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Seeburg „Finger weg vom Seeanger“
Die Region Radolfshausen Seeburg „Finger weg vom Seeanger“
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16:00 19.09.2018
Einziger Brutplatz für den Kiebitz ist im Landkreis Göttingen der Seeanger. Quelle: r
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Seeburg

Das Thema ist ebenso aufgeheizt wie es der Sommer war: Um belastende Faktoren für den Seeburger See dreht sich am Mittwoch, 26. September, eine Expertenrunde im Dorfgemeinschaftshaus Bernshausen. Vorab positioniert hat sich der Arbeitskreis Göttinger Ornithologen. „Finger weg vom Seeanger“ fordern die Vogelkundler, beklagen illegale Manipulationen am Zulauf der Aue in den Seeanger und monieren, dass sie gar nicht erst eingeladen wurden.

Der renaturierte Seeanger, durch den der Aue-Bachlauf vor dem Einlauf in den See mäandriert, ist seit vielen Jahren in der Diskussion. Die Ornithologen verteidigen das artenreiche Feuchtgebiet als „Naturschutz-Großtat“, Kritiker prangern es als „Jauchegrube“ an, die die Erwärmung des Sees forciere. Die Opponenten werfen sich gegenseitig einen getrübten Blick auf das trübe „Auge des Eichsfelds“ – wie der See auch genannt wird - vor. Der Verein Adele (Auge des Eichsfeldes –lebendiger Seeburger See) habe im Seeanger einen Sündenbock für Wasserqualität und Blaualgenblüte gefunden, beklagen die Vogelkundler. Die auch von der Kreistagsgruppe Linke/Piraten/Partei erhobene Forderung, dass weniger Wasser durch den Anger geleitet werden soll, um eine Aufheizung des Sees zu vermindern, weisen Prof. Dr. Martin Göpfert und seine Mitstreiter vehement zurück. Dem Landkreis werfen die Vogelfreunde vor, nicht gegen eigenmächtige Manipulationen des Wasserzulaufes in diesem Sommer vorgegangen sein

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Der Seeanger als mit Abstand artenreichstes Feuchtgebiet im Landkreis sei ein „Juwel in einer Landschaft, die weithin von der industriellen Landwirtschaft geprägt ist“. Das Konzept des Seeangers als Sandfang habe sich bewährt, meint Göpfert. Eine Reduzierung der Wassermenge würde die Schutzziele schwer beeinträchtigen, eine direkte Erwärmung des Sees sei aufgrund der geringen Zuflussmenge vernachlässigbar. Die Wasserqualität des Sees könne nur durch eine nachhaltige Reduzierung der Nährstoffeinträge erfolgen, die aus dem gesamten Wassereinzugsgebiet und vornehmlich aus der Landwirtschaft stammten.

Auch der Landkreis, dessen eigenes Kind das Naturschutzprojekt ist, misst der Temperatur der Aue nur eine vernachlässigbare Rolle für die Temperatur im See zu. Im wesentlichen sei die große Fläche des Sees und damit die hohe Aufnahme von Sonnenenergie für die Temperatur verantwortlich. Als Hauptproblem betrachtet die Naturschutzbehörde den seit Jahren anhaltenden hohen Nährstoffeintrag durch Nitrate und Phosphate. Um Sedimente zurückzuhalten, sind im Zuge der Flurbereinigung zwei Maßnahmen am Sportplatz und der Bedole umgesetzt worden, die der Landkreis bezuschusst hat. Für ein drittes Auffangbecken habe das Land Niedersachsen einen Förderantrag bewilligt, sagt Kreissprecher Ulrich Lottmann.

Nährstoffdynamik und Sedimenteintrag im Seeburger See sollen am Mittwoch, 26. September, im Bau- und Umweltausschuss der Samtgemeinde Radolfshausen thematisiert werden. Wegen der vielen Akteure und Interessenlagen sollen ab 18.30 Uhr im Dorfgemeinschaftshaus Bernshausen mit Vertretern der Gemeinde Seeburg, der Kreisverwaltung und wissenschaftlichen Mitarbeitern Probleme und Lösungsansätze erörtert werden.

Refugium für Wasservögel

Der Bereich von Seeburger See, Seeanger und Lutteranger wird nach Informationen des Arbeitskreises Göttinger Ornithologen von mindestens 255 verschiedenen Vogelarten als Brut- oder Rastplatz aufgesucht. Haubentaucher, Wasserralle und Teichrohrsänger werden ebenso aufgelistet wie verschiedene Seeschwalben- und Möwenarten. Der Seeanger sei der einzige Brutplatz von Kiebitz und Schnatterente im Landkreis. Zwergtaucher und Weißstörche würden ebenso vom Nahrungsangebot profitieren wie das Blesshuhn, diverse Enten-, Gänse- und Reiherarten. ku

Von Kuno Mahnkopf