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Radolfshausen Rock unterm Hünstollen: Gechillte Stimmung bei harten Klängen
Die Region Radolfshausen Rock unterm Hünstollen: Gechillte Stimmung bei harten Klängen
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14:00 02.06.2019
Harte Klänge: Ox machen den Anfang bei "Rock unterm Hünstollen". Quelle: Kuno Mahnkopf
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Holzerode

Recht überschaubar, aber vielversprechend ist am Sonnabendnachmittag die neunte Auflage des Festivals „Rock unterm Hünstollen“ gestartet: sengende Sonne, ein gechilltes Publikum, familiäre Atmosphäre, motivierte und schwitzende Musiker aus allen Ecken Deutschlands. Geprägt wurde das Benefiz-Konzert für die Häusliche Kinderkrankenpflege Göttingen (Kimbu) von sehr unterschiedlichen starken Frontfrauen.

Hier gibt es mehr Bilder vom Hünstollen:

Rock unterm Hünstollen –Die Bildergalerie

„Eröffnet wurde der Band-Reigen auf dem Grillplatz von „Dysfunction“ aus Hannover, die Deutschrock mit Punk-Einschlag kredenzten. Songs wie „Ich bin mir egal“ oder „Kein Interesse“ gaben keineswegs die Stimmung auf dem Platz wieder. „Super Location, tolle Technik und für unsere Verhältnisse viele Leute“, befand Dominik Münzer, einer der beiden Sänger von „Dysfunction“. Dabei waren – wie in den Vorjahren – keine Massen erschienen. Etwa 350 Besucher, darunter viele Kinder, füllten bis zum frühen Abend den Grillplatz, der bis Mitternacht beschallt wurde. Für den Opener „Dysfunction“, der sein zweites Album „Leben ist Programm“ mitgebracht hatte, kein Problem. Wer die im Booklet abgedruckten Lyrics als „chronologisch strukturierte Niederschrift der gesanglich vorgetragenen Gedichte mit instrumentaler Umsetzung“ bezeichnet, ist ohnehin gelassen.

Blut, Schweiß und Mähnen

Alles andere als gelassen war Sängerin Gianna von „Therapiezentrum“ aus Osnabrück (“Für euch singe ich mir die Kehle blutig“). In ihrer Ankündigung der Frontfrau „mit viel Wut im Bauch und Feuer im Popo – mit Rücksicht auf die Kinder“ hätte sich Ulrike Ronge, die das Festival mit ihrer Familie initiiert hat und organisiert, nicht zurückhalten müssen. Gianna wetterte gegen „idiotische Chauvis“ und „verkackte Nazis“ und versuchte vergebens, das Publikum aus der Reserve zu locken: „Ihr seid furchtbar weit weg. Ich will euch riechen.“ „Barfuss“ heißt eines der vier Alben der Band, die sich unter anderem schon die Bühne mit „Extrabreit“ geteilt hat und musikalisch in eine ähnliche Kerbe schlägt. Barfuss ist auch Gianna aufgetreten. Die plakative Message in den Songs war nicht zu überhören – wie auf der neuen Single „Strom“, in der es um Sexismus im Alltag geht und Gianna sich dagegen wehrt, auf „Körperlichkeit reduziert zu werden“. Gegenentwurf sind die Liebeslieder, die sie ebenfalls in petto hat.

Und noch mehr Bilder vom Hünstollen:

Sechs Bands sind bis zum späten Abend auf dem Grillplatz in Holzerode aufgetreten

Nicht mit blutiger Kehle, aber dem Schweiß zu kämpfen hatte der Sänger von „Ox“: „Die abartige Sonne knallt uns in die Fresse.“ Beim Intro merkte man der Band aus Karlsruhe noch an, dass sie aus einer Prog-Rock-Formation hervorgegangen ist, sich dann aber für lärmende Grunge-Gitarren, melodiöse Refrains und Tendenz zum Stadionrock entschieden hat. „Disappointed“, wie ein Song hieß, musste keiner sein. Nicht umsonst wurde das Debütalbum „Rewind to Overwrite“ der „Post-Grunge-Band“ von dem Soundingenieur gemastert, der schon „The Black Keys“ unter seinen Fittichen hatte. In Holzerode spielten „Ox“ vor allem Songs von ihrem neuen Album „Breaking Point“.

In Begeisterung versetzt wurden die Zuhörer von „Morlas Memoria“ aus Dresden, die sogar Grundschulkinder zum Mähneschütteln beim Headbangen brachten und für die ersten Zugabe-Rufe des Tages sorgten. Der optische Gegensatz – weißes Spitzenkleid und schwarze Hemden – spiegelte sich in der Musik wieder. In eskapistischem Kontrast zu „Therapiezentrum“ vereinte „Morlas Memoria“ Metal mit Fantasy, brachial donnernde Gitarren und gutturalen Gesang mit dem Belcanto der auch mal zur Querflöte greifenden Frontfrau Leandra, bewegte sich mit Songs wie „Phantasien“, „Stormgiants“, „Follow the Wind“ und „Waters of Life“ zwischen Symphonic-Metal und Filmmusik.

Alternativ-Rock aus Hamburg

Mit dieser Metal-Blockbuster-Breitseite waren den Zuhörern die Ohren für die nächste bemerkenswerte Sängerin freigeblasen, die quirlige Frontfrau mit voluminöser Stimme von „Rekkorder“ aus Hamburg. Nach einer Soundcheck-Geduldsprobe machte die mit Basecap und LED-Turnschuhen auftretende Kolumbianerin Nina Lucia dem Titel des Debütalbums „Breaking Silence“ alle Ehre. Mit ihrem gitarrengetriebenen Alternativ-Rock haben „Rekkorder“ auch schon vor UN-Friedenstruppen in Timbuktu und vor kurzem in Jordanien gespielt. In Holzerode waren sie ebenso wie „Waldmeister ist Retro“ aus Berlin, die das Festival mit deutschen Texten, fetten Riffs und der Leichtigkeit der „Sportsfreunde Stiller“ beendeten, schon im Vorjahr dabei.

Alle Bands haben auf Gage verzichtet, der Erlös ist wie in den Vorjahren für die Häusliche Kinderkrankenpflege Göttingen (Kimbu) bestimmt.

Die Bildergalerie vom vergangenen Jahr gibt es hier.

Von Kuno Mahnkopf

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