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Osterode Massiver Gewaltausbruch: 29-Jähriger zu sechseinhalb Jahren Haft verurteilt
Die Region Osterode Massiver Gewaltausbruch: 29-Jähriger zu sechseinhalb Jahren Haft verurteilt
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17:39 21.12.2018
Das Landgericht Göttingen hat geurteilt.
Das Landgericht Göttingen hat geurteilt. Quelle: dpa
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Göttingen/Osterode

Ein bereits mehrfach wegen Gewaltdelikten vorbestrafter Mann aus Osterode muss auch die kommenden Jahre hinter Gittern verbringen. Das hat am Freitag das Landgericht Göttingen entschieden. Die Kammer verurteilte den 29-Jährigen, der bereits rund neun Jahre in Haft gesessen hat, fast auf den Tag genau ein Jahr nach einem neuen massiven Gewaltausbruch wegen gefährlicher Körperverletzung sowie vorsätzlicher Körperverletzung in vier Fällen zu einer Freiheitsstrafe von sechseinhalb Jahren. Außerdem ordnete die Richter die Unterbringung in einer Entziehungsanstalt an. Vor Beginn dieser Maßregel muss er im Vorwegvollzug 15 Monate im Gefängnis absitzen.

Geschlagen und gewürgt

Der Angeklagte hatte kurz vor Weihnachten 2017 nach Alkoholkonsum seine damalige Freundin vor den Augen ihres Kindes geschlagen und gewürgt. Der 29-Jährige sei zunehmend aggressiver geworden und schließlich „völlig außer Rand und Band geraten“, sagte der Vorsitzende Richter Tobias Jakubetz. Er habe sich die Kleidung vom Leib gerissen und sich dann nur noch mit Unterhose und Strümpfen bekleidet auf das Sofa gelegt und „toter Mann“ gespielt - „ein sehr bizarres Verhalten“, meinte der Richter.

Die Freundin hatte sich daraufhin im Bad eingeschlossen und per SMS drei Hilferufe an ihre Mutter gesandt. Die Mutter begab sich daraufhin mit ihrer anderen Tochter und deren Freund spätnachts zu der Wohnung. Der 29-Jährige habe nach ihrem Auftauchen wie ein Berserker wahllos zugeschlagen und getreten, sagte der Richter. Er verpasste der Mutter seiner Freundin zwei Schläge ins Gesicht und schlug sie später mit dem Rücken und dem Kopf gegen die Wand. Seiner Freundin versetzte er einen Tritt, so dass sie die Treppe hinunterstürzte.

Mit einem Messer in der Hand

Nachdem es den Frauen schließlich gelungen war, aus dem Haus herauszukommen, sei der Angeklagte mit einem Messer in der Hand hinter ihnen hergelaufen und habe damit in Richtung der Mutter gezielt, die das Kind seiner Freundin auf dem Arm hatte. Das Kind wurde dabei an der Kniekehle verletzt.

Danach seien alle drei gestürzt. Die Schwester seiner Freundin habe ihm dann einen Tritt versetzt. Daraufhin sei er mit den Worten „Jetzt bist du dran“ mit dem Messer auf sie losgegangen und habe ihr einmal in den Oberbauch gestochen, wodurch die Leber verletzt wurde. Die Verletzungen seien lebensbedrohlich gewesen, nur durch eine Notoperation habe die Frau gerettet werden können.

Nur einmal zugestochen, kein Tötungsmotiv

Die Staatsanwaltschaft hatte die Messerattacke als versuchten Totschlag bewertet und eine Gesamtstrafe von acht Jahren gefordert. Das Gericht stufte die Tat dagegen als gefährliche Körperverletzung ein. Der Angeklagte habe nur einmal zugestochen und kein Tötungsmotiv gehabt. Außerdem sei seine Steuerungsfähigkeit aufgrund seiner massiven Alkoholisierung erheblich vermindert gewesen. Der Verteidiger hatte auf eine niedrige Freiheitsstrafe von fünf Jahren plädiert.

Das Gericht lag mit seinem Urteil in der Mitte zwischen den beiden Anträgen. Auffallend sei, dass der Angeklagte bereits mehrfach wegen Gewaltdelikten gegenüber seinen Partnerinnen verurteilt wurde, sagte der Vorsitzende Richter. Ähnlich wie bei dem letzten Fall sei auch jetzt wieder ein Kind anwesend gewesen und diesmal sogar verletzt worden. „Das ist richtig schlimm, wenn ein Kind so etwas mitbekommt.“ Straferschwerend kämen auch die schweren körperlichen und psychischen Folgen hinzu, welche insbesondere die lebensgefährlich verletzte Schwester seiner Freundin davongetragen habe.

Unterbringung in einer Entziehungsanstalt

Obwohl der Angeklagte schon einmal ohne nachhaltigen Erfolg eine Entzugstherapie im Maßregelvollzug absolviert hat, ordnete das Gewicht erneut die Unterbringung in einer Entziehungsanstalt an: „Unbehandelt sind Sie eine Gefahr für jede potenzielle Partnerin“, begründete der Richter diese Entscheidung.

Von Heidi Niemann

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