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Osterode Prozess um einbetonierte Leiche: Lebte Angeklagter gezielt auf Kosten von Frauen?
Die Region Osterode Prozess um einbetonierte Leiche: Lebte Angeklagter gezielt auf Kosten von Frauen?
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17:00 18.04.2019
Im Prozess um eine einbetoniert Leich ein Herzberg ist die Vorgeschichte des Angeklagten beleuchtet worden. Quelle: Kristoffer Finn
Göttingen/Herzberg

Im Prozess um eine einbetonierte Leiche hat sich das Landgericht Göttingen jetzt mit dem Vorleben des 47-jährigen Angeklagten beschäftigt. Die Polizei war im Zuge ihrer Ermittlungen gegen Sven H. auf eine Reihe von Frauen gestoßen, mit denen er liiert gewesen war, außerdem auf vier Kinder. Die Beziehungen folgten offenbar einem auffälligen Muster: Der Angeklagte zog stets sehr schnell mit der jeweils neuen Partnerin zusammen, drängte auf eine rasche Heirat, gründete dann in ihrem Namen ein Geschäft, ließ alles über deren Konten laufen – und am Ende standen die Frauen mit einem Berg Schulden da.

Auch bei der Tat, für die sich Sven H. derzeit vor dem Schwurgericht verantworten muss, sollen finanzielle Motive im Vordergrund gestanden haben. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Angeklagten vor, im September 2017 seine Mutter in ihrem Wohnhaus in Herzberg aus Habgier ermordet zu haben, weil sie seinen Lebensunterhalt nicht weiter habe finanzieren wollen. Um das Verbrechen zu vertuschen, habe er ihre Leiche im Wohnzimmer in einer Blumenbank einbetoniert. Die Polizei hatte den Leichnam erst sieben Monate später im April 2018 entdeckt.

Gewalt gegenüber Ex-Frau

Die Beamten hatten nach der Entdeckung des Gewaltverbrechens die Vorgeschichte des Angeklagten erforscht. Dabei stießen sie zunächst auf eine Eheschließung in den USA, die sich aber nicht belegen ließ. Danach folgte eine offiziell anerkannte Heirat in Süddeutschland. In dieser – längst geschiedenen – Ehe, aus der ein Sohn hervorging, soll der Angeklagte nach Angaben der Ex-Frau ihr gegenüber gewalttätig geworden sein. Auch bei den weiteren Vernehmungen sei deutlich geworden, dass die Frauen psychische Probleme aus der Beziehung mit dem Angeklagten davongetragen hätten, berichtete eine Polizeibeamtin.

Die laut den Polizeirecherchen nächste Partnerin – eine Frau in Herzberg, mit der er eine Tochter hatte – habe berichtet, dass sie sich wegen Psychoterrors von dem Angeklagten getrennt habe. Er habe auf ihren Namen ein Geschäft in Herzberg aufgemacht. Am Ende habe sie 100 000 Euro Schulden gehabt und Privatinsolvenz anmelden müssen.

Schulden in Höhe von 250 000 Euro

Der Angeklagte hatte derweil die nächste Partnerin geheiratet. Auch diese Ehe hielt nicht lange. Noch bevor die Scheidung über die Bühne gegangen war, habe er die nächste Frau geheiratet und deren Mädchennamen angenommen, berichtete die Polizeibeamtin. Da er zu der Zeit noch verheiratet gewesen war, sei die Ehe nicht rechtskräftig. Auch diesmal habe er auf den Namen seiner Partnerin ein Geschäft eröffnet und sie später dazu gedrängt, gemeinsam mit den beiden zwischenzeitig geborenen Kindern nach Südafrika zu gehen. Dort wurde Sven H. dann wegen insgesamt 17 Straftaten festgenommen und angeklagt. Auch seine Partnerin wurde inhaftiert, die beiden Kinder kamen nach Deutschland in eine Pflegefamilie. Später habe die Frau erfahren, dass ihre Kinder dort misshandelt worden seien. Auch sie habe Privatinsolvenz anmelden müssen, ihr Schuldenberg summierte sich auf 250 000 Euro.

Der Angeklagte durfte später den Rest seiner Haftstrafe in Deutschland in der Justizvollzuganstalt Rosdorf absitzen, wo er mit dem Lauftraining begann. Später habe er über Facebook eine Frau aus Luxemburg kennengelernt, die in einer Laufgruppe aktiv war. Bereits nach zwei Wochen sei er bei ihr eingezogen. Diesmal wollte er laut den Recherchen der Polizei ein Geschäft für Hundesportzubehör eröffnen, auf ihren Namen und auf ihre Kosten. Die Beziehung sei jedoch nach kurzer Zeit beendet gewesen. Danach zog er zu einer Frau nach Leipzig. Hier sei der Schaden geringer gewesen, da diese ihm relativ schnell auf die Schliche gekommen sei.

Beziehung nach gleichem Muster

Im Juli 2017 lernte er bei einem Treffen von Husky-Fans eine Studentin aus Hannover kennen. Es folgte das übliche Spiel: Er zog zu ihr nach Hannover, zwei Wochen nach der ersten Begegnung machte er ihr bei einem Ausflug zum Schloss Marienburg einen Heiratsantrag. Im Oktober – und damit kurz nach dem mutmaßlichen Mord in Herzberg – zog er mit ihr nach Dänemark, wo er sogleich mit ihr auf`s Standesamt ging. Da er jedoch nicht die erforderlichen Papiere eingereicht hatte, ist die Ehe nicht gültig. Kurz darauf zogen sie nach Schweden weiter, wo er im Mai 2018 festgenommen wurde. Bei der Durchsuchung des dortigen Wohnhauses stellte die schwedische Polizei zwei Schürhaken sicher. Einer passte zu dem Muster auf dem Kaminsims im elterlichen Wohnhaus in Herzberg. Laut Anklage soll Sven H. dort seine Mutter mit einem Schürhaken erschlagen haben.

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Von Heidi Niemann

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