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Herzberg Staatsanwaltschaft fordert lebenslange Haftstrafe für 48-Jährigen
Die Region Osterode Herzberg Staatsanwaltschaft fordert lebenslange Haftstrafe für 48-Jährigen
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00:31 30.06.2019
Die Staatsanwaltschaft fordert für den Angeklagten eine lebenslange Haftstrafe. Quelle: dpa
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Göttingen/Herzberg

Der 48-jährige habe im September 2017 seine 74-jährige Mutter aus Habgier erschlagen, weil sie ihm den Geldhahn zudrehen und seinen aufwändigen Lebensstil nicht mehr finanzieren wollte.

Der Angeklagte habe sich damit des Mordes schuldig gemacht. Verteidiger Rolf Wiesemann plädierte dagegen auf Freispruch, weil die Einlassung des Angeklagten nicht widerlegt sei. Dieser hatte seinen dementen Vater der Tat bezichtigt. Zweitverteidiger Steffen Stern stellte keinen konkreten Antrag. Er verwies aber darauf, dass im Falle eines Schuldspruchs der Angeklagte lediglich wegen Totschlages verurteilt werden könnte, da eine Affekttat nicht auszuschließen sei.

Tat sieben Monate unentdeckt

Das Gewaltverbrechen war sieben Monate lang unentdeckt geblieben. Erst im April 2018 hatten Ermittler nach einem Hinweis die einbetonierte Leiche entdeckt. Der Vater der damaligen Verlobten des Angeklagten hatte zuvor die Polizei darauf aufmerksam gemacht, dass dessen Mutter weder in ihrem Wohnhaus noch in einem Pflegeheim noch bei ihrem Sohn in Schweden aufzufinden war. Spürhunde hatten dann an einer Blumenbank im Wohnzimmer angeschlagen.

Nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft hatte der Angeklagte nach der Tat den Leichnam der Mutter verschnürt und in der Blumenbank abgelegt. Später habe er mit der ec-Karte seines dementen Vaters Zement und Kies im Baumarkt besorgt und damit die Blumenbank aufgefüllt. Wenige Tage später habe er seine seit längerem geplante Auswanderung in die Tat umgesetzt und gemeinsam mit seiner Verlobten Deutschland verlassen.

Aufwändiger Lebensstil

Auch in Schweden, wo er sich im Dezember 2017 für rund 15.000 Euro ein Haus kaufte, habe er seinen aufwändigen Lebensstil fortgeführt, den er unter anderem mit den 45.000 Euro vom Sparkonto seiner Eltern und deren Rentenzahlungen finanzierte. Als die Polizei ihn im Mai 2018 in Schweden festnahm, sei das Geld der Eltern verbraucht gewesen.

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der 48-Jährige die Tat aus finanziellen Motiven begangen hat. Der Angeklagte habe keine Ausbildung abgeschlossen und mehrfach wegen Betruges in Haft gesessen. Er habe regelmäßig auf Kosten seiner Partnerinnen gelebt und zweimal die eidesstattliche Versicherung abgeben müssen.

Auf Kosten der Eltern gelebt

Seiner Verlobten habe er dagegen erzählt, dass er Aktien in Millionenwert besitze und eine hohe Haftentschädigungssumme zu erwarten habe. Tatsächlich habe er zuletzt auf Kosten der Eltern gelebt und dabei unter anderem ein Auto auf den Namen seines Vaters geleast.

Seine Mutter habe dies nicht mehr dulden wollen und von ihm veranlassten Abbuchungen widersprochen. Anfang September 2017 habe sie einen Rechtsanwalt beauftragt, auch den Leasingvertrag abzuwickeln. Sie habe es auch abgelehnt, ihr Haus zu verkaufen und den dementen Vater in ein Pflegeheim zu geben.

Schläge mit dem Schürhaken

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft soll der Angeklagte eigenmächtig ein Heim kontaktiert und am Tattag vormittags per Whatsapp den Vater für einen stationären Pflegeplatz angemeldet haben. Nach dem Mittagessen habe er ohne ihr Wissen den dementen Vater dorthin gebracht. Als er zurückkam, habe er seiner Mutter mehrfach mit einem Schürhaken so heftig auf den Schädel und gegen die Rippen geschlagen, dass sie an den schweren Verletzungen starb.

Der Angeklagte hatte gegenüber der Polizei ausgesagt, dass er nach einem Spaziergang mit den Hunden seine Mutter am Kopf blutend vorgefunden habe, sein Vater habe mit blutverschmierten Händen daneben gestanden, vor dem Sofa hätten zwei eiserne Bügeleisen gelegen. Diese Version sei schon deshalb widerlegt, weil die Hunde bei der Verlobten gewesen seien, sagte der Staatsanwalt. Nach Angaben des Rechtsmediziners schieden die Bügeleisen als Tatwerkzeug aus.

Schuldenberg

Der Nebenklagevertreter verwies darauf, dass er bei der Übernahme der Betreuung des dementen Vaters einen Schuldenberg von 38.000 Euro vorgefunden habe, weil der Angeklagten keine Pflegekosten an das Heim bezahlt hatte. Dadurch sei der Platz im Pflegeheim gefährdet gewesen. „Dass ein Kind seinem Vater das antut, das ist für mich moralisch und ethisch das Allerletzte“, sagte er. Das Gericht will sein Urteil am Freitag, 28. Juni, verkünden.

Von Heidi Niemann

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