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Ebergötzen „Nicht meckern, sondern mitmachen“
Die Region Radolfshausen Ebergötzen „Nicht meckern, sondern mitmachen“
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22:10 21.09.2018
Am Caritas-Tisch: engagierte Helferinnen. Quelle: Mahnkopf
Ebergötzen

Sport oder Soziales, Hiphop oder Shantychor, Laientheater oder Nachbarschaftshilfe? An Möglichkeiten, sich ehrenamtlich zu engagieren, mangelt es in der Samtgemeinde Radolfshausen nicht. Mehr als drei Dutzend Vereine, Verbände, Initiativen und Projekte haben sich am Freitagabend bei der ersten Freiwilligenbörse in Ebergötzen vorgestellt. Der Andrang im Dorfgemeinschaftshaus war groß, das Spektrum an Angeboten weit gefächert.

Dem Appell „Runter vom Sofa und weg mit der Konsole“ waren viele gefolgt. An einer Stellwand konnten Vereine Material – ob Bierzeltgarnituren oder Spielgeräte – anbieten oder suchen, als Appetizer warb ein von Korbinian Regenhardt gedrehter Imagefilm mit jungen Flüchtlingen, Senioren und Brandschützern für „Hand in Hand im Ehrenamt“. Samtgemeinde-Bürgermeister Arne Behre (SPD) wies darauf hin, dass die Freiwilligenbörse die erste von drei Veranstaltungen sei, die aus einem Schulterschluss von Kirchengemeinden, Landkreis und den politischen Gemeinden in den Kommunen Gieboldehausen, Duderstadt und Radolfshausen entstanden sei.

„Ihr gebt Menschen den Mut, einmal selbst aktiv zu werden“, wandte sich Behre an die Ehrenamtlichen. Die breiteten nicht nur Flyer auf Infotischen aus, sondern auch ihre Beweggründe auf der Bühne – interviewt von Ute Andres. So erfuhr man, dass Feuerwehr-Jugendwartin Katharina Nachtwey so sehr für die Feuerwehr brennt, dass sie noch bis zum achten Schwangerschaftsmonat Einsätze begleitet hat. Dass Gemeindebrandmeister Marcel Hartelt zurzeit keine Nachwuchssorgen hat, Laura Bothmann hingegen Leichtathletik-Trainer für die Kinder und Jugendlichen im TSV Ebergötzen sucht. Dass Rolf Wiegmann von der Nachbarschaftshilfe seit 2015 eine syrische Familie durch deutschen Alltag und Bürokratie lotst. Dass Fabian Ausburg gleich in zwei Schützenvereinen – in Seulingen und Ebergötzen – aktiv ist. Oder dass Susanne Goldmann trotz vieler Erzählcafés noch immer nicht die Frage beantworten kann, wann man im Dorf nicht mehr als Zugezogener gilt. Und dass sie es für wichtig hält, nicht übereinander, sondern miteinander zu reden.

„Wir wollen dem ewigen Genöle entgegentreten und zeigen, dass ehrenamtliches Engagement glücklich machen kann“, nannte Duderstadts Propst Bernd Galluschke ein Motiv für die Freiwilligenbörse. Pastorin Wiebke Vielhauer (“Die entscheidende Frage ist: Worauf habe ich richtig Bock?“) war beeindruckt von den vielen Aktivitäten in der Samtgemeinde. Deren Vielfalt zeigte sich auch in Musik- und Gesangsvorträgen. Der Chor Klangart animierte zum Mitsingen, der MGV Holzerode besang den Gerstensaft, Tedi und Olli rappten über Shisha und Tequilla (ihr erster Auftritt nach dem Start ihrer 79 Gang vor wenigen Monaten). „Balu und Du“ nennt sich ein anderes Projekt von derzeit drei jungen Leuten aus Seeburg, die sich um Schulkinder kümmern.

Dass nicht nur im kulturellen, sportlichen und sozialen Bereich, sondern auch an der politischen Basis ohne ehrenamtlichen Einsatz nichts läuft, verdeutlichten ein Newcomer und ein Urgestein der Lokalpolitik: Seeburgs Bürgermeister Martin Bereszynski (CDU) und Samtgemeinde-Ehrenbürgermeister Willi Behre (SPD). „Als Gemeinden haben wir noch ein eigenes Budget und damit Gestaltungsmöglichkeiten“, sagte Bereszynski. Das von Andres angesprochene Desinteresse vieler Bürger an der Kommunalpolitik kann Willi Behre nicht nachvollziehen: „Ohne ehrenamtliche Helfer kommt man nicht zu Rande in einer Gemeinde.“ „Lasst uns den Schwung von heute mitnehmen und in unsere Dörfer tragen“, appellierte Arne Behre. Andres schloss sich an: „Nicht meckern, sondern mitmachen.“

Von Kuno Mahnkopf

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