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Osterode Zukunft des Osteröder Stadtwalds ungewiss
Die Region Osterode Zukunft des Osteröder Stadtwalds ungewiss
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11:17 23.08.2019
Die Ratsmitglieder aus Osterode informieren sich über die Situation des Stadtwaldes. Quelle: Paetzold
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Osterode

Wie soll es weitergehen im Osteroder Stadtwald, welche Bäume sind vor dem Hintergrund des Klimawandels zukunftsfähig? Diese Fragen bleiben bislang unbeantwortet. Während der traditionellen Ratsforstbegehung am Freitag wurde die ganze Dramatik der Situation deutlich. Forstamtsleiter Rudolf Buff rechnet mit einem Verlust der Bestände von etwa 500 Hektar, fast die Hälfte des Bestandes. „Es ist wohl meine traurigste Ratsforstbegehung“, stimmt der städtische Forstamtsleiter Rudolf Buff eingangs auf Kommendes ein.

Der Wandergruppe, die an der Schwarzen Brücke gestartet war, bot sich ein erschreckender Anblick, einst grüne Hänge werden braun, Bäume sterben in Windeseile großflächig ab, denn sie haben dem Borkenkäfer nichts mehr entgegenzusetzen. Das Holz selber ist bei katastrophal niedrigen Holzpreisen kaum mehr absetzbar. Diskutiert wurde während der Wanderung zur Schindelkopfköte und dann weiter zum städtischen Jagdhaus die Frage, wie man den Stadtwald für die Zukunft aufstellen kann, damit er auch in 80 Jahren noch als Wirtschaftswald zur Verfügung steht. Konzepte dafür fehlen noch, weil, so erklärte es der Forstamtsleiter, überhaupt nicht klar ist, welche Arten sich zur Aufforstung eignen.

Einmal im Jahr nehmen Rat und Verwaltung die ausgedehnten Wälder bei der Ratsforstbegehung in Augenschein, insgesamt 1.200 Hektar gehören zu den städtischen Forsten. Geführt werden sie von Forstleuten, die derzeit geradezu verzweifelt vor den Folgen des Klimawandels stehen und damit vor den Scherben ihrer forstwirtschaftlichen Anstrengungen. „Wir werden etwa die Hälfte unseres Bestandes verlieren“, schätzte Buff, der Befall der Fichten schreitet so rasant voran, dass man kaum eingreifen kann.

Freigeräumte Hänge

Auf den Feenhöhen wurde der Wandergruppe das ganze Ausmaß der Schäden deutlich, freigeräumte Hänge soweit das Auge reicht, riesige Holzpolder, die man auf dem überschwemmten Holzmarkt noch irgendwie abzusetzen versucht. Die Preise sind natürlich im Keller. „Wir werden Flächen komplett aufgeben müssen und viele tote Bäume stehen lassen, weil die Arbeit nicht zu schaffen ist“, prophezeite der Forstmann. Jeder Harzbesucher wird den Anblick abgestorbener Wälder im Nationalpark vor Augen haben.

Als „biblische Plage“ hatte am Tag zuvor an dieser Stelle der Bundestagsvize Thomas Oppermann bei seinem Besuch in Osterode die Entwicklung bezeichnet. Bürgermeister Klaus Becker forderte schnelle und unbürokratische Hilfe von Bund und Land. Am Konzept der Nationalparkverwaltung, alles sich selbst zu überlassen, übte dann auch der Lerbacher Ortsbürgermeister Frank Koch Kritik. Dort wäre eine Brutstätte für den Borkenkäfer, beklagte er wie viele andere auch. „Man kann hier nicht sagen, dass der Nationalpark Schuld ist. Das eigentliche Problem ist, dass der Borkenkäfer in Folge der Klimaerwärmung inzwischen anders als früher in diesen Höhenlagen beste Bedingungen vorfindet“, verdeutlichte der Forstmann. Der Osteroder Stadtwald mit seinen alten Fichten- und Laubholzbeständen, das wurde den Ratsleuten deutlich, wird nicht mehr der sein, der er einmal war.Und Geld damit zu verdienen, auch das wird auf lange Zeit kaum mehr möglich sein.

Sterbende Wälder

Über sterbende Wälder berichteten auch die Mitwanderer Hauke Bruns, Leiter des Niedersächsischen Forstamtes Grünenplan, sowie Christian Gieseler-Schütte, Vorsitzender der Forstgenossenschaft Willershausen, der die gute Zusammenarbeit mit Osterode im Rahmen des Betreuungsvertrages lobte. Bruns ging auf die schwierige Situation der Laubwälder ein, denn auch die Buche ist auf flachgründigen Böden betroffen. Rudolf Buff: „Ich bin ratlos. Wir wissen heute noch nicht, welche Bäume wir für die Aufforstung nehmen können.“

Bei dem anschließenden Hüttenabend im städtischen Jagdhaus verlebte die Gesellschaft trotz der schlechten Nachrichten noch einige vergnügliche Stunden. „Hier wird wohl bald Sösetaler Riesling wachsen“, stellte Ratsherr Albert Schicketanz mit einigem Galgenhumor fest.

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Von Michael Paetzold