Just do it“, ist auf der Brustseite aufgedruckt. „Mach’s einfach“ – das suggeriert Entschlossenheit. Hier will offenbar jemand ungeachtet möglicher Hindernisse ein Ziel verfolgen.

Genau das faszinierte damals die junge Studentin, als sie Sven H. im Juli 2017 kennenlernte. Sie hatten so viele Gemeinsamkeiten, vor allem aber hatten sie den gleichen Traum: Seit frühester Kindheit träumte sie davon, auf einer Husky-Farm mit vielen Schlittenhunden in Skandinavien zu leben. Sven H. war offenbar ein „genauso bekloppter Husky-Wahnsinniger, wie ich es bin“, sagt die 26-Jährige.

Zentrale Zeugin in diesem Prozess

Mehrere Stunden lang sagt die 26-Jährige vor der Schwurgerichtskammer aus. Sie ist eine zentrale Zeugin in diesem Prozess. Sollte sich die Anklage bewahrheiten, käme der Aufschrift „Just do it“ eine geradezu makabre Bedeutung zu: Die Staatsanwaltschaft wirft dem 47-jährigen Sven H. vor, im September 2017 seine Mutter in ihrem Wohnhaus in Herzberg aus Habgier ermordet zu haben, weil sie seinen Lebensunterhalt nicht weiter habe finanzieren wollen. Um das Verbrechen zu vertuschen, habe er ihre Leiche im Wohnzimmer in einer Blumenbank einbetoniert.

Rund zwei Monate vor dieser Tat hatte die BWL-Studentin Sven H. bei einer Wanderung von Husky-Fans im Deister kennengelernt. Der Angeklagte kam mit Verspätung angebraust, war als einziger professionell mit Bauchgurt ausgerüstet. Dass er seine vier angegurteten Hunde halten konnte, habe sie sehr bewundert, berichtete sie. Danach gab es immer wieder Situationen, die ihr so vorkamen, als hätte das Schicksal ihr genau diesen Mann zugedacht. „Es war wie im Märchen“, sagt sie. „Ich war extrem verliebt und überzeugt, dass das der Mann ist.“

Heiratsantrag im strömenden Regen

Dann ging alles ganz schnell: Er zog zu ihr nach Hannover, fuhr weiter täglich zu seinen Eltern nach Herzberg. Zwei Wochen nach ihrer ersten Begegnung machten sie einen Ausflug zum Schloss Marienburg. Er kniete im strömenden Regen vor ihr, machte ihr einen Heiratsantrag und fischte einen Verlobungsring aus der Hosentasche. „Das war sehr märchenhaft“, sagt die 26-Jährige.

Ihre Eltern waren nicht so begeistert, ihnen ging das Ganze zu schnell. Sie bestand dann darauf, auch seine Eltern kennenzulernen. Ende August fuhren sie nach Herzberg. Die Mutter sei sehr befremdet gewesen und habe sie angeguckt, „als ob ich ein Staubsaugervertreter wäre“. Den Vater habe sie nicht kennengelernt, da dieser in Tagespflege gewesen sei. Das Haus habe einen relativ verwahrlosten Eindruck gemacht. Sie habe den Eindruck gehabt, dass die Mutter mit ihrem dementen Mann völlig überfordert gewesen sei und dringend Hilfe gebraucht hätte. Sven H. sei dazu nicht willens gewesen, sondern habe nur genervt reagiert. Er habe unbedingt das Haus verkaufen wollen, was seine Mutter strikt abgelehnt habe.

Unschuldig in Südafrika im Gefängnis

Nach Angaben der 26-Jährigen hat sie ihn mehrfach nach seinen finanziellen Verhältnissen gefragt. Er habe gesagt, dass er für Jaguar und Landrover Betriebsanleitungen übersetze und gut verdiene. Außerdem habe er vor Jahren Apple-Aktien gekauft, die heute Millionen wert seien, und verfüge zudem über einen weiteren Puffer: Er habe unschuldig in Südafrika im Gefängnis gesessen und dafür ein hohes Schmerzensgeld erhalten. „Immer wenn er aus Herzberg zurückkam, hatte er ein großes Bündel Bargeld dabei“, sagt die Zeugin.

Heute weiß sie, dass er immer neue Lügengeschichten aufgetischt hat, dass das Bargeld vom Konto seines Vaters stammte, dass er keineswegs unschuldig in Haft gesessen hatte, dass er keinen Job und keine Aktien hatte, sondern nur Schulden. Damals glaubte sie ihm, setzte alles auf eine Karte, verkaufte ihr Auto, kündigte ihre Wohnung, um nach dem Masterabschluss mit ihm ihren Traum von der Husky-Farm zu verwirklichen. Kurz vor ihrer Abreise aus Deutschland, als sie gerade mit Bravour ihre Masterprüfung bestanden hatte, soll er seine Mutter mit einem Schürhaken erschlagen haben.

Von Heidi Niemann

Kommentare 0 Nutzungsbedingungen
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Herzberg Unfall auf der B243 bei Scharzfeld - In die Mittelleitplanke gekracht

Ein 79-jähriger Autofahrer ist am Mittwoch gegen 11 Uhr auf der B243 bei der Abfahrt Scharzfeld in die Mittelleitplanke gekracht, teilt die Polizei mit. Der Mann blieb unverletzt.

03.01.2019
Herzberg Brand in unwegsamem Gelände - „Feuer aus“ auf dem Acker bei Herzberg

Wanderer sind dort oft unterwegs in etwa 760 Metern Höhe der Hanskühnenburg. Der Pfad ist schmal. Jetzt hatten mehrere Feuerwehren aus zwei Landkreisen dort einen Großeinsatz.

19.09.2018

Im Seeburger See ist das Baden seit Dienstag wegen der Blaualgenblüte verboten. Im Herzberger Jues ist es dagegen aktuell noch gestattet. Gleichwohl werden Badegäste auf die gesundheitlichen Risiken durch die giftigen Algen hingewiesen.

04.08.2018