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Radolfshausen Landolfshausen steht hinter dem Käsehof
Die Region Radolfshausen Landolfshausen steht hinter dem Käsehof
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19:44 22.08.2018
Heide Ulrich und Eberhard Prunzel-Ulrich vom Käsehof Landolfshausen lassen sich auch nach dem Großbrand in ihrem Wohngebäude nicht unterkriegen. Mit Hilfe von Katrin Zansinger vom Verein Ökotopia Südniedersachsen wollen sie den Betrieb aufrecht erhalten. Quelle: Nadine Eckermann
Landolfshausen

Nach dem Großbrand auf dem Käsehof in Landolfshausen in der Nacht zu Sonnabend saß der Schock bei der Betreiberfamilie zunächst tief. Doch schon jetzt steht für Heide Ulrich und Eberhard Prunzel-Ulrich fest: Sie machen weiter.

„Der Käsehof ist abgebrannt, ja. Aber der Käsehof lebt.“ Heide Ulrich klingt kämpferisch, wenn sie auf die Frage antwortet, wie es jetzt weitergehen soll mit dem Biobetrieb in Landolfshausen, dessen Wohnhaus in der Nacht zu Sonnabend einem Feuer zum Opfer gefallen ist. Dabei steht sie in dem Moment, als sie das sagt, im Wortsinn vor den Scherben ihrer Existenz: Überall in der Hofeinfahrt des Gebäudes am Oberdorf liegen kaputte Dachziegel. Ein nächtlicher Großeinsatz der Feuerwehr, Schaden im sechsstelligen Bereich, wie die Polizei schätzt, persönliche Habseligkeiten sind zerstört, ebenso wie das gesamte Wohnhaus. „Wo das Feuer nicht war, ist jetzt vermutlich das Wasser“, sagt die 63-Jährige. Und dennoch ist für Ulrich und ihren Ehemann Prunzel-Ulrich eines ganz klar: „Es geht weiter.“ Wie? Das wüssten sie auch nicht so genau. Aber wann: jetzt.

Ab Dienstag Schulklassen zu besuch

„Wir haben von morgen an bereits Schulklassen hier, die am Getreideprojekt teilnehmen, erklärt Katrin Zansinger vom Verein Ökotopia Südniedersachsen, der den Ökobetrieb bei Veranstaltungen und pädagogischen Angeboten unterstützt. Drei Wochen lang volles Programm – und das soll exakt so stattfinden, wie es geplant war.

Verkauf auf Märkten

Auch der Verkauf auf den Märkten in der Umgebung und vom Hof aus soll weitergehen. Dank einer Nachbarin, die für die Stromversorgung gesorgt habe, sei die Kühlkette nicht unterbrochen gewesen, sodass die vollständige Marktware erhalten geblieben sei, berichten die Betreiber.

Der landwirtschaftliche Betrieb sei bereits am Tag nach dem Brand wieder aufgenommen worden. „Jeder Tag zählt“, sagt Prunzel-Ulrich. Er sei „unglaublich dankbar“, dass ohne große Bitten beispielsweise der Brothof in Waake die Einsaat der Zwischenfrucht übernommen habe – sonst hätten über kurz oder lang die Tiere ohne Futter dagestanden. Auf dem Hof leben etwa 60 Bunte Edelziegen und 40 Schwarze Milchschafe, jedes Jahr kommen dort 150 bis 200 Lämmer zur Welt, ist der Website zu entnehmen. Zum Glück waren die Tiere zum Zeitpunkt des Brandes nicht im Stall, sondern auf der Sommerweide.

Tiere auf der Sommerweide

Weder Menschen noch Tiere sind durch den Brand zu Schaden gekommen – obwohl das Feuer im Wohnbereich über dem Stall ausgebrochen war. Aus welchem Grund, ist noch nicht abschließend geklärt. Die Polizei geht derzeit von einem technischen Defekt aus, ein Fremdverschulden könne beim aktuellen Stand der Ermittlungen ausgeschlossen werden.

Bemerkt hatte das Feuer, so Prunzel-Ulrich, ein Praktikant. Er habe gerade Bescheid gesagt, dass er ein Flackern wahrgenommen habe, als die Rauchmelder angeschlagen hätten, sagt Prunzel-Ulrich. Er sei daraufhin mit dem Feuerlöscher hochgerannt und habe die Flammen in einem der Zimmer gelöscht. Beim Öffnen einer Klappe für den Kaminkehrer seien ihm dann lodernde Flammen entgegengeschlagen – und ihm sei klargeworden, dass er mit dem Feuerlöscher nicht mehr ausrichten könne: „Ich habe nur noch alle aus dem Haus geschickt“, berichtet Prunzel-Ulrich. „Alle Leute raus“, habe er gerufen. Ihm sei in dem Moment bereits bewusst gewesen, wie ernst die Lage sei. Dank eines Notfallplans, den er bereits seit Jahren im Kopf gehabt habe, sei es ihm gelungen, die wichtigsten Dokumente aus dem Büro zu retten – unter anderem die Versicherungsunterlagen.

Rund 110 Kräfte an Löscharbeiten beteiligt

Akten im Käsewagen

Nachbarn hätten geholfen, die Akten in den Käsewagen zu verfrachten und den Wagen beiseite zu schaffen, um Platz für die Feuerwehr zu machen, berichtet der 64-Jährige. Überhaupt habe er in der Nacht und bis jetzt eine riesige Unterstützung erfahren. „Das ganze Dorf steht hinter uns“, sagt seine Frau. Für die 63-Jährige ist diese Solidarität derzeit die Energiequelle für den Neuanfang. Schon in der Brandnacht habe sie gespürt, wie groß die Anteilnahme im Ort sei: Während die mehr als 100 Feuerwehrleute aus Radolfshausen, Gieboldehausen und Duderstadt ihre Arbeit „sehr professionell“, wie sie sagt, verrichteten, hätten Nachbarn für Verpflegung gesorgt. Löschwasser lieferte unter anderem ein Landwirt aus der Nachbarschaft. „Wir möchten uns bei allen unseren Ersthelfern bedanken“, sagt Prunzel-Ulrich – und meint damit nicht allein die, die in der Nacht vor Ort waren.

Löscharbeiten in der Nacht zu Sonnabend.

Unterstützung von Nachbarn und Biobauern

Denn das Unglück der Familie beschäftigt inzwischen nicht nur ganz Landolfshausen und die Ökolandwirtschaft, die Branche, in der die Eheleute tätig sind: Von Nachbarn hätten sie ein leerstehendes Haus angeboten bekommen, um dort einziehen zu können. Andere hätten einen ganzen Hausstand angeboten. Wieder andere brächten spontan ein Frühstück vorbei oder böten Kleidung an, zeigen sich die Eheleute dankbar und gerührt. Das Mitarbeiterteam und die Praktikanten übernähmen den Betrieb, den Verkauf und das Programm. Andere Landwirte ständen beiseite, um dabei zu unterstützen, ein Käsehof aus Lutterhausen habe eine mobile Käserei vorbeigebracht – einfach so. „Wir werden Hilfe nötig haben“, glaubt Prunzel-Ulrich. Er geht davon aus, dass es ein bis eineinhalb Jahre dauern werde, bis der Käsehof wieder ein Wohnhaus habe.

Auch wenn möglicherweise viele persönliche Erinnerungsstücke und Dinge des täglichen Gebrauchs nicht mehr zu retten seien – der Brandort ist beschlagnahmt und darf noch nicht betreten werden – habe sie der Brand nicht ins Unglück gestürzt, sagt Ulrich. „Geweint habe ich mehr aus Dankbarkeit für die Unterstützung als über den Verlust des Gebäudes.“

Was in der Nacht zu Sonnabend geschah, lesen Sie hier.

Betrieb auf dem Käsehof läuft weiter

Landwirtschaftlicher Betrieb, Verkauf und Veranstaltungsprogramm des Käsehofs in Landolfshausen sollen wie geplant in vollem Umfang stattfinden – wenn auch Eberhard Prunzel-Ulrich das Tagesgeschäft an seine Mitarbeiter abgegeben hat, um sich um die vielen durch den Brand entstandenen Aufgaben zu kümmern. Der Biobetrieb vermarktet außer Schaf- und Ziegenkäse auch Lamm- und Weidefleisch sowie Felle und Wolle von unseren Tieren. Auf dem Göttinger Wochenmarkt soll der Verkaufswagen wie gewohnt dienstags, donnerstags und sonnabends vertreten sein. In Bovenden werden die Waren weiterhin freitags angeboten. Der Markt in Landolfshausen am Thie vor der Kirche steht mittwochs von 16 bis 17.30 Uhr auf dem Programm. An den Marktständen sollen Spendendosen aufgestellt werden. Das Geld soll genutzt werden, um den Käsehof wieder aufzubauen. Auch sollen die Bioläden, die Käsehof-Produkte anbieten, weiter beliefert werden.

Ob und welche Sachspenden gebraucht werden, können die Betreiber und Mitarbeiter des Käsehofs derzeit noch nicht abschätzen. Da der Brandort für die Ermittlungen der Kriminalpolizei derzeit noch beschlagnahmt ist, haben die Opfer des Brandes noch keinen Überblick, was ihnen fehlen könnte.

Zur Unterstützung des Hofes sind Spendenkonten eingerichtet:

IBAN: DE11260500010030000236 (Sparkasse Göttingen)

Stichwort: „Brandhilfe Käsehof

Kontoinhaber: Gemeinde Landolfshausen

IBAN: DE40 2606 1291 0048 5824 70 (Volksbank Mitte)

Stichwort: „Brandhilfe Ökotopia“,

Kontoinhaber: Ökotopia Südniedersachsen e.V.

Weitere Infos sind auf der Ökotopia-Website raus-aufs-land.de zu finden.

Von Nadine Eckermann

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