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Radolfshausen Unterschriften sollen altes Bootshaus am Seeburger See retten
Die Region Radolfshausen Unterschriften sollen altes Bootshaus am Seeburger See retten
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16:00 21.12.2018
Bruno Kluge (l.) und Mario Schneemann kämpfen für den Erhalt des alten Bootshauses am Seeburger See. Quelle: Rüdiger Franke
Seeburg

Das alte Bootshaus in Seeburg soll endgültig abgebaut werden. Die Entdeckung von Fledermäusen hat dem Gebäude noch eine Schonfrist bis zum neuen Jahr verschafft. Der Obernfelder Mario Schneemann engagiert sich mit einigen Mitstreitern für den Erhalt Seeburger „Wahrzeichens“ und hat jetzt eine Unterschriftenaktion gestartet.

Fledermäuse umsiedeln

Als vor 13 Jahren das neue Naturinformationszentrum wenige Meter vom Bootshaus entfernt gebaut werden sollte, wurde die Genehmigung dazu nur mit der Auflage erteilt, dass das alte Bootshaus abgerissen wird. Diese Auflage soll nun umgesetzt werden, fordert der Landkreis Göttingen. Allerdings wurden in dem Haus Fledermäuse entdeckt, die zunächst umgesiedelt werden müssen. Diese Zeit will die Initiative um Mario Schneemann nutzen, den Abriss doch noch zu verhindern.

Unterschriftenlisten

Ein Schild mit der Aufschrift „Rettet das alte Bootshaus!“ macht Besucher am See auf die Unterschriftenaktion aufmerksam. Listen liegen unter anderem in Seeburg in der Bäckerei Wollersen, im Salon Kamm In, im Old Sailor, im Graf Isang und im Wellenreiter aus, erzählte Schneemann beim Aufstellen des Schildes. Weitere Listen gebe es auch in der Bäckerei Döring in Obernfeld und in Angelgeschäften der Region bis nach Göttingen.

Online-Petition

Dazu startete Schneemann die Online-Petition „Erhalt ’Altes Bootshaus’ am Seeburger See“. In den ersten drei Tagen haben 341 Menschen diese Petition unterzeichnet und in ihren Kommentaren klar Stellung für den Erhalt bezogen. Sie bezeichneten das Haus als „Wahrzeichen“, forderten den „Erhalt von Kulturgut“.

Wahrzeichen von Seeburg

Schon als der endgültige Abbau bekannt wurde, gab es Reaktionen. „Das Bootshaus muss erhalten bleiben“, erklärte die ehemalige Seeburgerin Annabel Ulrich. „Das Haus ist in meinen Augen das Wahrzeichen von Seeburg. Es gehört zum See. Ohne das Haus fehlt einfach was.“

Einzeldenkmal

„Ich verstehe schon die ganzen Jahre nicht, warum dieses Landmark nicht schon längst zum Einzeldenkmal erklärt wurde“, schrieb zum Beispiel Ottobock-Chef Hans Georg Näder. Den Fledermäusen gehöre im Sinne des Naturschutzgedankens größter Respekt und Schutz. „Wie schon gesagt, übernehme ich gern die Kosten für eine vorsichtige fachgerechte Ertüchtigung.“ Der Landkreis könne doch wohl im Sinne des Natur- und Denkmalschutzes den Weg ebnen, hofft Näder.

Kulturgut in Südniedersachsen

„Diese alte Hütte ist Kulturgut in Südniedersachsen und darf nicht abgerissen werden“, betonte auch Günther Hennemann aus Falkenhagen. In Überlingen am Bodensee seien sogar Hütten nachgebaut hat, um zu demonstrieren, dass diese geschichtlich interessant seien. Mit dem Seeburger See habe es in diesem Gebiet bereits vor mehr 10000 Jahren Leben gegeben hat. Der Mensch habe auch damals gefischt und bestimmt auch schon im Seeburger See. „Diese alte Fischerhütte muss wieder saniert werden und unter Denkmalschutz gestellt werden“, forderte Hennemann. „Ich denke, dass sich an den Kosten auch das Land Niedersachsen beteiligen muss.“

Die Fischerin vom Seeburger See

Historische Aufnahme vom alten Bootshaus am Seeburger See Quelle: r

Gefischt wurde auf jeden Fall im vergangenen Jahrhundert im See. Im Mittelpunkt stand das alte Bootshaus. „Unsere Schwieger- beziehungsweise Großmutter Erna Ripping hat den größten Teil ihres Lebens in der Bootshütte verbracht, um Angler und Ruderer wochentags und an Wochenenden mit Booten und Angelscheinen zu versorgen“, schrieb Margarethe Ripping gemeinsam mit Christian und Jan Ripping. Zunächst sei das noch in der Vorgängerhütte erfolgt, aber seit den 1980er-Jahren auch in der jetzigen. „Viele Erinnerungen hängen an diesem Platz, berichtete Margarethe Ripping. Der Ehemann von Erna Ripping sei Fischereimeister gewesen und habe von der Bernshäuser Seite aus den See mit Stellnetzen und Aalschnüren befischt. Die geräucherten Aale seien dann im Bootshaus an die Ruderkunden verkauft worden. „Es scheint heute kaum noch vorstellbar, dass noch vor einer Generation jemand seinen Lebensunterhalt als Berufsfischer am Seeburger See verdient hat.“ Vor diesem Hintergrund sei das Bootshaus „ein gelebtes Stück Zeitgeschichte, das es aus unserer Sicht auch für die nachfolgenden Generationen unbedingt zu bewahren gilt“. Es könne nicht sein, dass es beim Abriss des Bootshauses wirklich nur darum gehe, „die Auflagen einer vor Jahren gegebenen Baugenehmigung zu erfüllen“.

An einen Tisch setzen

Umweltdezernentin Christel Wemheuer hatte erklärt, dass es keinen Spielraum und keine rechtlichen Möglichkeiten gebe. „Wir sind nicht auf Krawall aus“, betont Mario Schneemann. Er hofft, dass es noch zu einem Gespräch mit Vertretern des Landkreises komme. „Wir sind bereit, uns um das Bootshaus zu kümmern.“ Das könne auch vertraglich geregelt werden. „Auf jeden Fall würden wir uns gern zusammen an einen Tisch setzen.“

Den Autor erreichen Sie unter: r.franke@eichsfelder-tageblatt.de, facebook.com/RuedigerFranke.rf

Von Rüdiger Franke

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