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Osterode Brockenbahn: Kritik an den HSB laut
Die Region Osterode Brockenbahn: Kritik an den HSB laut
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17:29 05.02.2019
Morgens wird die Strecke zum Brocken mit der Schneefräse geräumt. Quelle: Dirk Bahnsen/HSB
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Harz

Die Brockenbahn fährt wieder. Nachdem der Betrieb am vergangenen Wochenende wegen des stürmischen Wetters drei Tage lang eingestellt war, rollt der Verkehr nun wieder. Vorläufig. Doch die Kritik an den Harzer Schmalspurbahnen (HSB) und deren Unternehmenspolitik wird deutlicher.

Für bundesweites Aufsehen sorgte Anfang Januar die festgefahrene Dampflok. Drei Tage lang steckte die Bahn in einer Schneewehe fest und musste freigeschaufelt und ins Tal geschleppt werden. Die Schäden an der Lok wurden beseitigt und die „Eislok“ ist wieder im Einsatz. Bereits zwei Tage später blieb wiederum ein Zug kurz vor dem Ziel stecken.

Kritische Situation

HSB-Sprecher Dirk Bahnsen erklärt den Vorfall mit der Selbstverpflichtung des Unternehmens: „Die Situation war kritisch und wir wollten den Betrieb einstellen, aber es befanden sich noch Fahrgäste auf dem Brocken. Diese wollten wir wieder sicher ins Tal bringen.“ Schließlich sei ein Transport über die Brockenstraße bei diesen Witterungsbedingungen auch nicht gefahrlos gewesen.

Jürgen Steimecke sieht das anders: „Diese Fahrt war völlig unnötig. Das Problem hätte man auch anders lösen können.“ Der Fachbuchautor war selbst 42 Jahre lang für die Reichsbahn und später für die HSB tätig. Er kennt deren Probleme aus eigener Erfahrung und hält noch heute Kontakt zu den ehemaligen Kollegen.

Extreme Wetterbedingungen

Steimecke kritisiert vor allem das Krisenmanagement: „Keiner aus der Führungsetage war bei der Bergung vor Ort. Offensichtlich war der Neujahrsempfang wichtiger als die Unterstützung der Mitarbeiter.“ Erst eine Woche später überzeugte sich der Aufsichtsrat des kommunalen Unternehmens von den schwierigen Bedingungen auf dem Brocken.

Bahnsen betont immer wieder die extremen Wetterbedingungen auf dem Berg. Die Winterstürme würden immer wieder dafür sorgen, dass die Gleise innerhalb kürzester Zeit zugeweht werden. Morgens werde die Strecke zum Brocken mit der Schneefräse geräumt. Tagsüber sei man im ständigen Kontakt mit den Mitarbeitern auf dem Brocken. Auch bei der Besatzung der Wetterwarte hole man sich Ratschläge. Gerade deshalb sieht Bahnsen die geplante Einstellung der besetzten Wetterwarte problematisch, weil gerade der Kontakt dahin, wichtig sei, um die Wetterverhältnisse auf dem Berg informiert zu sein. „Wir fahren nicht um jeden Preis. Wenn die Wetterverhältnisse es nicht zulassen, dann stellen wir den Betrieb ein“, betont Bahnsen.

Brocken weiterhin anfahren

Der Winterbetrieb der Brockenbahn ist ein Service aus jüngerer Zeit. Erst seit dem Fahrplan 1992/93 wird der Berg auch in der kalten Jahreszeit angefahren. Davor hielten die Dampfloks auf dieser Strecke Winterschlaf.

Für Dirk Bahnsen ist der Winter 2018/19 nicht außergewöhnlich: „Wir hatten Jahre, in denen wir nur an fünf Tagen nicht auf den Brocken konnten, und wir hatten Jahre, in denen der Verkehr fast 100 Tage ruhte.“

Trotz des großen Aufwands will die HSB auch im Winter den Brocken weiterhin anfahren. Aus finanziellen Gründen. „Diese Strecke ist unser Goldesel“, gibt Bahnsen zu. 75 Prozent der Einnahmen aus dem Verkauf erzielt die HSB auf den 19 Kilometern zwischen Drei Annen Hohne und dem Brockenplateau. Ohne Brockenbahn wäre der Betrieb auf der Harzquerbahn und im Selketal nur schwer möglich.

Mängel im Fuhrpark

Genau dort haken die Kritiker ein. Steimecke sieht Mängel im Marketing. Obwohl die Route durch das Selketal als schönste Strecke gelte, werde sie nur zögerlich vermarktet. Für ihn ist die Havarie auf dem Brocken nur die Spitze des Eisbergs.

Jürgen Steimecke sieht vor allem Mängel im Fuhrpark. Er zählt spontan mehr als zehn Loks auf, die nicht einsatzbereit sind. Für Steimecke steht die HSB zu sehr unter Dampf: „Wenn man einen Oldtimer täglich fährt, dann verschleißt er und dann kommen die teuren Reparaturen.“ So war die Eislok erst kurz zuvor überholt worden. Kostenpunkt etwa eine Million Euro. Die Handarbeit und Spezialanfertigungen trieben die Preise nach oben. Laut Bahnsen sind derzeit nur acht der insgesamt 25 Loks einsatzfähig. Der Grund hierfür sei, dass aufgrund des Alters der Loks es schwer sei, Ersatzteile zu bekommen. „Es kann schon mal ein bis zwei Jahre dauern, bis eine Lok dann wieder einsatzbereit ist, wenn sie ein neues Teil benötigt“, erklärt Bahnsen.

Deswegen schlägt Steimecke den verstärkten Einsatz neuer Triebwagen aus der Serienproduktion vor. Die Züge „von der Stange“ seien mittelfristig wesentlich günstiger. Die Dampfloks sollten dann nur noch gezielt eingesetzt werden.

Vorwurf: Mangelnde Kommunikation

Das rollende Material ist das eine, das Personal das andere. Bei vielen Mitarbeitern sei der Dampf raus, so Steimecke. Die mangelhafte Kommunikation der Führungsetage nehme vielen Kollegen die Motivation. Dazu käme die Bezahlung. Andere Bahngesellschaften würden für die gleiche Arbeit 500 Euro mehr bezahlen. „Es kann doch nicht sein, dass ein Unternehmen in öffentlicher Hand Lohndumping betreibt“, formuliert er eindeutig. Auch Bahnsen sieht das Problem des fehlenden Personals, rechnet aber damit, dass die Situation sich in den kommenden Jahren eher weiter verschärfen, statt verbessern wird, wegen des Fachkräftemangels. Wichtig sei aber, dass über Streckensperrungen aktiver informiert werde. Beispielsweise über das Internet und über Aushänge an den Bahnhöfen.

Von Thomas Kügler und Vera Wölk

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