Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Osterode Waldexperte: „Im Harz sieht es mittlerweile verheerend aus“
Die Region Osterode

Klimawandel und Borkenkäfer: Der Wald im Harz ist stark bedroht

Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
08:41 25.10.2020
Blick in den Wald mit abgestorbenen Fichten im Nationalpark Harz. Den Wäldern im Harz, Sauerland, Thüringer Wald und Frankenwald geht es besonders schlecht. Quelle: dpa
Anzeige
Göttingen

Der Harz, das Sauerland, der Frankenwald und der Thüringer Wald sind nach Ansicht von Forstleuten die am stärksten bedrohten Wälder in Deutschland. „Im Harz sieht es mittlerweile verheerend aus“, sagte Ulrich Dohle vom Bund Deutscher Forstleute bei einem Treffen des Bundes in Göttingen.

Grund für den schlechten Zustand der Wälder sei der immer weiter fortschreitende Klimawandel. Durch die Dürren der letzten Jahre seien die Bäume immer trockener und instabiler geworden. Bei vermehrt auftretenden starken Stürmen würden sie deshalb schnell umkippen, so Dohle. Auch der schädliche Borkenkäfer habe sich immer weiter vermehrt. Deutschlandweit seien in den letzten drei Jahren rund 300 000 Hektar Wald abgestorben. Das ist eine Fläche, die größer ist als das Saarland.

Anzeige

„Besucher im Wald sind ein Mehrwert“

Von einem Betretungsverbot für Besucher hält Dohle allerdings nichts: „Das würde dem Wald nichts nützen. Besucher im Wald sind kein Problem, sonder ein Mehrwert“. Beispielsweise werden die meisten Brände in Wäldern eben durch Spaziergänger gemeldet. Liegengelassener oder illegal entsorgter Müll sowie brennende Zigaretten seien zwar ein Problem, aber kein Massenphänomen.

GT/ET-Update – Der Newsletter

Die wichtigsten Nachrichten aus Göttingen, dem Eichsfeld und darüber hinaus täglich um 17 Uhr in Ihrem E-Mail-Postfach.

Die Forstleute merken auch, dass sich seit einigen Monaten mehr Menschen im Wald aufhalten als vorher. „In Coronazeiten ist der Wald einer der wenigen Orte, in dem man sich frei bewegen kann“, so Dohle.

„Waldpflege ist eine Generationenaufgabe“

Um die Wälder zu retten, ist laut Dohle jeder Einzelne gefragt, in dem er beispielsweise sein eigenes Konsumverhalten hinterfrage. Bei dem Treffen des Bundes der Forstleute in Göttingen wurden unter anderem Strategien besprochen, wie man die Waldkrise bewältigen kann. „Waldpflege ist eine Generationenaufgabe, das geht nicht von heute auf morgen“, so Dohle. Trotzdem sei der Klimawandel nicht komplett aufzuhalten. Deshalb müsse man sich irgendwann in den kommenden Jahren von dem Wald, den man heute kenne, verabschieden. Aus Sicht des Bundes fehle es vor allem an Forstpersonal, das die bestehenden Wälder umbauen und fit für die Zukunft machen könne.

In Deutschland gibt es derzeit rund 11,4 Millionen Hektar Wald. Damit sind etwa ein Drittel der Landesfläche mit Bäumen bedeckt.

Lesen Sie auch

Von dpa