Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Osterode So hat ein Herzberger „Schrauber“ einen 60 Jahre alten Kult-Unimog flottgemacht
Die Region Osterode So hat ein Herzberger „Schrauber“ einen 60 Jahre alten Kult-Unimog flottgemacht
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
10:50 26.09.2019
Bernd Holzapfel mit dem fast fertigen Unimog in seiner Werkstatt in Herzberg. Der gelernte Tischler, der lange im Metallbau tätig war, hat so gut wie alle Arbeiten selbst ausgeführt, viele Bauteile wie etwa die Kotflügel sogar selbst neu hergestellt. Quelle: Baumgartner
Anzeige
Herzberg

Holzapfel kehrte von einer Silberhochzeitsfeier zurück, konnte noch nicht schlafen und fand Ablenkung bei „eBay“. Zuerst nur zum Spaß. Dann sah er das Objekt der plötzlichen Begierde, das allerdings 2000 Kilometer entfernt in Griechenland stand.

Es war ein Spontankauf aus einer Laune heraus, aber Holzapfel war sich bewusst, was er tat: Der Mann ist ein großer Unimog-Fan und wollte sich schon zu seinem 60. Geburtstag so ein uriges, altes Gefährt schenken und es zurechtmachen. Holzapfel begeistert sich seit Kindertagen für altes Blech: „In der Nähe unseres Hauses war ein Schrottplatz, als Kind habe ich in alten Autos gespielt.“ Zwei alte Motorräder hat er bereits runderneuert.

Schon einmal einen Unimog restauriert

Auch mit Unimogs hatte er Erfahrung, denn mit einem Freund aus Sieber hatte er ein solches Fahrzeug restauriert. „Dabei waren Teile über, die sollten weggeschmissen werden, das war aber zu schade“, erzählt Holzapfel. So hatte er zwar einige Ersatzteile, aber bei Weitem nicht genug, um daraus einen ganzen Wagen aufzubauen. Dieser Freund aus Sieber war einer der Ersten, denen Holzapfel von seinem Neuerwerb berichtete.

Kaum Rost: So sah der Wagen vor der Restauration aus. Quelle: Holzapfel

„Mein Bekannter hat gesagt: Für das Geld kriegst du hier keinen.“ Der Zustand der Karosse war relativ nebensächlich: „Es sind vier Räder dran, da kannst du gar nichts verkehrt machen.“ Selbst in Einzelteilen wäre der Unimog demnach sein Geld Wert gewesen. „Ich habe mich gefreut wie ein Schneekönig“, sagt Holzapfel. Denn der Unimog hat Kultstatus.

Eine „lebende Legende“

Es gibt sogar ein Unimog-Museum in Gaggenau im Schwarzwald. „Er ist lebende Legende und im wahrsten Sinne des Wortes unsterblich. Seine Langlebigkeit – mehr als 30 Jahre Einsatz sind keine Seltenheit – ist auch sein Markenzeichen. Genauso wie seine Einsatzvielfalt“, heißt es auf der Homepage des Museums über die „Faszination Unimog“.

Unimog ist die Abkürzung für Universal-Motor-Gerät. Es ist ein Kleinlaster und Geräteträger, genauer gesagt ein „Frontsitztraktor mit Allradantrieb“, der auf verschiedensten Gebieten zum Einsatz kommen kann, vor allem in Land- und Forstwirtschaft, aber auch beim Militär und für kommunale Aufgaben. Und dieses Universal-Motor-Gerät wird seit 1951 von Mercedes-Benz gebaut, bis 2002 im Werk Gaggenau, seitdem in Wörth.

Grundreinigung mit Hochdruck: Fahrgestell und Antriebseinheit werden von der Schicht Dreck und getrocknetem Olivenöl gereinigt, die sich im Laufe der Zeit in Griechenland auf den Wagen gelegt hatten. Quelle: Holzapfel

Baureihe 411 – eine der beliebtesten Baureihen

1956 ist die Baureihe 411 auf den Markt gekommen – bis heute eines der beliebtesten Unimog-Modelle. Aus dieser Serie stammt auch Holzapfels froschgrüner Laster. Heute steht er in einem quasi fabrikneuen Zustand in seiner Garage – doch als er in Herzberg ankam, sah er etwas mitgenommen aus, schließlich hatte er in Griechenland in der Landwirtschaft gedient, vermutlich als eine Art Allzweck-Lastesel. „Ich denke, dass er schon früh in Griechenland gelandet ist. Er hat vier verschiedene Räder draufgehabt, alles zusammengewürfelt“, erzählt der neue Besitzer.

Doch es steckten noch Lebensgeister im Oldtimer: „Er ist mit eigener Kraft in die Werkstatt gefahren“, sagt Holzapfel voll Stolz über seinen Veteran. Unter einer dicken Schicht Dreck und getrocknetem Olivenöl war das blanke Metall zu sehen – so gut wie kein Rost: „In Griechenland wird kein Salz gestreut.“

Holzapfel hat so gut wie alle Arbeiten selbst ausgeführt

Dennoch hat der Herzberger den Unimog komplett zerlegt und wieder zusammengesetzt: Marode Bleche wurden ersetzt, alles sandgestrahlt und neu lackiert, der Rahmen neu beplankt. Der gelernte Tischler, der lange im Metallbau tätig war, hat so gut wie alle Arbeiten selbst ausgeführt, viele Bauteile wie etwa die Kotflügel sogar selbst neu hergestellt – bis hin zu den Sicken, die er originalgetreu in die Austauschbleche gedrückt hat. „Ich habe eine Drehbank und eine eigene Schmiede.“

 Eine Anleitung habe er für die Arbeiten nicht benötigt: „Es ist keine komplizierte Konstruktion“, sagt er über den Unimog. Nur den Motor hat er einer Spezialfirma für eine vollständige Revision überlassen. Das schlug mit weiteren 4500 Euro zu Buche. Angetrieben wird Holzapfels Laster von einem Mercedes-Reihenvierzylinder-Vorkammer-Saugdieselmotor des Typs OM 636 mit 34 PS – „derselbe Motor wie im Ponton-Mercedes 180D.“

Blick unter die Haube: Holzapfels Unimog wird von seinem originalen Vierzylinder-Saugdieselmotor mit 34 PS angetrieben. Quelle: Baumgartner

Vier Jahre Restauration

Von dem Tag, als der Unimog vom Transporter in Holzapfels Werkstatt rollte, hat es rund vier Jahre bis zur Jungfernfahrt durch Herzberg gedauert. „Ich habe fast jeden Tag ein bis zwei paar Stunden am Wagen gearbeitet, am Sonnabend etwas mehr. Und abends noch am Rechner Teile im Internet gesucht.“ Das Verdeck wollte er erst selbst nähen, hat es dann aber doch gekauft. Eine Schwierigkeit waren etwa die originalen Blinklichter, die werkseitig vergriffen sind. Holzapfel ließ sie nachfertigen: „70 Euro für ein Plastikteil.“ Die Originalfarbe gab es dagegen noch bei Benz.

Von Martin Baumgartner

Zu einem Warnstreik haben sich Mitglieder den BBS II in Osterode zusammengefunden. Sie machen sich stark für Rechte, die bundesweit 600000 Beschäftigte betreffen.

25.09.2019

Ein Zug hat auf offener Strecke ein Dreirad erfasst. Rettungskräfte und die Polizei suchten nach möglicherweise verunglückten Kindern, die Bahnstrecke musste gesperrt werden. Es handelte sich aber lediglich um einen Kinderstreich.

21.09.2019

Etwa 5000 Euro muss ein Mann bezahlen, weil er der Aufforderung der Gemeinde die Bäume zu beseitigen nicht nachgekommen ist. Dagegen hatte er geklagt.

21.09.2019