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Radolfshausen Leben mit Hummeln in Holzerode
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19:00 26.07.2019
Der 83-jährige Eberhard von Hagen hat als Sechsjähriger begonnen sich für Hummeln zu interessieren. 77 Jahre lange beschäftigte er sich mit dem Schutz und der Zucht der Insekten. Vorsichtig öffnet er das Nest. Quelle: Rüdiger Franke
Holzerode

Seit 77 Jahren beschäftigt sich von Hagen mit Hummeln. „Ich bin über meinen Bruder dazugekommen“, sagt er. Er war damals sechs Jahre alt, sein Bruder vier Jahre älter. Der habe zufällig die Veränderliche Hummel (Bombus variabilis humilis) entdeckt, die mittlerweile ausgestorben sei. „Die hat meist oberirdisch unter Moos gelebt“, erzählt der Experte. Später fanden sie ein unterirdisches Waldhummelnest. Die Jungs interessierten sich auch für Hornissen. Sein Bruder habe ihm gezeigt, dass auch Hornissen nicht stechen, wenn man ruhig mit ihnen umgeht. „Wir wurden auch Hummeln-und-Hornissen-Hagen genannt“, erzählt er.

Wichtig für die Bestäubung

Früher habe es mal 30 verschiedene Arten an Hummeln gegeben, erzählt von Hagen. Heute habe sich die Zahl auf den Bereich zwischen zwölf und 15 reduziert. Dass sei erschreckend, weil die Hummeln eine wichtige Rolle bei der Bestäubung von Pflanzen einnehmen. Vor allem Obstbäume würden sie gern anfliegen. Aber auch andere Pflanzen seien geradezu angewiesen auf die Flieger, denn viele Hummeln haben lange Rüssel. Und auch die kürzeren Rüssel seien noch länger als die von Bienen.

Der 83-jährige Eberhard von Hagen hat als Sechsjähriger begonnen sich für Hummeln zu interessieren. 77 Jahre lange beschäftigte er sich mit dem Schutz und der Zucht der Insekten. Quelle: Rüdiger Franke

Für Hummeln aber auch andere Insekten werde der Lebensraum immer mehr eingeschränkt, so von Hagen. Der 83-Jährige spricht sich unter anderem gegen das häufige Mähen von Wiesen. Dabei werde viel Schaden angerichtet, besonders an den oberirdischen Nestern. Ebenso durch das Spritzen von Herbiziden und Fungiziden. Seine Haltung dazu beeinflusste auch sein berufliches Leben. „Ich wurde an der Universität Gießen als landwirtschaftstechnischer Assistent ausgebildet“, erzählt er. Damit sei er aber nicht zufrieden gewesen, weil er Gift spritzen sollte. „Das wollte ich nicht.“ Und so sei er zum ökologischen Landbau gekommen und habe nebenbei Hummel- und Hornissenschutz betrieben. Ganz nebenbei ernährt er sich seit 15 Jahren vegetarisch. „Auch auf diese Weise kann man Tiere schützen“, sagt er.

Zu wenig Blühpflanzen

Eine Hummel im Nestkasten Quelle: Rüdiger Franke

„Es gibt zu wenige Blühpflanzen“, sagt von Hagen. Er wirbt dafür, dass die Leute Taubnessel, Goldnessel, Rot- und Weißklee stehen lassen. Viele dieser Pflanzen würden dem Mäher zum Opfer fallen, da viele es als Unkraut ansehen würden. „Es gibt kein Unkraut, sondern nur Wildkraut“, betont er. Auch Löwenzahn sei für die Insekten nützlich. Steinhummeln oder auch die besonders tief brummende Schmarotzerhummel würden die gelben Blüten anfliegen. Deshalb kann von Hagen den immer beliebter werdenden Steingärten nichts abgewinnen, auch wenn selbst die Raum für Hummeln bieten können. Denn einige Arten nutzen gern Mäuselöcher, um dort ihre Nester zu bauen. Und sollten die Mäuse dort noch wohnen, gelinge es den Insekten auch, diese durch dauerhaftes Brummen zu vertreiben.

Zwei bis drei Stunden täglich

Der Hummelexperte hat sich nicht nur dem Schutz sondern auch der Zucht von Hummeln verschrieben. Und auch im Altenheim wollte er nicht auf seine brummenden Lieblinge verzichten. In einer Ecke des Geländes hat er nun einige Kästen mit Hummelvölkern stehen. Er hatte dazu einen Antrag beim Landkreis Göttingen gestellt, der das erlaubte, ebenso wie die Heimleitung. „Das größte Hindernis für die Haltung ist, dass viele Menschen denken, alle Hummeln würden stechen.“ Das sei aber nicht der Fall – vor allem, wenn man sich ruhig verhalte. Gleiches gelte aber auch für das Aufeinandertreffen mit Hornissen und Wespen.

Der 83-jährige Eberhard von Hagen hat als Sechsjähriger begonnen sich für Hummeln zu interessieren. 77 Jahre lange beschäftigte er sich mit dem Schutz und der Zucht der Insekten. Vorsichtig öffnet er das Nest. Quelle: Rüdiger Franke

„Leider kennen die Menschen die meisten unterschiedlichen Arten nicht“, sagt der Experte. Gemeinsam mit Ambros Aichhorn, der sich hauptsächlich mit Alpen- und Berghummeln beschäftigt, hat er ein Buch geschrieben, das als Standardwerk rund um die Hummel gilt. Der Titel lautet „Hummeln: bestimmen, ansiedeln, vermehren, schützen“. In Holzerode sitzt von Hagen täglich zwei bis drei Stunden bei seinen Hummeln – außer, wenn es zu heißt ist. „Ich möchte nicht mehr leben, wenn es nicht summt und brummt in der Natur“, hat er kürzlich in einem Filmbeitrag des NDR gesagt. Er hat mit den 20-jährigen Malte Lehmann und Paul Zedler vom Bund Göttingen schon zwei junge Leute gefunden, denen er sein Wissen weitergibt.

Der 83-jährige Eberhard von Hagen hat als Sechsjähriger begonnen sich für Hummeln zu interessieren. 77 Jahre lange beschäftigte er sich mit dem Schutz und der Zucht der Insekten. Vorsichtig öffnet er das Nest. Quelle: Rüdiger Franke

Von Rüdiger Franke

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