Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Radolfshausen Niedersächsische Meisterschaft im Holzrücken
Die Region Radolfshausen Niedersächsische Meisterschaft im Holzrücken
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:20 12.07.2018
Aus acht Bundesländern sind die Teilnehmer nach Seeburg gereist und zeigen mit Kaltblutpferden und Ponys Genauigkeit und Geschicklichkeit beim Transport von Baumstämmen. Quelle: Helge Schneemann
Anzeige
Seeburg

Organisiert wurde die Veranstaltung von Norbert Rudolph. Der Ebergötzer bildet selbst seit Jahren Rückepferde aus. Sein Kaltblut „Fuchs“ wurde in den Meisterschaften von der 16-jährigen Lara Ueckert durch den Parcours dirigiert. „Ein bisschen aufgeregt war ich schon“, sagte die jüngste Teilnehmerin lachend, nachdem sie „Fuchs“ erfolgreich durch die Gassen und über Hindernisse mit dem Baumstamm im Schlepptau geführt hatte.

Nur noch vier hauptberufliche Holzrücker in Niedersachsen

In Niedersachsen sei das Holzrücken nur noch wenig verbreitet, daher habe es bisher auch keine offene Meisterschaft auf Landesebene gegeben, erklärte Johannes Brunotte, Vorsitzender der Interessengemeinschaft Zugpferde (IGZ) als zuständiger Dachverband. „Im niedersächsischen Flachland wird Holz heutzutage maschinell geerntet. Pferde werden nur noch dort eingesetzt, wo keine Maschinen hinkommen, an Steilhängen im Harz oder wenn der Boden sehr feucht ist“, erklärte Brunotte. Ihm seien nur noch vier hauptberufliche Holzrücker im Land bekannt.

Anzeige
Kaltblüter, Ponys und Teilnehmer aus acht Bundesländern in Seeburg

In Seeburg wurde nun erstmalig auf Rudolphs Initiative eine offene Niedersachsenmeisterschaft ausgetragen, woran auch Holzrücker aus anderen Bundesländern und aus dem Ausland teilnehmen durften. An der Niedersächsischen Meisterschaft auf Landesebene, die ebenfalls stattfand, konnte nur teilnehmen, wer aus Niedersachsen stammt, seinen Wohnort innerhalb des Bundeslandes hat oder dem IGZ Niedersachsen angehört.

Meisterschaften werden auch in der IGZ als Forum begrüßt, um in der Öffentlichkeit das Bewusstsein für die Arbeitskraft Pferd zu erhalten. „Mit solchen Veranstaltungen kann gezeigt werden, welche Bedeutung das Holzrücken für den Landschaftsschutz hat“, sagte Brunotte und wies darauf hin, dass von Rückepferden weit weniger im Boden zerstört werde als durch schwere Maschinen.

Baumstämme werden passgenau abgelegt

Doch nicht nur Kaltblüter haben Geschick beim Holztransport bewiesen. „Ponys haben den gleichen Parcours zu bewältigen. Die Hindernisse werden nur der Größe angepasst und die Stangen sind etwas kleiner“, erklärte Kelvin Barg, der erst vor einem halben Jahr über seinen zukünftigen Schwiegervater Norbert Rudolph zum Holzrücken gekommen ist. Mit dem ehemaligen Reitschulpony Tila ist er in der Ponyklasse einspännig angetreten. Das Pony ist auf einem Auge blind. „Da muss es schon großes Vertrauen in den Leinenführer haben, aber die Stute bewältigt ihre Aufgaben erstklassig“, lobte Barg das kleine Pferd, das sich völlig auf das Augenmaß seines Leinenführers verließ. Im Parcours ging es nämlich nicht nur um das Schleppen von Stämmen, sondern die mussten auch passgenau in vorgegebenen Kerben oder ausbalanciert als „Wippe“ auf einem zweiten Stamm abgelegt werden.

Für stilechte Unterhaltung zwischen den Prüfungen wurde ebenfalls gesorgt. Die Harzer Holzfuhrleute unter der Leitung von Bernfried Saatze präsentierten die traditionelle Kunst des Peitschenknallens und angespannt wurde außerhalb des Wettbewerbs auch die Rinderrasse Harzer Rotes Höhenvieh. „Wenn die Meisterschaft auch im kommenden Jahr stattfindet, wollen wir das Rahmenprogramm noch etwas erweitern“, sagte Rudolph schon mit Blick auf die Zukunft.

Die Veranstaltung wurde fachkundig und auch für Laien informativ moderiert von Uwe Hilleke, der selbst mit seinem Kaltblut-Zweiergespann antrat.

Von Claudia Nachtwey