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Osterode Angeklagter gab vor Nachbarn den fürsorglichen Sohn
Die Region Osterode Angeklagter gab vor Nachbarn den fürsorglichen Sohn
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18:53 25.01.2019
Symbolbild Quelle: dpa
Herzberg

Im Prozess um den Mord an einer 74-jährigen Frau in Herzberg hat das Landgericht Göttingen am Freitag weitere Zeugen aus dem Umfeld der Getöteten vernommen. Eine Nachbarin berichtete, dass im September 2017 deren Sohn bei ihr geklingelt habe. Dieser habe ihr mitgeteilt, dass sein Vater in ein Pflegeheim gekommen sei und er jetzt seine Mutter nach Clausthal mitnehmen werde. Der Sohn habe sie darum gebeten, auf das Wohnhaus seiner Eltern zu achten; er würde dann einmal in der Woche vorbeikommen. Sie habe dann nur noch gesehen, wie er mit seiner Mutter weggefahren sei, sagte die Zeugin.

Fast eineinhalb Jahre später sah sie den Nachbarssohn nun erstmals wieder, diesmal auf der Anklagebank: Die Staatsanwaltschaft wirft dem 47-jährigen vor, im September 2017 seine Mutter aus Habgier ermordet zu haben, weil sie seinen Lebensunterhalt nicht weiter habe finanzieren wollen. Um das Verbrechen zu vertuschen, habe er ihre Leiche im Wohnzimmer in einer Blumenbank einbetoniert. Entdeckt wurde sie erst knapp sieben Monate später. Die Polizei hatte damals einen Hinweis erhalten und daraufhin das Wohnhaus in Herzberg durchsucht.

Angeblich öfter Streitigkeiten zwischen Mutter und Sohn

Eine Nachbarin berichtete, dass es öfter Streitigkeiten zwischen Mutter und Sohn gegeben habe. Einmal hätten sich beide lautstark auf der Straße gestritten. Der Sohn sei „total aufgebracht“ gewesen und habe gesagt, dass er keine Arbeit, kein Geld und keine Perspektive habe. Nach solchen Streitigkeiten sei er abends öfter ins Auto gestiegen und „mit Karacho die Straße rauf und runter gebraust“.

Allen Nachbarn fiel die fortschreitende Demenz des Vaters auf. Dieser habe zuletzt auch körperlich „sehr nachgelassen“, sagte eine Zeugin. Meist sei er mit unsicherem gebeugtem Gang, herunterhängenden Armen und starr nach unten gerichtetem Blick seiner Ehefrau hinterhergeschlurft. Die 74-Jährige habe häufig laut mit ihm geschimpft, er habe dann zurückgemeckert. Offensichtlich sei sie mit ihrem dementen Ehemann überfordert gewesen.

Nachbarin verwundert über verwilderten Garten

Eine Nachbarin wunderte sich irgendwann darüber, dass der Garten, den die 74-Jährige stets liebevoll gepflegt hatte, plötzlich so verwildert war. Später fiel ihr auf, dass alte Möbel und Maurerkübel vor dem Haus standen. Sie habe gedacht, dass jemand das Haus entrümpeln und dort Reparaturen vornehmen wolle. Im April 2018 war sie dann überrascht, als der Sohn der 74-Jährigen bei ihr anrief und ihren Mann sprechen wollte. Zur Begründung habe der Sohn gesagt, dass ihr Mann ihn zuvor mit unterdrückter Nummer angerufen und mitgeteilt habe, dass in seinem Elternhaus in Herzberg eingebrochen worden sei. Sie habe ihm dann erklärt, dass dies nicht möglich sei, da ihr Mann gar kein Handy besitze und ihn deshalb auch gar nicht angerufen haben könne.

Im weiteren Verlauf des Gesprächs habe sie sich dann nach dem Verbleib seiner Eltern erkundigt, sagte die Zeugin. Der Angeklagte habe angegeben, dass sein Vater in einem Pflegeheim sei. Seine Mutter habe dies ganz schlecht verkraftet. Sie sei psychisch erkrankt, habe zuletzt wie ein Messie gelebt und sich um nichts mehr gekümmert. Da es in dem Wohnhaus auch noch einen Wasserschaden gegeben habe und „alles verschimmelt und eklig“ sei, habe er sie nach Südschweden mitgenommen, wo sie sich nun bei einer guten Freundin erhole.

Die Zeugin fand es nett, dass der Sohn sich so um seine Mutter kümmerte. Tatsächlich soll die 74-Jährige zu dem Zeitpunkt bereits seit sieben Monaten tot gewesen sein. Wenige Tage nach dem Anruf des Sohnes bei den Nachbarn in Herzberg entdeckte die Polizei die einbetonierte Leiche seiner Mutter. Knapp einen Monat später wurde der 47-Jährige in Schweden verhaftet.

Von Heidi Niemann

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