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Radolfshausen Seeburger Schäfer befürwortet Weidetierprämie
Die Region Radolfshausen Seeburger Schäfer befürwortet Weidetierprämie
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00:25 25.03.2018
Leidenschaftlicher Schäfer: Bernd Bodmann mit einer Kollegin bei seinen Schafen und Lämmern im Stall bei Seeburg. Quelle: Hinzmann
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Seeburg

Vor einigen Tagen wollten Berufsschäfer und Umweltverbände bei einer Demonstration in Berlin auf die Situation der Schäfereien in Deutschland aufmerksam machen. „Weidetierhaltung hat doch für alle einen großen Nutzen“, sagt Bernd Bodmann, der den Schäferei-Familienbetrieb zwischen Seeburg und Wollbrandshausen betreibt. Dabei kämen 80 Prozent der Einnahmen aus der Landschaftspflege, wo sie den Biotoperhalt unterstützen. Rund 20 Prozent kämen aus der Fleischproduktion. „Unsere Auftraggeber bei der Landschaftspflege sind sowohl öffentliche Eigentümer wie die Stadt Göttingen und der Landkreis, als auch Stiftungen, Realgemeinden und Landwirte“, nennt Bodmann Beispiele.

Die Ziegen- und Schafhaltung sei allerdings äußerst zeit- und arbeitsintensiv. Zu Fuß marschiert der Schäfer mit den Herden an die Weideplätze, „etwa 15 bis 20 Kilometer rund um unseren Hof“, sagt Bodmann. Da es sich oft um schützenswerte Biotope handle, seien auch die jeweiligen Auflagen zu berücksichtigen. Nicht überall sei es möglich, die Schafe in einem mobilen Elektrozaun zu halten, in einigen Biotopen müsse den ganzen Tag über gehütet werden, und nur zur Nacht würden die Schafe dann in eine Umzäunung gebracht. Dabei werde die Herde rund acht Kilometer am Tag bewegt, und zwar langsam, damit die Tiere Zeit zum Fressen haben.

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Keine Langeweile beim Hüten

Langeweile komme beim Hüten nicht auf, sagt Anja Sedelies. Die 35-Jährige hat nach ihrem Geografie-Studium eine Ausbildung zur Tierwirtin Fachrichtung Schafhaltung, so die offizielle Bezeichnung einer Schäferin, auf dem Bodmann-Hof begonnen. Beim Hüten sei sie damit beschäftigt, die Tiere zu beobachten, kranke zu versorgen und die Herde auf den ausgewiesenen Flächen zusammenzuhalten. Und das alles auch bei Wind und Dauerregen.

Ansonsten müssten Zäune transportiert, auf- und abgebaut werden, und die Büroarbeit mit Anträgen und Dokumentationen nehme auch immer mehr Zeit in Anspruch, ergänzt Bodmann. Doch der Nutzen der Weidetierhaltung für den Erhalt der Biodiversität sei enorm. „Viele geschützte Grünflächen sind mit Maschinen gar nicht zu erreichen. Die regelmäßige Beweidung hat größere Artenvielfalt und Artenerhalt zur Folge, da auch die Verbuschung der Flächen verringert wird“, erklärt der Schäfer.

Rückendeckung vom BUND

„Die Schäferei ist eine der letzten weitestgehend artgerechten Nutztierhaltungen in Deutschland“, bestätigt auch der BUND und hat sich mit weiteren Naturschutzverbänden der Demonstration in Berlin und den Forderungen der Schäfer nach der Weidetierprämie und Schadensausgleich bei Wolfsübergriffen angeschlossen. „Die Rückkehr des Wolfes und der Erhalt von artenreichen, extensiv bewirtschafteten Grünland-Biotopen sind aus Naturschutzsicht zwei Seiten der selben Medaille“, heißt es beim BUND.

Bodmann hat rund 400 weibliche Schafe, darunter 100 der zu den bedrohten Tierrassen gehörenden Leineschafe. Die Tiere sind zurzeit alle am Hof im großen Offenstall untergebracht, wo die Lämmer geboren werden. „Noch geben die Grünflächen nicht genug Nahrung her, wir müssen im Winter zufüttern“, erklärt der Schäfer. Die weiblichen Tiere bleiben in der Zucht, die männlichen werden meist geschlachtet. Gerade bei der Fleischproduktion sei die Konkurrenz groß, billiges Lammfleisch werde auch aus dem Ausland importiert.

Wölfe als Risiko

Wegen der Rückkehr des Wolfes müssten größere Zäune oder Herdenschutzhunde angeschafft werden. Das Land fördere zwar die erste Grundausstattung an Zäunen, doch nur dort, wo nachweislich Wölfe ansässig seien, erklärt Bodmann. Ein Zaun halte aber nur etwa ein Jahr. Schaf- und Ziegenhaltung sei von zunehmend mangelnder Wirtschaftlichkeit betroffen, viele Betriebe hätten in den vergangenen Jahren aufgegeben. Daher unterstütze auch Bodmann die Forderungen des Bundesverbands der Deutschen Berufsschäfer und der Umweltverbände nach einer Weidetierprämie.

Von Claudia Nachtwey

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