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Landolfshausen Wolf bei Landolfshausen gesichtet
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00:22 12.05.2019
Ein Wolf auf einem Feld bei Landolfshausen. Quelle: r
Landolfshausen

Das graubraune Tier mit dem zotteligen Fell streunt über einen Acker zwischen Landolfshausen und Mackenrode, bleibt stehen und blickt sich neugierig um. Wenig später überquert es einen Graben und verschwindet aus dem Blickfeld des Betrachters. Der sitzt nur wenige Meter entfernt auf einen Hochsitz und filmt die Szene. Die Bilder sind gestochen scharf, die Identifizierung ist vermeintlich einfach.

Erste Wolfssichtungen in Landolfshausen im Landkreis Göttingen - wir "freuen" uns über die Zunahme der biologischen Vielfalt und rufen insbesondere die Weidetierhalter zu besonderer Vorsicht auf. Uns erreichen Meldunen, das das viedo ggf schon einige Tage alt sein soll, an der Kernaussage ändert das jedoch nichts. auf youtube:https://www.youtube.com/watch?v=1qXEToUGCLs

Gepostet von Landvolk Göttingen Kreisbauernverband e.V. am Donnerstag, 9. Mai 2019

„Nach unseren bisherigen Erkenntnissen ist das ein Wolf“, sagt Eckhard Wiesenthal, Wildbiologe und Wolfsberater im Landkreis Göttingen. Bei ihm und seinen Kollegen Lilli Middelhoff und Jörg Behling laufen sämtliche Meldung über Sichtungen zusammen. Selten ist die Bewertung so eindeutig, wie in diesem Fall. Er selbst sei erst in der Nacht zu Donnerstag informiert worden, der Fundort habe sich bestätigt.

Das Video ist schon einige Tage alt. Damit ist die Wahrscheinlichkeit, jetzt noch Spuren des Tieres zu finden, äußerst gering. Der Landolfshäuser Wolf kann bereits weit entfernt sein. Die Tiere legen in der Wanderzeit im Frühjahr Strecken von 50 Kilometern pro Tag und mehr zurück, so Wiesenthal. Seine Aufgabe in den kommenden Tagen bestehe darin, möglichst viele Informationen über das Tier zu sammeln. „Für uns ist äußerst interessant, wer er ist.“

Kein Residenzwolf

Nach jetzigem Stand geht der Wolfsberater davon aus, dass es sich um einen sogenannten Durchzügler handelt, nicht um einen Residenzwolf. Die Jungtiere sind derzeit unterwegs auf der Suche nach einem geeigneten Revier. Ob sich ein junger Wolf dann beispielsweise für Südniedersachsen entscheidet, hängt von mehrere Faktoren ab: Ist er ungestört? Hat er Konkurrenz? Wie ist das Nahrungsangebot? Und findet er hier einen Partner?

In der Vergangenheit sind bereits mehrere Wölfe in der Region gesichtet worden. Im Sommer 2017 lief ein Tier bei Lödingsen vor die Kamera eines Passanten. Der Fall gilt als erste bestätigte Sichtung im Landkreis Göttingen. Bei anderen Meldungen fehlte oft der letzte Beweis. Zuletzt stieg landesweit die Zahl der mutmaßlichen Sichtungen – in der Region auch. Im Februar 2019 wurde ein Wolf mittels DNA-Probe eines Schafrisses bei Oldenrode in der Nähe von Bad Gandersheim überführt. Anfang Mai wurde wenige Kilometer weiter ein Wolf in der Nähe von Seesen fotografiert.

„Kein Grund zur Panik“

Alles „kein Grund zur Panik“, sagt Wolfsberater Wiesenthal. „Die Situation war zu erwarten“, so der Experte. Die Population wächst und der Bedarf an Platz ebenso. Noch ist in Südniedersachsen aber kein Wolf sesshaft geworden. Auf der Landkarte, mit der die niedersächsische Landesjägerschaft die bekannten Wolfsterritorien ausweist, ist rund um Göttingen nach wie vor eine weiße Fläche. Alle Wölfe, die hierher kamen, zogen bislang auch wieder weiter.

Dennoch sorgt jede Sichtung immer für eine emotionale Auseinandersetzung mit dem Thema Wolf. Zu beobachten auch jetzt an den Reaktionen auf das jüngste Video, das vom Landvolk Göttingen mit einigen Tipps für Weidetierhalter und den Worten veröffentlicht wurde: „Wir freuen uns über eine Zunahme der biologischen Vielfalt.“ Die Reaktionen fielen teilweise heftig aus.

Kritische Stimmen zum Wolf

Der Wolf zerstöre eher die Biodiversität, als dass er sie fördere, heißt es. Zudem verhindere er, dass Pferde, Schafe oder Ziegen noch auf der Weide gehalten werden könnten, befürchten andere. Weitere Kommentatoren berichten von persönlichen Wolfssichtungen, die bewusst nicht gemeldet worden seien, um die Wölfe vor einer Verfolgung zu schützen. Die Argumente der Befürworter und Gegner stehen sich anscheinend unvereinbar gegenüber.

Wiesenthal kann für beide Seiten Verständnis entwickeln. Als Schäfer, Jäger, Wolfsberater und Vorsitzender des Deutschen Wildgehege-Verbands schlagen mindestens zwei Herzen in seiner Brust. Der Wolf habe als Beutegreifer seine Existenzberechtigung, sagt er. „Er ist ein guter Regulator“, entnehme aus den Wildbeständen vor allem die schwachen Tiere. Gleichzeitig sei er für den Menschen, der sich als Ende der Nahrungskette begreift, ein guter Indikator. Wo der Wolf in Schwierigkeiten gerate, könne es auch für den Menschen bedrohlich werden.

Gleichzeitig könne der Wolf zur Existenzbedrohung für Weideviehhalter werden. Die würden mit der Pflege der Weideflächen einen großen Beitrag zur Artenvielfalt leisten. Häufig handele es sich aber um kleine Betriebe, die einen Verlust von Tieren oder einen aufwändigen Schutz wirtschaftlich kaum verkraften könnten. „Wenn die aufgeben, verlieren wir mehr als nur ein paar Schafe.“

Tatsache sei, dass Weidetiere auf der Speisekarte des Wolfes stehen. Wenn ein Wolf sesshaft geworden ist und erst einmal gelernt hat, dass er sich ungehindert in den Beständen der Haustiere bedienen kann, wird er dieses Wissen nutzen und an sein Rudel weitergeben. Wiesenthals Empfehlung ist daher, den Wolf zu vergrämen.

Schlauer Wolf

„Gerade wenn sie neu in einem Revier ankommen, sind sie noch nicht auf eine bestimmte Beute festgelegt.“ Mache das Tier in dieser Phase eine negative Erfahrung, beispielsweise in Form eines Stromschlags am Weidezaun, werde es mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht zurückkehren. „Der Wolf ist extrem schlau“, betont der Biologe den Vorteil von negativen Lernprozessen.

Wie kann also das Zusammenleben des Menschen mit dem Wolf funktionieren? Vor allem, indem man sich um einen sachlichen Umgang mit dem Thema bemüht, sagt Wiesenthal. Wo der Wolf ausreichend geeigneten Lebensraum findet, könne es ein Nebeneinander geben. Wo aber einzelne Tiere in die Zivilisation vordringen und dort zum Problem werden, müssten diese auch gezielt geschossen werden.

Natur ist nicht niedlich

Der Mensch müsse dafür allerdings auch wieder lernen, die Natur als solche zu begreifen. Aus eigener Erfahrung als Schäfer weiß Wiesenthal, dass der Mensch schnell eine Beziehung zu seinen Tieren entwickelt. Das lässt den Wolf, der potenziell das niedliche kleine Lamm bedroht, für den Menschen schnell zum Feindbild werden. Der Mensch müsse begreifen, „Natur ist nicht niedlich.“

Auf der anderen Seite ist ein solches Tier auch keine Sensation. Häufig machten sich Wolfsfans nach Sichtungen auf mit der Kamera auf die Jagd und ignorieren dabei die Bedürfnisse der Natur. „Wolfstourismus stört“, so Wiesenthals klare Aussage. Gerade in der Brut- und Setzzeit gelte es, die Tiere in Ruhe zu lassen. Das schließe nicht zuletzt den Wolf mit ein, der durch diese Unruhe aus seinem Revier vertrieben würde. Zudem sei die Chance, einen Wolf tatsächlich zu Gesicht zu bekommen, äußerst gering.

In Landolfshausen ist es allerdings mal wieder gelungen. Aber bis sich ein Wolfspaar hier niederlässt, werden Sichtungen das wohl immer die Ausnahme bleiben.

Bewertung der Wolfssichtungen

Die Zahl der Meldungen von Wölfengeht seit Jahren deutlich in die Höhe. Doch nicht alle haben die gleiche Qualität. Die Experten unterscheiden fünf Kategorien: C1 – eindeutiger Hinweis mit sicheren Belegen für die Anwesenheit von Wölfen, wie zum Beispiel Fotos oder DNA-Ergebnisse. C2 – alle Meldungen, die vor Ort durch Wolfsberater dokumentiert werden konnten. Hierunter fallen Risse, Losungen oder Fährten. C3 –Meldungen, die mangels Aussagekraft nicht als Nachweis für Wölfe dienen können, aber als Hinweise auf mögliche Wolfsvorkommen dennoch ins Monitoring einfließen. Falschmeldungen – hierbei kann ein Wolf als Verursacher mit Sicherheit ausgeschlossen werden. Und schließlich gibt es noch Meldungen, die anhand fehlender Grundinformationen nicht bewertet werden können.

In Niedersachsen laufen alle Meldungen bei der Landesjägerschaft zusammen. Diese veröffentlicht auf der Seite wolfsmonitoring.com ständig aktualisiert die Zahlen der Wolfsnachweise im Land.

22 Rudel im Land

Die Landesjägerschaft koordiniert im Auftrag der Landesregierung die wissenschaftliche Erfassung des Wolfsvorkommens in Niedersachsen. Danach ist in den vergangenen acht Jahren die Zahl der Wolfsmeldungen von 100 auf 2500 angestiegen. Bestätigt sind aktuell 22 Wolfsrudel, ein Wolfspaar und ein residenter Einzelwolf im Land. Hinzu kommen immer wieder wandernde Tiere, wie jetzt in Landolfshausen.

Gleichzeitig leistet die Jägerschaft Aufklärungsarbeit. In einer aktuellen Informationsbroschüre werden die Historie der Wölfe in Deutschland ebenso beleuchtet, wie der konkrete Umgang mit den Tieren. Eine der zentralen Aussagen: Von gesunden wilden Wölfen geht in der Regel keine Gefahr für den Menschen aus.

Verhaltensregeln:

Generell gilt: Verhalten Sie sich ruhig und besonnen. Wenn Sie sich unwohl fühlen, ziehen sie sich langsam und ruhig, immer mit dem Gesicht zum Wolf, zurück.

Geben Sie dem Wolf die Möglichkeit, sich zurückzuziehen. Besonders junge Wölfe flüchten nicht immer sofort, sie sind zwar scheu, doch zunächst eher neugierig.

Füttern Sie Wölfe auf gar keinen Fall, dies könnte zu einer Konditionierung führen. Sollte sich der Wolf nähern, machen Sie Lärm oder bewerfen Sie ihn mit Gegenständen.

Fotografieren Sie das Tier, prägen Sie sich möglichst viele Details ein. Mit diesen Informationen kann man sich dann an den zuständigen Wolfsberater wenden. Das sind im Landkreis Göttingen Eckhard Wiesenthal, Telefon 0 55 92 / 92 74 77, Jörg Behling Telefon 05544/951319 und Lilli Middelhoff, Telefon 0 55 82 / 91 89 37.

Für Nutztierhalter hält das Wolfsbüro des Niedersächsischen Landesbetriebs für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz folgende Informationen bereit: „Obwohl sich die Wölfe im Wesentlichen von Wildtieren ernähren, kommt es doch hin und wieder zu Nutztierschäden.“

Um die daraus resultierenden Konflikte zu mindern, hat das Umweltministerium die Richtlinie Wolf erlassen. Die sieht einen finanziellen Ausgleich bei Schadensfällen vor und bietet Unterstützung bei der Beschaffung von Schutzzäunen und Herdenschutzhunden. ms

Von Markus Scharf

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