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Osterode Abgefangene Marihuana-Pakete: Staatsanwaltschaft fordert mehrjährige Haftstrafen
Die Region Osterode Abgefangene Marihuana-Pakete: Staatsanwaltschaft fordert mehrjährige Haftstrafen
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18:14 16.12.2019
Die Staatsanwaltschaft fordert mehrjährige Haftstrafen für die Drogenschmuggler. Quelle: picture alliance/dpa
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Göttingen

Im Prozess um zwei abgefangene Rauschgiftpakete mit rund 55 Kilo Marihuana hat die Staatsanwaltschaft am Montag in ihrem Plädoyer vor dem Landgericht Göttingen mehrjährige Haftstrafen für die beiden Angeklagten gefordert. Der 39-jährige Italiener, der nach den Erkenntnissen der Ermittler die Pakete bei einer Spedition in Rom aufgegeben hatte, solle wegen der unerlaubten Einfuhr sowie der Beihilfe zum unerlaubten Handel mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge eine Freiheitsstrafe von fünfeinhalb Jahren erhalten. Der zweite Angeklagte, ein 31-jähriger Albaner, sei wegen der unerlaubten Einfuhr und des unerlaubten Handels mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge zu einer Freiheitsstrafe von sechs Jahren und drei Monaten zu verurteilen.

Der Verteidiger des 39-Jährigen beantragte dagegen eine deutlich niedrigere Freiheitsstrafe von einem Jahr und neun Monaten, die zur Bewährung ausgesetzt werden könne. Der Anwalt des 31-Jährigen plädierte auf Freispruch.

Bei der Lieferung klicken die Handschellen

Beide Angeklagte waren nach dem Versenden der Pakete, die an eine Adresse im Bad Lauterberger Ortsteil Barbis adressiert waren, gemeinsam von Rom über Barcelona nach Hannover geflogen. Dort soll sie ein 50-Jähriger aus Osterode, der aus dem Kosovo stammt und inzwischen ebenfalls in einem gesonderten Verfahren angeklagt ist, abgeholt und zu dem eigens angemieteten Wohnhaus in Barbis gebracht haben. Als die Angeklagten dort wenige Tage später die erwartete Paketlieferung aus Italien in Empfang nahmen, klickten kurz darauf die Handschellen. Die Polizei hatte von der Rauschgiftlieferung Wind bekommen und die Fracht vorher abgefangen. Die Fahnder stellten das Marihuana sicher, füllten die Pakete wieder auf und ließen sie an die angegebene Adresse in Barbis ausliefern. Als die Angeklagten die Pakete öffneten, fanden sie statt des Marihuanas nur Streusalz und Papiertaschentücher.

Wer die eigentlichen Drahtzieher des Rauschgiftschmuggels waren, ist in dem rund vier Monate dauernden Prozess unklar geblieben. Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft wussten die beiden Angeklagten, dass es bei dem Auftrag um Marihuana ging. Beide seien parallel zu den Paketen mit dem Flugzeug nach Deutschland gereist. Bei der Marihuana-Lieferunghabe es sich um eine „durchschnittlich gute Ware“ gehandelt, die einen Straßenverkaufswert von fast 500.000 Euro gehabt hätte: „Das ist kriminelles Business“, sagte der Staatsanwalt.

Mehr als 400 000 Einheiten Marihuana

Ein Gutachten des Landeskriminalamtes (LKA) hatte ergeben, dass sich in den abgefangenen Paketen mehr als 52 Kilo Cannabis-Marihuana in Form von Blüten befanden. Das Marihuana habe einen durchschnittlichen Wirkstoffgehalt von 11,8 Prozent der psychoaktiven Substanz Tetrahydrocannabinol (THC) aufgewiesen. Die sichergestellte Rauschgiftmenge entspreche mehr als 400 000 Konsumeinheiten.

Der Verteidiger des 39-jährigen Italieners, Henner Garth, machte dagegen geltend, dass es sich um einen minder schweren Fall handele: „Auch bei einer enormen Menge bleibt es eine weiche Droge.“ Sein Mandant sei zudem nicht an den Planungen beteiligt gewesen. Dieser sei vielmehr in Italien in einer Bar von einem Mann angeworben worden, ein Paket nach Deutschland zu verschicken und dort in Empfang zu nehmen. „Nicht mehr und nicht weniger.“ Sein Tatbeitrag sei „minimalst“ gewesen. Da sein Mandant nicht vorbestraft sei und eine günstige Sozialprognose habe, sollte die Freiheitsstrafe zu Bewährung ausgesetzt werden.

Der Verteidiger des 31-jährigen Albaners, Tobias Pohl, forderte für seinen Mandanten dagegen einen Freispruch. Es gebe keinen Hinweis darauf, dass der Angeklagte Kenntnis vom Inhalt der Pakete gehabt habe. Sollte das Gericht zu einer anderen Einschätzung kommen, könnte sein Mandant höchstens wegen Beihilfe verurteilt werden.

Von Heidi Niemann

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