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Seeburg Neujahrsschwimmen bei „bestem Badewetter“
Die Region Radolfshausen Seeburg Neujahrsschwimmen bei „bestem Badewetter“
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17:52 01.01.2019
txxxx Quelle: Foto: Schneemann
Seeburg

Es ist einer dieser Nachmittage, die man in eine Wolldecke gewickelt auf dem heimischen Sofa verbringt. Und wenn man schon vor die Tür gehen muss, dann doch bitte in dicker Winterkleidung. Das Thermometer zeigt sechs Grad Außentemperatur, kräftige Windböen lassen es kälter wirken. Um so befremdlicher wirkt der Blick auf die Geschehnisse am Seeburger Badesteg.

Hier laufen Menschen aller Altersklassen in Badehose und Bikini herum, springen in den See und scherzen mit den Zuschauern, die sich zahlreich versammelt haben. Es ist 14 Uhr, Beginn des traditionellen Anschwimmens der DLRG. Dieter Arend, Vorsitzender des Ortsverbands, steht in sicherer Entfernung zum Wasser am Mikrofon und feuert die Teilnehmer an. Die haben wenig später erfolgreich den ersten Badegang beendet und laufen oder schlendern in Richtung Umkleidezelt, das angenehm beheizt ist. „Wie sieht’s aus? Wollt ihr noch ein zweites Mal?“, ruft Arend ins Mikro.

Zweiter Badegang

Er erntet ein lautes Klatschen der warmgekleideten Zuschauer und eine etwas verhaltenere Zustimmung der Teilnehmer. Trotzdem stehen die anschließend mehrheitlich wieder auf dem Steg und springen in Formation zurück ins kalte Nass. „Der erste Versuch ist der schlimmste“, erklärt Helmut Heise. Der Obereichsfelder ist zum dritten Mal dabei und mit 68 Jahren einer der Ältesten im Feld der Winterbadegäste. „Ich könnte jetzt noch mal rein.“ Als regelmäßiger Saunagänger kennt er sich damit aus, wie der Körper auf große Temperaturunterschiede reagiert. „Alles Kopfsache“, sagt er. Sein Tipp: „Wenn es auf der Haut beißt, sollte man aus dem Wasser raus.“

Anschwimmen in Seeburg 2019

Aber warum gehen die Menschen überhaupt erst rein? Auf diese Frage hat der Ebergötzer Frank Kühn eine Antwort: „Ab und zu muss man mal raus aus der Komfortzone.“ Dafür sei das Anschwimmen in Seeburg ideal. „Erst ist es saukalt aber hinterher ein richtig schönes Gefühl.“ Beim morgendlichen Blick auf den wolkenverhangenen Himmel habe er noch gezögert, gibt er zu. Als er dann aber doch mit dem Fahrrad zum Seeburger See gefahren war, zeigte sich plötzlich blauer Himmel. „Bestes Badewetter“, scherzt Kühn mit leichtem Zittern in der Stimme.

Auch der Bürgermeister geht ins Wasser

Trotz Erkältung war auch Seeburgs Bürgermeister Martin Bereszynski (CDU) unter den Badenden. Wie die meisten Beteiligten ist auch er Wiederholungstäter. Aus Vernunftsgründen habe er diesmal aber auf den zweiten Badegang verzichtet. Ein leichtes Tänzeln verrät, dass auch er trotz warmer Umkleidezelte und mittlerweile wieder fester Bekleidung noch nicht Betriebstemperatur erreicht hat. „Es dauert, bis die Zehen auftauen.“ Dann führt ihn sein Weg direkt zum Glühweinstand. Er wolle etwas Gutes tun – für sich und den Veranstalter. Denn die DLRG, die mit zehn Freiwilligen die Veranstaltung durchführt, profitiert von den Einnahmen.

Die Rettungsschwimmer mussten nach der Rekordteilnehmerzahl im vergangenen Jahr etwas zurückstecken. Dass nur 46 Schwimmer gekommen waren, läge vor allem am Regenwetter der letzten Tage, sagt Arend. „Außerdem sind die Holländer diesmal nicht da“ – Stammgäste, die seit Jahren auf dem benachbarten Campingplatz den Jahreswechsel verbringen. Sicher ist, die Tradition geht weiter. In Seeburg steht man nun mal auf kaltes Wasser zum neuen Jahr.

Von Markus Scharf

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