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Radolfshausen Kulturelle Auszeit mit Evdokia Kulikova
Die Region Radolfshausen Kulturelle Auszeit mit Evdokia Kulikova
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13:07 28.10.2019
Die Künstlerin Evdokia Kulikova und Harald Noack versteigern während der Ausstellungseröffnung von "Brot und acryl Spiele" das Bild „Gänseliesel“ zugunsten von Brot für die Welt. Quelle: Niklas Richter
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Ebergötzen

„Brot und acryl Spiele“ ist der Titel der Ausstellung, die im Ausstellungsraum des Café „auszeit“ beim Brotmuseum in Ebergötzen eröffnet worden ist. Die Räumlichkeiten über dem eigentlichen Café sollen nach Angaben von Café-Betreiber Torsten Liebscher eine „kulturelle Auszeit“ ermöglichen. So wie bei der Ausstellung mit Bildern der Northeimer Künstlerin Evdokia Kulikova. Die Regionalausstellung an der Göttinger Straße 7 c in Ebergötzen ist bis zum 10. Dezember dienstags bis sonntags von 9 bis 17.30 Uhr geöffnet.

Die Künstlerin Evdokia Kulikova mit ihrem Bild „Gänseliesel“. Quelle: Niklas Richter

Während der Vernissage am Freitagabend ist eines der Bilder zugunsten des Hilfswerks „Brot für die Welt“ der evangelischen Landeskirchen in Deutschland versteigert worden. Zusammen mit dem von der Künstlerin gespendeten Eintrittsgeld sind 454 Euro zusammengekommen. Einen symbolischen Scheck hat noch am Abend die stellvertretende Superintendentin Wiebke Vielhauer entgegen genommen. Ersteigert hat das „Gänseliesel“ – zumindest die 100 x 80 Zentimeter große Acryl-Version der Künstlerin – Bahar Mehrali, die das Bild für ihre „Kids First Academy“, eine private bilinguale Kinder-Tagesbetreuungseinrichtung in Bovenden, haben wollte.

„Eine ungewöhnliche Künstlerin“

Evdokia Kulikova sei „eine ungewöhnliche Künstlerin“, sagte Harald Noack, Vorsitzender der CDU-Kreistagsfraktion Göttingen, zur Ausstellungseröffnung an „einem ungewöhnlichen Ort“ auf dem Gelände des Brotmuseums in Ebergötzen. „Brot und Spiele, Panem et circenses“ – Noack stellte die Frage in den Raum, ob sich die Kritik des römischen Dichters Juvenal, das römische Volk interessiere sich nicht mehr für Politik sondern wünsche sich nur noch Getreide und Massenunterhaltung, auf die heutige Zeit übertragen lasse. Die Künstlerin habe bei ihren Bildern der Ausstellung bewusst die Metapher „Brot und acryl Spiele“ gewählt, „ihre subtile Kritik am Mangel an der Erörterung wichtiger politischer und gesellschaftlicher Fragen verbrämt in einem Hinweis auf ihre Technik“. Da schließe sich auch der Kreis „zu einem Bekenntnis zur Region, zum Alltagsdialog, zur Auseinandersetzung mit moderner Kunst nicht nur auf elitären Vernissagen“, so Noack weiter.

Ausstellung als „wichtiges Event“

„Was steckt eigentlich hinter ,Brot und Spiele?“, fragt sich Kulikova in ihrem Facebook-Auftritt und gibt sogleich die Antwort: „Es stammt aus dem antiken Rom und steht im übertragenen Sinn für Nahrung und Unterhaltung. Jeder Mensch auf dieser Welt braucht diese beiden Dinge in seinem Leben.“ Und weiterfragt sie angelehnt an Juvenal: „Welche Spiele brauchen wir heute? Ob Konzerte, Fußballspiele oder Filme, es gibt tausend Möglichkeiten... Dann gehört meine Ausstellung auch zur Unterhaltung nicht war?“

 Eine Ausstellungseröffnung sei „immer ein sehr wichtiges Event für einen Künstler“, so Kulikova weiter. „Für mich ist es wie eine Befreiung! Ich verlasse damit meine freiwillig gewählte Isolation. Mein Körper und Geist waren fünf lange Monaten in Abgeschiedenheit damit beschäftigt neue Kunst zu erschaffen.“ In Ebergötzen habe sie die Möglichkeit die neuen Bilder in der Region zu präsentieren, „bevor ich sie im Frühling auf den Weg zur internationalen Ausstellung in die Niederlande schicke.“ Die Ausstellung zeige ihre „philosophischen, symbolischen Acryl-Gedanken“ zum so aktuellen Thema „Brot und Spiele“.

Die im Café „auszeit“ beim Brotmuseum Ebergötzen ausgestellten Bilder habe Kulikova „eigens für diese Ausstellung geschaffen“, sagte Noack. Die Besucher der Vernissage am Freitag hätten die Gelegenheit, zu sehen, „dass die Künstlerin mit aufmerksamem und forschendem Blick die heutige Gesellschaft und deren Themen beobachtet“. Sie übertrage Gesichter von Personen, die sie im Vorbeigehen einfange, in ihre Bilderwelten und lasse sie Geschichten erzählen. „Ihre Bilder leben vom Dialog mit dem Betrachter, mit dessen persönlicher Wahrnehmung, dessen Assoziationen“, sagte Noack und ermunterte zur Auseinandersetzung mit den Bildern und zum Dialog.

Die Künstlerin

Evdokia Kulikova

Evdokia Kulikova ist eine in Moskau geborene Künstlerin, die in Northeim lebt und arbeitet. Ihre künstlerische Laufbahn begann sie mit dem Studium bei Prof. Voloschko an der renommierten Stroganov-Universität in Moskau. Zunächst aber erlernte sie den Beruf ihres Vaters und wurde Godschmiedin und Designerin. Mit ihrem Neuanfang als Künstlerin 1996 in Deutschland bildeten die in der handwerklichen Ausbildung erworbenen Techniken auch für ihre Malerei eine Grundlage. Kulikova war Mitglied des renommierten russischen Künstlerverbands und hatte, so schreibt sie selbst über sich, „Topplatzierungen bei internationalen Designwettbewerben“. Außerdem sind Exponate von ihr im Umweltmuseum Moskau zu sehen. Kulikova bestritt Ausstellungen in Berlin, Bremen, Braunschweig, Hannover und Göttingen und hat an nationalen und internationalen Kunstmessen in Berlin, Köln, Luxemburg und Cannes teilgenommen.

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