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Osterode Verstörende Bilder im Netz: Polizei warnt Eltern vor Stickern in den Messengern ihrer Kinder
Die Region Osterode

Verstörende Bilder bei Whatsapp: Polizei warnt Eltern vor Stickern in Messengern ihrer Kinder

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10:00 23.07.2020
Volksverhetzende, gewaltverherrlichende, rassistische, antisemitische, sexualisierte, menschenfeindliche und diskriminierende Inhalte werden geteilt und weitergeleitet. Quelle: Andrea Warnecke/dpa-tmn
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Osterode/Göttingen

Das Thema ist nicht neu, und das Bundeskriminalamt hat längst den Blick auf die Problematik gerichtet. Aber: Die Situation verschärft sich weiter, weiß der Präventionsbeauftragte der Polizei Osterode Volker Hahn. Es geht um sogenannte Sticker und beunruhigende Bilder, die auf Smartphones von Kindern und Jugendlichen festgestellt worden sind. „Zum Teil sind diese Inhalte strafrechtlich relevant“, erklärt Hahn.

Eine Sendung der ARD zu diesem Thema nahm er zum Anlass, am 14. Juli einen Elternbrief an alle Schulen des Altkreises zu versenden und auf das sich zuspitzende Problemfeld hinzuweisen. Die Polizei ermittelt inzwischen in mehreren Fällen wegen des Verdachts der Verwendung verfassungsfeindlicher Symbole, der Verbreitung von pornografischen Schriften sowie Kinderpornografie. Hahn: „Betroffen sind alle Schulformen von der Grundschule bis hin zu den Abiturjahrgängen. Insbesondere die Verwendung der Sticker, die es seit 2018 bei WhatsApp gibt, scheint dieses besorgniserregende Phänomen noch zu verstärken.“

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Sexualisierte, rassistische und diskriminierende Inhalte

Volksverhetzende, gewaltverherrlichende, rassistische, antisemitische, sexualisierte, menschenfeindliche und diskriminierende Inhalte werden geteilt und weitergeleitet. Dies geschehe oft unreflektiert und ohne entsprechendes Hintergrundwissen. „Ein Problem ist, dass schon der Besitz strafrechtlich relevant ist. Das haben Kinder und Jugendliche oft nicht auf dem Schirm. Zudem bekommen viele den Perspektivwechsel nicht hin und informieren nicht darüber“, erklärt der Präventionsbeauftragte.

Die mittelbar Betroffenen seien oft so entsetzt, dass sie lieber ignorierend die Augen verschließen beziehungsweise nicht den Mut aufbringen, sich hilfesuchend an Erwachsene zu wenden. Ältere nehmen es nicht ernst, lachen darüber – eine Strategie, die die Verursacher verfolgen.

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Offener Dialog mit Kindern

Volker Hahn will die Eltern aufrütteln und auf die Gefahr in der Jugendkultur hinweisen: „Ich möchte Sie motivieren, mit Ihrem Kind diesbezüglich in einen offenen Dialog zu treten. Schauen Sie regelmäßig gemeinsam und unter Berücksichtigung der Privatsphäre zum Beispiel in den Klassenchat bei WhatsApp und Instagram. Besprechen Sie die Chatinhalte und sensibilisieren Sie Ihr Kind für grenzüberschreitende Äußerungen oder Sticker und Bilder. Signalisieren Sie Gesprächsbereitschaft und thematisieren Sie die Rechte Anderer und den Umgang mit der Selbstdarstellung im Netz.“

Ein derartiges Vorgehen sei, so Hahn, keine Überwachung, sondern gegenseitiges Helfen, es sei eine gemeinsame Herausforderung im Interesse der Kinder, dieser Entwicklung entschieden entgegen zu treten. „Eltern sollten ihre Kinder in diese mediale Welt hineinerziehen“, ist sich Hahn sicher. Hilfreiche Infos finden Eltern unter: www.klicksafe.de/eltern

Von Michael Paetzold

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