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Seeburg Suche nach Lösungen: Kippt der Seeburger See?
Die Region Radolfshausen Seeburg Suche nach Lösungen: Kippt der Seeburger See?
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00:23 27.09.2018
Auch 2018 sorgten Blaualgen im Seeburger See wieder für ein Badeverbot. |
Auch 2018 sorgten Blaualgen im Seeburger See wieder für ein Badeverbot. | Quelle: Helge Schneemann
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Bernshausen

Niedriger Wasserstand, hohe Temperaturen, Blaualgen-Alarm und Badeverbot. Der heiße und trockene Sommer hat dem Seeburger See zugesetzt. Und hat anders als bei punktuellen Negativereignissen vergangener Jahre wie Munitionsfunden und Aal-Herpes den Blick wieder einmal auf die strukturellen Probleme der größten natürlichen Wasserfläche Südniedersachsens gelenkt, alte Kontroversen und Interessenkonflikte an die Oberfläche gespült.

Runde wird erweitert

Der einzige inhaltliche Tagesordnungspunkt einer außergewöhnlichen Ausschusssitzung der Samtgemeinde Radolfshausen kreist um ein Thema, das seit Jahrzehnten Wellen schlägt: Nährstoffdynamik und Sedimenteintrag in den See. Im Bau- und Umweltausschuss, der am Mittwoch, 26. September, ab 18.30 Uhr im Dorfgemeinschaftshaus Bernshausen tagt, sollen der aktuelle Zustand, Probleme und mögliche Lösungsansätze erörtert werden, teilt Samtgemeinde-Bürgermeister Arne Behre (SPD) mit. Die Runde wird erweitert um Vertreter der Gemeinde Seeburg und der Kreisverwaltung, Dr. Christine Heim von der Göttinger Uni stellt Untersuchungsergebnisse vor. Verwaltungsvertreter Frank Wilde betont, dass es sich um eine öffentliche Veranstaltung handele. Es seien nicht alle Akteure gezielt eingeladen worden, alle am Thema Interessierten könnten sich aber informieren und Fragen stellen, sagt Wilde mit Blick auf den Arbeitskreis Göttinger Ornithologen, der sich übergangen fühlte.

„Viele Faktoren führen zu nicht gewollten Entwicklungen“

Der Landkreis Göttingen sei als Träger der Unteren Naturschutzbehörde und Mitglied im Zweckverband Seeburger See eng in die Entwicklung eingebunden, der See deshalb auch regelmäßig Thema im Kreistag, sagt Behre. Betroffen seien aber vorrangig die Akteure vor Ort, unter anderem die Realgemeinden Bernshausen und Seeburg als Eigentümer des Sees, Angel- und Segelsportverein, die Landwirte mit Feldern und Wiesen rund um den See sowie die Gemeinde Seeburg und die Samtgemeinde. Behre hebt die Bedeutung des sogenannten „Auge des Eichsfelds“ auch als touristischer Schwerpunkt in Südniedersachsen hervor, verweist auf Naturschwimmbad, Gastronomie, Campingplatz und attraktive Wohnorte. Im Naturschutzgebiet Seeburger See müssten Tier- und Artenschutz und touristische Nutzung einen ausgewogenen Einklang finden. „Das natürliche Gleichgewicht ist aber auch anfällig für Veränderungen“, sagt Behre und nennt über Verlandung und Blaualgen hinaus Veränderungen der Zu- und Abläufe, des Klimas und der landwirtschaftlichen Praxis: „Viele Faktoren führen zu nicht gewollten Entwicklungen.“ Es sei schwer, die jeweiligen Ursachen genau zu lokalisieren, Wechselwirkungen machten die Analyse nicht einfacher.

Um die Sedimenteinträge in den See zu reduzieren, wurden in Seeburg bereits zwei Rückhaltebecken am Sportplatz und der Bedole angelegt, finanziert zu 75 Prozent über die Flurbereinigung und 25 Prozent vom Landkreis. Der Standort Gänseborn werde mangels verfügbarer Flächen nicht weiterverfolgt, sagt Kreissprecher Ulrich Lottmann. Bis 2020 solle aber ein weiterer Sandfang (“Kleiner Bruch“) umgesetzt werden. Seit Jahren ein Streitpunkt ist der renaturierte Seeanger, den der Aue-Bach vor Einlauf in den See durchfließt.

Von Kuno Mahnkopf