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Radolfshausen Transport auf Schiene und Straße in die Sägewerke
Die Region Radolfshausen Transport auf Schiene und Straße in die Sägewerke
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00:25 24.03.2018
Das Sägewerk Kurth verarbeitet Sturmholz von Friederike.
Das Sägewerk Kurth verarbeitet Sturmholz von Friederike. Quelle: Niklas Richter
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Seeburg/Herzberg

„Wir sind froh, dass es in Herzberg noch den Güterbahnhof gibt“, sagt Michael Rudolph, regionaler Pressesprecher der Niedersächsischen Landesforsten. Auf einen Zug passen etwa 50 bis 70 Lkw-Ladungen Holz. „Das bedeutet für uns, dass mit der Bahn größere Mengen an Sturmholz in die Sägewerke zur Weiterverarbeitung geschickt werden können“, erklärt Rudolph. Heute seien die meisten größeren Sägewerke nicht mehr in der Nähe der Waldgebiete, sondern in der Nähe guter Anschlussmöglichkeiten zu finden.

Auf weiten Strecken lohnt sich der Güterverkehr

„Über weitere Strecken lohnt sich auf jeden Fall der Güterverkehr, finanziell und ökologisch“, sagt Rudolph. Allerdings sei es in Südniedersachsen nur noch an wenigen Güterbahnhöfen möglich, größere Mengen Holz zu verladen, außer in Herzberg noch in Langelsheim und Stadtoldendorf. Holz, das in der Region verarbeitet wird, muss allerdings auf Lkw transportiert werden.

Hochbetrieb am Herzberger Holz-Bahnhof: Güterbahnhöfe in Südniedersachsen dämpfen Sturmschäden. Quelle: NLF

Gefahr vor Schädlingsbefall

Im Landkreis Göttingen ist vor allem noch das Sägewerk Kurth in Seeburg mit der Verarbeitung von Sturmholz beschäftigt. „Der Umbruch zieht sich durch die gesamte Branche. Wenn die Sägewerke nicht mehr verarbeiten können, bleiben die Waldbesitzer auf dem Holz aus den Sturmschäden sitzen. Je länger das Holz gelagert werden muss, desto größer ist die Gefahr von Schädlingsbefall“, beschreibt Geschäftsführer Thomas Kurth die Lage.

Vier Tonnen mehr Ladung dank Sondergenehmigung

Um den Wertverlust des Holzes möglichst gering zu halten, bemühe man sich, mit allen Beteiligten zu kooperieren. Um Forstämter und Waldbesitzer zu entlasten, werde auch versucht, im Sägewerk die Produktionszeiten und -mengen zu erhöhen. Für die Fuhrunternehmen seien bereits Sondergenehmigungen erteilt worden, dass mit einer Ladung 44 Tonnen statt 40 Tonnen Holz transportiert werden dürften. „Das spart Zeit und Sprit“, sagt Kurth, der dafür plädiert, das Holz vor Ort zu verarbeiten, statt es über weite Transportwege ins Ausland zu schaffen.

„Friederike“ nicht so schlimm wie „Kyrill“

Und nicht jeder umgeknickte Baum müsse sofort abtransportiert werden. „Die Landesforsten achten darauf, erst die dringendsten Schäden zu beseitigen. Umgeknickte Bäume, die noch am Wurzelwerk hängen und so weiter versorgt werden, halten auch etwas länger dem Schädlingsbefall stand“, erklärt Kurth. „Friederike“, die hauptsächlich über die Mittel Deutschlands hinweggefegt ist, sei nicht so schlimm gewesen wie „Kyrill“ im Jahr 2007, der deutschlandweit gewütet hatte und dementsprechend größere Sturmschäden hinterließ.

„Preise auch nach größeren Sturmschäden relativ stabil“

Kleinere Sägewerke seien weniger von den Folgen der Sturmschäden betroffen, sagen Betreiber der Sägewerke Spieß in Pöhlde und Becker in Ferna. Und auch bei Holz-Henkel in Göttingen spüre man die Auswirkungen von „Friederike“ kaum. „Wir arbeiten ohnehin am Limit, da der Markt seit Jahren boomt und die Preise auch nach größeren Sturmschäden relativ stabil geblieben sind“, sagt Clemens Heinrich aus der Verkaufsleitung.

Im Sägewerk Kurth wird Sturmholz von Friederike unter anderem zu Kantholz verarbeitet. Quelle: Niklas Richter

Beregnungsanlagen im Harz

Da nach den Sturmschäden dennoch nicht das gesamte Holz vor Beginn der warmen Jahreszeit – und damit vor der Flugsaison der Borkenkäfer – abtransportiert werden kann, werden auch andere Möglichkeiten genutzt, das Holz haltbar zu machen. „Im Harz gibt es noch einige Beregnungsanlagen für die Stämme. So bleibt das Holz länger frisch und ist vor Schädlingen geschützt“, erklärt Rudolph.

Schutz durch Folie

Aber auch das Einschweißen in Folien, wie es aktuell zum Beispiel im Forstamtsbereich Reinhausen praktiziert wird, sei eine Möglichkeit, das Holz länger zu lagern. Alle in der Holz-Branche hofften dennoch, in absehbarer Zeit nicht einen weiteren Sturm erleben zu müssen.

Weiterführendes zum Schutz des Holzes vor Schädlingsbefall durch Folie, unter http://www.goettinger-tageblatt.de/Die-Region/Goettingen/Forstamt-Reinhausen-Biologischer-Holzschutz-mit-Frischhaltefolie

Von Claudia Nachtwey

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