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Radolfshausen Nach Unfall Bitte um Bargeld: Seulinger Seniorin ist Opfer des Enkeltricks
Die Region Radolfshausen Nach Unfall Bitte um Bargeld: Seulinger Seniorin ist Opfer des Enkeltricks
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18:05 03.03.2020
Vor allem ältere Menschen werden am Telefon Opfer von Trickbetrügern. Quelle: dpa
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Seulingen

Ein falscher Enkel hat eine Seniorin in Seulingen um mehrere Tausend Euro betrogen, teilt die Pressestelle der Polizeiinspektion (PI) Göttingen mit. Der Betrug habe sich am Donnerstag, 27. Februar, ereignet. Der Sachverhalt sei vier Tage später, am Montagnachmittag, bei der Polizei in Duderstadt angezeigt worden. Die Polizei bittet mit einer Täterbeschreibung Bürger um Hinweise.

Nach ersten Ermittlungen habe der angebliche Verwandte in einem Telefonat vorgegeben, in einen Verkehrsunfall verwickelt gewesen zu sein, so Jasmin Kaatz, Pressesprecherin der PI. Für die Schadensregulierung benötige er sofort dringend Bargeld, habe er dem Opfer gesagt. Die Polizei solle nicht eingeschaltet werden, habe er in dem Telefonat ausdrücklich betont, so Kaatz.

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Drei Anrufe: Falscher Enkel – falsche Verwandte – falsche Bankerin

Dem Gespräch mit dem „falschen Enkel“ seien „wenig später die Anrufe einer angeblichen Bankangestellten und einer anderen Frau, die sich ebenfalls als Verwandte ausgab“ gefolgt, so die Polizeisprecherin. „Die so getäuschte Seniorin übergab schließlich am frühen Abend gegen 19.15 Uhr im Bereich Hauptstraße/Zwischen den Zäunen einen mit Geld gefüllten Umschlag an einen unbekannten etwa 25 Jahre alten Abholer.“

Der Betrüger werde „als etwa 170 bis 180 Zentimeter groß, mit kurzen, dunkelbraunen Haaren beschrieben“, teilte die Polizei weiter mit. Er soll „von schlanker bis schmächtiger Figur gewesen sein und Jeans getragen haben. Weiteres ist bislang nicht bekannt.“ Die Ermittlungen dauerten an. Sachdienliche Hinweise würden die Beamten des Polizeikommissariats Duderstadt, Telefon 05527/98010, entgegennehmen.

Der Enkeltrick: „Eine besonders hinterhältige Form des Betrugs

Der so genannte Enkeltrick sei „eine besonders hinterhältige Form des Betrugs, der für Opfer oft existenzielle Folgen haben kann“, so die polizeiliche Kriminalprävention der Länder und des Bundes. Die Betroffenen könnten hohe Geldbeträge verlieren „oder sogar um Ihre Lebensersparnisse gebracht werden“.

„Mit den Worten ,Rate mal, wer hier spricht’ oder ähnlichen Formulierungen“ würden Betrüger bei meist älteren und allein lebenden Personen anrufen, sich als Verwandte, Enkel oder auch gute Bekannte ausgeben und um Bargeld bitten – und zwar kurzfristig, heißt es auf der Homepage der Präventionsstelle.

Unfall oder Computerkauf: Vortäuschung einer Notlage

Als Grund werde häufig ein finanzieller Engpass oder eine Notlage vorgetäuscht, beispielsweise ein Unfall, ein Auto- oder Computerkauf. „Die Lage wird immer äußerst dringlich dargestellt. Oft werden die Betroffenen durch wiederholte Anrufe unter Druck gesetzt.“

Sobald das Opfer zahlen wolle, werde ein Bote angekündigt, der das Geld abholen würde. „Hat der Betroffene die geforderte Summe nicht parat, wird er gebeten, unverzüglich zur Bank zu gehen und dort den Betrag abzuheben. Nicht selten ruft der Täter sogar ein Taxi, wenn das Opfer den Weg nicht mehr zu Fuß bewältigen kann.“ Auf diese Weise hätten Enkeltrick-Betrüger bereits Beträge „im fünfstelligen Eurobereich“ erbeutet.

Die Polizei hat Tipps gegen den Enkeltrick als Leitfaden für potenzielle Opfer zusammengestellt

  • „Seien Sie misstrauisch, wenn sich Anrufer am Telefon nicht selber mit Namen melden. Raten Sie nicht, wer anruft, sondern fordern Sie Anrufer grundsätzlich dazu auf, ihren Namen selbst zu nennen.
  • Seien Sie misstrauisch, wenn sich Personen am Telefon als Verwandte oder Bekannte ausgeben, die Sie als solche nicht erkennen. Erfragen Sie beim Anrufer Dinge, die nur der richtige Verwandte/Bekannte wissen kann.
  • Geben Sie keine Details zu Ihren familiären und finanziellen Verhältnissen preis.
  • Lassen Sie sich nicht drängen und unter Druck setzen. Nehmen Sie sich Zeit, um die Angaben des Anrufers zu überprüfen. Rufen Sie die jeweilige Person unter der Ihnen lange bekannten Nummer an und lassen Sie sich den Sachverhalt bestätigen.
  • Wenn ein Anrufer Geld oder andere Wertsachen von Ihnen fordert: Besprechen Sie dies mit Familienangehörigen oder anderen Ihnen nahestehende Personen.
  • Übergeben Sie niemals Geld oder Wertsachen wie Schmuck an unbekannte Personen.
  • Kommt Ihnen ein Anruf verdächtig vor, informieren Sie unverzüglich die Polizei unter der Nummer 110.
  • Sind Sie bereits Opfer eines Enkeltricks geworden, zeigen Sie die Tat unbedingt bei der Polizei an. Dies kann der Polizei helfen, Zusammenhänge zu erkennen, andere Personen entsprechend zu sensibilisieren und die Täter zu überführen.
  • Lassen Sie Ihren Vornamen im Telefonbuch abkürzen – aus Herta Schmidt wird beispielsweise H. Schmidt. So können die Täter Sie gar nicht mehr ausfindig machen. Zum Ändern eines Telefonbucheintrags wenden Sie sich an die Telekom.
  • Bewahren Sie Ihre Wertsachen, zum Beispiel höhere Geldbeträge und andere Wertgegenstände nicht zu Hause auf, sondern auf der Bank oder im Bankschließfach.“
  • Für die Ermittlungen der Täter im Fall der betrogenen Seulinger Seniorin Ende Februar hofft die Polizei auf Hinweise von Bürgern. Ansprechpartner sind die Beamten des Polizeikommissariats Duderstadt, Telefon 05527/98010.

Von Stefan Kirchhoff

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