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Radolfshausen Ortsumgehung Waake: Anwohner hadern noch immer
Die Region Radolfshausen Ortsumgehung Waake: Anwohner hadern noch immer
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14:05 09.09.2019
Das Bild zeigt die relativ hoch liegende Umgehungsstraße von westlicher Seite. Im Hintergrund liegt Waake, im Vordergrund ist die alte B 27 zu sehen. Quelle: Meinhard
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Waake

Vor vier Jahren ist die Ortsumgehung Waake für den Verkehr freigegeben worden. Das Bauprojekt war umstritten. Wenn sich andernorts bei ähnlichen Vorhaben fast nur Zustimmung breit macht, zeigte sich im Fall von Waake und dem benachbarten Bösinghausen viel Ablehnung gegenüber der Umgehungsstraße. Eine Bürgerinitiative klagte sogar gegen das Projekt, hatte damit allerdings keinen Erfolg. Eine andere Bürgerinitiative votierte für den Bau. Der begann mehr oder minder überraschend, denn das Vorhaben stand im Bundesverkehrswegeplan unter der Rubrik „weiterer Bedarf“. In der Regel ist dann davon auszugehen, dass eine Realisierung erst einmal nicht erfolgt. Doch im Fall Waake ging es schneller als gedacht. Der erste Spatenstich erfolgte am 19. März 2010.

Viele Beschwerden nach der Freigabe

Wer heute auf der B 27 kommend den Roringer Berg passiert hat, die Umgehungsstraße verlässt und in den Ort Waake hinein fährt, findet sich in einer ruhigen Ortschaft wieder. Kein Stau mehr an der ohnehin abgebauten Ampel am Abzweig nach Mackenrode, keine übermäßigen Abgase, kein Verkehrslärm. Jedenfalls nicht hier. Statt durch den Ort rauscht der Verkehr jetzt über die Ortsumgehung. Völlig geräuschlos ist das natürlich nicht möglich. Nach der Freigabe der neuen Straße gab es etliche Beschwerden von Bürgern, die sich durch das von Kraftfahrzeugen verursachte Hintergrundrauschen belästigt fühlten, schlimmer noch seien die Geräusche beim Überfahren der Dehnungsfugen auf der Brücke, hieß es, eine Mischung aus Schlagen und Klopfen.

 Lärmbelastung abhängig vom Wind

Bürgermeister Johann Karl Vietor sieht mit der Ortsumgehung Licht und Schatten verbunden. Quelle: Meinhard

Bürgermeister Johann Karl Vietor (CDU) schätzt ein: „Früher waren einige wenige stark belastet. Jetzt sind viele etwas belastet.“ Sprich: Die Fahrgeräusche auf der relativ hoch liegenden Umgehung bilden eine andere Lärmstreuung als die einstigen Karawanen auf der innerörtlichen Burgstraße. „Die Lärmbelastung hat viel mit der Windrichtung zu tun“, sagt Vietor. „Unser Ort ist auf jeden Fall deutlich lebenswerter geworden“, verweist er auf einen positiven Effekt. „Wir sind dabei“, ergänzt er, „die Aufenthaltsqualität zu entwickeln.“

So ist vor dem Brothofladen eine Bank-Tisch-Kombination aufgestellt worden. Radfahrer etwa, die im Dorf eine Pause einlegen, können und sollen ihn nutzen. Das sei auch schon geschehen, versichert Catarina Frey. Sie arbeitet im Brothofladen mitten im Ort, der mit seinen Lebensmitteln in Bioqualität seit vielen Jahren vor allem Göttinger anlockt. Die Frage, ob die Zahl der Kunden mit Inbetriebnahme der Umgehung zurückgegangen ist, verneint sie. „Das war unsere Befürchtung, aber so ist es nicht gekommen. Das liegt daran, dass wir viele Stammkunden haben, die uns treu bleiben“, meint Frey.

Tunnel-Projekt wurde ad acta gelegt

Trotz der eindeutigen Vorteile hadert auch der Bürgermeister mit der Ortsumgehung. „Die Straße ist ein räumlicher Einschnitt in die Landschaft“, gibt er zu bedenken. Eigentlich sollten die beiden Orte Waake und Bösinghausen mit der Ausweisung neuer Baugebiete zusammenwachsen. Diese Idee hat die neue Straße torpediert. Es gab auch alternative Pläne. Eine Projektierung sah vor, die Umgehungsstraße auf der Südseite des Dorfes entlang zu führen. Dagegen hätten damalige Ortsräte gestimmt, die ihr Haus ebendort hatten und der hier teilweise felsige Untergrund, weiß Vietor. Im Raum stand auch die Idee, Waake zu untertunneln.

„Wir zeigen auf den Amazonas

Dieser Tunnel wäre die beste Lösung und auch beherrschbar gewesen, findet der Anwohner und forstwissenschaftliche Sachverständige sowie einstige Vorsitzende der Kontra-Bürgerinitiative Oliver Trisl. „Das wäre auch nicht viel teurer geworden“, ist er sich sicher. Auch er beklagt den „massiven Eingriff“ in die Landschaft. Da seien Naturraum und wertvolle Ackerflächen vernichtet worden.

„Wir zeigen mit dem Finger auf den Amazonas – und was machen wir? Jeden Tag werden in Deutschland Flächen in der Größe von zwei Fußballfeldern zubetoniert“, stellt Trisl einen Vergleich mit dem Raubbau in Brasilien an. Und gewöhnt habe er sich keineswegs an die Ortsumgehung, weder optisch noch akustisch. „Manche heizen da lang“, kritisiert der Bösinghauser den Bleifuß einiger Zeitgenossen. Seine Einschätzung für die Einwohner lautet: „Viele sind schlechter gestellt, wenige besser.“

Zu hohes Tempo auf der Umgehung

Daran gewöhnt? „Nein. Das ist auch nicht möglich“, sagt Dietmar Reinecke. Er wohnt nahe an der neuen Straße. Vor allem bei Westwind, erklärt er, würden die Fahrgeräusche überdeutlich herangetragen. „Es sind für mich weniger die Dehnungsfugen, als die Abrollgeräusche der Reifen, die stören“, legt er dar. Fahrzeuge mit hoher PS-Zahl, die die Umgehungsstraße mit hoher – zu hoher – Geschwindigkeit passieren, seien vor allem zu hören.

Die Entlastung innerorts spielt für Reinecke eine untergeordnete Rolle. „Das habe ich früher nur ganz selten gehört. Die Fahrgeräusche waren anders, die Fahrzeuge waren ja auch langsamer.“ Er habe die Erfahrung gemacht: „Wenn man auf der Umgehungsstraße 100 fährt, ist man schon der Langsamste.“ Es sei sehr schade, dass sich die Verantwortlichen nicht für Lärmschutzwände – und seien sie auch nur einen Meter hoch – oder Flüsterasphalt entschieden haben.

Auf die jetzt erfolgte Straßensanierung des B 27 Zubringers in Göttingen und die dortige streckenweise ausgeschilderte Geschwindigkeitsbegrenzung auf 80 Kilometer in der Stunde hinweisend sagt Reinecke: „Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Lärmbelastung am Holtenser Berg größer ist als hier.“

Messung der Lärmbelastung

Messergebnisse unter den Grenzwerten

Waake sowie der Ortsteil Bösinghausen gehören zur Samtgemeinde Radolfshausen. Die Ortsumgehung, die zwischen beiden Ortschaften entlang führt, ist 2,5 Kilometer lang. Insgesamt sieben Brücken mussten gebaut werden, was das Projekt teuer machte. Die Bauarbeiten kosteten 18 Millionen Euro. Die Umgehung beginnt am Waldhaus „Södderich“ und mündet hinter Waake wieder auf die alte B 27.

Nachdem es immer wieder Beschwerden über zu hohe Lärmbelastungen durch die Ortsumgehung gab, ist im Juni 2018 durch das Göttinger Akustikbüro eine Messung vorgenommen worden. Die Messwerte lagen zwar über denen des Planfeststellungsverfahrens, aber unter den Grenzwerten.

Nach Fertigstellung der Ortsumgehung hatten die Mitglieder der grünen Kreistagsfraktion mit ironischem Unterton festgestellt: „Der morgendliche Stau auf der B 27 kommt nicht mehr an der Ampel in Waake, sondern an der Ampel Knochenmühle zum Stehen. Was für eine Überraschung.“

Der Bürgermeister geht davon aus, dass der Landkreis noch einen Ausbau des Radweges im Bereich Waake und den Rückbau von jetzt überflüssigem Asphalt an der einst viel befahrenen Kreuzung im Ort initiiert.

Von Anwohnern beklagt wird auch, dass Autofahrer mit zu hoher Geschwindigkeit in den Ort hineinfahren.

Von Ulrich Meinhard

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