Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Radolfshausen In Göttingen und Witzenhausen gibt es Poesie auf Knopfdruck
Die Region Radolfshausen In Göttingen und Witzenhausen gibt es Poesie auf Knopfdruck
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
Jetzt kostenlos Testen Zur Anmeldung
00:17 03.04.2018
Simon Heiner (r.) aus Landolfshausen schreibt Gedichte und hat zusammen mit dem Ingeneur Janne Hahne (l.) den Literomaten entwickelt. Wer 50 Cent einwirft, bekommt auf einem Kassenzettel ein Gedicht ausgedruckt. Ein Literomat steht im Göttinger Café Kabale, ein weiterer in Witzenhausen. Quelle: Christina Hinzmann / GT
Anzeige
Landolfshausen/Göttingen

In die robuste Holzkiste müssen Freunde der Poesie 50 Cent einwerfen. Dann rattert das Gerät, es dauert einen Moment, bis die antiquierte Technik die Betriebstemperatur erreicht hat. Heraus kommt eine Überraschung auf einem Kassenbon. Thema und Länge des Gedichtes seien nämlich nicht frei wählbar, sondern dem Zufall überlassen, erklärt Janne Hahne, von Beruf Ingenieur der Elektrotechnik, und in seiner Freizeit Konstrukteur des Literatomaten.

Zu vielerlei Themen gedichtet hat der Göttinger Simon Heiner, der mit seiner Familie auf einem Biohof in Landolfshausen lebt und arbeitet. Balladesk in Umfang und Dramatik kommt „Die Wespe“ daher, deutlich kürzer ist das Gedicht „Berge“, eine lyrische Verbindung von Mensch und Natur. „Von den kurzen Gedichten können auch mal zwei auf dem Ausdruck stehen“, erklärt Konstrukteur Hahne.

Anzeige

Niedrigschwellige Poesie, die jeder verstehen kann

„Gedichte zu veröffentlichen, ist nicht so einfach. Ich hatte schon mehrere Zeitungen angeschrieben. Unter anderem mit der Begründung, dass man nur nicht-reimende Gedichte abdrucken würde, wurden meine abgelehnt“, beschreibt Heiner den klassischen Weg der Veröffentlichungsabsichten. Der Göttinger möchte bewusst niedrigschwellige Poesie anbieten, die jeder verstehen und sich dort auch wiederfinden kann.

Das Klischee in Kunst und Literatur zeigt vielerorts den Dichter, der nur ein Glas Wein und die Muse braucht, um Großes zu schaffen. Den Göttinger küsst die Muse vor allem, wenn er den Kopf frei kriegt, beim Spazierengehen oder im Urlaub. Der Wein inspirierte Heiner und seinen Mitbewohner Janne Hahne, um einen Automaten zu konzipieren, der Gedichte ausspuckt.

Literatomaten im Kabale Göttingen und im Ringelnatz Witzenhausen

Nachdem der erste Literatomat im Kabale in Göttingen aufgestellt wurde und immerhin in wenigen Wochen 20 bis 30 Gedichte unters Volk gebracht hat, hat das Dichter-Erfinder-Team einen zweiten im Ringelnatz in Witzenhausen aufgestellt. Der sei ebenfalls schon angenommen worden, freut sich Heiner.

„Die Idee der Veröffentlichung funktioniert bisher. Der Nachteil ist, dass man wenig Resonanz bekommt. Ich würde gern wissen, wie die Gedichte ankommen oder ob die Leute dadurch ins Gespräch kommen“, sagt der Verfasser. „Auf den Literatomaten stehen auch die Kontaktdaten zu unserer Webseite“, ergänzt Hahne.

Wahrnehmung statt Geld verdienen

Beide Initiatoren weisen darauf hin, dass mit diesem Projekt kein Geld verdient werden solle, es gehe um Wahrnehmung. Auch andere Dichter könnten sich daran beteiligen und Kontakt zum Literatomaten-Team aufnehmen. Die Künstler würden zu 100 Prozent die Einnahmen für ihre eigenen Gedichte aus den Literatomaten erhalten. Bei Bedarf würden auch weitere Geräte gebaut und an anderen Orten aufgestellt werden.

Weitere Informationen:

Kontakt zu Simon Heiner über http://simonheiner.de/category/gedichte/

Facebookseite des Literatomaten-Teams: https://www.facebook.com/Der-Literatomat-143430632998390/

Internetseite des Literatomaten: http://www.literatomat.de/

Von Claudia Nachtwey

Anzeige