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Radolfshausen Welttag des Brotes: Kuratorin des Europäischen Brotmuseums spricht über Nachhaltigkeit und Ernährung
Die Region Radolfshausen

Brotmuseum Ebergötzen: Kuratorin spricht über Folgen der Corona-Pandemie

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15:01 16.10.2020
Agnieszka Steuerwald ist die Kuratorin des Europäischen Brotmuseums in Ebergötzen. Quelle: dpa
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Ebergötzen

Brot ist günstig, immer ausreichend vorhanden und an jeder Ecke zu haben – gegen solche Sichtweisen wehrt sich das Europäische Brotmuseum in Ebergötzen. Denn Kuratorin Agnieszka Steuerwald hält diese Einstellung für fatal. „Die Wertschätzung für Brot und damit auch für die Ernährung insgesamt geht dadurch verloren“, sagt sie. Seit 50 Jahren will der Verein die Bedeutung des Brotes hervorheben, muss in Zeiten von Corona aber wie so viele Kultureinrichtungen einen harten Überlebenskampf führen.

In normalen Jahren kommen nach Museumsangaben im Schnitt 15 000 Besucher in die Ausstellungen oder zu den Backaktionen in den kleinen Ort nahe Göttingen. „An manchen Tagen haben wir bis zu sechs Schulklassen hier“, berichtet Steuerwald. Doch im Pandemie-Jahr 2020 bricht vieles weg. Vor allem fehlen die Eintrittsgelder, die neben einer Förderung vom Landkreis Göttingen das Überleben sichern sollen. Steuerwald und ihr Team bleiben aber positiv und werben für die Geschichte des Brotes und den respektvollen Umgang mit Lebensmitteln.

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Krise als Anlass, über Ernährung nachzudenken

„Vielleicht nehmen manche Menschen diese Zeit zum Anlass, um über Nachhaltigkeit in der Ernährung nachzudenken“, sagt Steuerwald zum Welttag des Brotes am 16. Oktober. Solche Anlässe sind ihrer Meinung nach immer sinnvoll, um über Konsum nachzudenken. Früher sei den Menschen bei schlechter Ernte direkt klar gewesen, dass es später eng wird mit der Versorgung. In Zeiten industrieller Produktion sei dieser Gedankengang so gut wie verschwunden. Unfassbare Mengen an Lebensmitteln landeten auf dem Müll, bei Millionen hungernden Menschen weltweit, fasst Steuerwald knapp zusammen.

Brotteller als Kunstobjekt neu arrangiert. Agnieszka Steuerwald hat viele Ideen für die Neugestaltung entwickelt. Quelle: Christina Hinzmann / GT

Auf dem Areal in Ebergötzen wird mit regelmäßigen Backaktionen auch Werbung für ein Handwerk mit schwierigem Stand gemacht. „Dabei ist es ein wundervoll kreativer Beruf“, sagt Bäckerin Annette Rieck aus Göttingen. Die 60-Jährige hofft, dass die Schüler das Backen als Event für alle Sinne wahrnehmen. Auch wenn sie selbst die Bedingungen als „knallhart“ beschreibt und damit vor allem Bezahlung und Arbeitszeiten meint.

Nachwuchsproblem bei den Bäckern

Aus Sicht der gelernten Bäckerin hat das Handwerk ein großes Nachwuchsproblem. „Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist sicher auch ein schwieriger Faktor“, räumt Rieck ein. Auf der anderen Seite würden die Bäcker, die mit viel Idealismus an die Sache gehen, oft auch belohnt. Etablierte Bio-Bäcker nennt Rieck als Beleg dafür. Mehr Konzentration auf die Frage, woher das Getreide eigentlich kommt, könnte für sie ein Erfolgsrezept sein.

In der Branche wird seit einiger Zeit eine verstärkte Wertschätzung des Bäckerhandwerks registriert. Qualität guter Ware werde in der öffentlichen Wahrnehmung immer wichtiger, teilte der Zentralverband ebenfalls zum Welttag des Brotes mit. In den Backstuben erleben demnach Begriffe wie Qualität und Kundenberatung eine kleine Renaissance. Mehr Kunden seien bereit, einen angemessenen Preis zu bezahlen. Vielleicht nehmen die Bäcker dies als Hoffnungsschimmer, genauso wie das Europäische Brotmuseum zum 50-jährigen Bestehen des Vereins. Ein Festakt fiel coronabedingt aus.

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Von dpa