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Seulingen Jugendfeuerwehr Rosdorf ist Kreismeister
Die Region Radolfshausen Seulingen Jugendfeuerwehr Rosdorf ist Kreismeister
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00:20 05.06.2019
Auf Schnelligkeit, Technik und Geschicklichkeit ist es beim Wettbewerb in Seulingen angekommen. Quelle: Helge Schneemann
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Seulingen

Ein Team aus Rosdorf hat am Sonntag die Kreismeisterschaft der Jugendfeuerwehren gewonnen. Die Großveranstaltung wurde von der Jugendfeuerwehr Seulingen ausgerichtet, die damit zugleich ihr 50-jähriges Bestehen feierte.

Viel Aufwand betrieben

Das Dorf ist mit Feuerwehrfahrzeugen zugeparkt. In voller Montur mit dem Helm unterm Arm stehen die Jugendfeuerwehr-Gruppen in brütender Hitze Schlange vor der Anmeldung am Seulinger Sportplatz neben der Schule. Der organisatorische Aufwand ist hoch, seit Mittwoch laufen die Vorbereitungen. An der Anmeldung liegen Helferlisten aus – vom Getränkeverkauf über die Essmeile bis zur Bahnbetreuung, den Streckenposten für die Dorfrallye und Fahrrad-Kurieren zum Einsammeln der Laufzettel.

Löschangriff mit Attrappen

Dass die jungen Leute im Alter von 10 bis 18 Jahren weder auf dem Schlauch stehen noch eine lange Leitung haben, stellen sie bei den Wettbewerben unter Beweis. Wasser kommt dabei nicht ins Spiel. Das ist wegen des Drucks auf den Schläuchen zu gefährlich. Der Löschangriff wird mit Attrappen simuliert. Von einem Unterflurhydranten gilt es, Schläuche zur Tragkraftspritze zu legen, Maschinen startklar zu machen und weitere Leitungen zum angenommenen Brandherd zu verlegen. Die Gesamtleistung der drei Trupps pro Jugendwehrgruppe (Angriffs-, Wasser- und Schlauchtrupp) zähle ebenso wie Fehlerfreiheit und Sicherheit, erklärt Tobias Nordmann, der für die Öffentlichkeitsarbeit der Kreisjugendfeuerwehr zuständig ist. Auch Knoten müssen die Jugendlichen beherrschen (Schotstich, Kreuzknoten, Mastwurf und Zimmermannsstich), bei einem Staffellauf feuerwehrtechnische Aufgaben beherrschen: Ausrüstung anlegen, Stahlrohre kuppeln, Schläuche einrollen und sich beim Zielwurf bewähren.

Impressionen aus Seulingen

„Der Wettbewerb ist quasi unsere Jubiläumsfeier“, sagt der Seulinger Jugendwart Thomas Jung. Auf einer Stellwand an der Schule sind die Aktivitäten der Jugendwehr dargestellt. Dazu gehören auch Zeltlager, Freibadbesuch und Schlittschuhlaufen.

Schwieriger Übergang

„Freizeitaktivitäten sind wichtig“, sagt Kreisjugend-Feuerwehrwart Alexander Otte Es sei nicht einfach, die Jugendlichen bei der Stange zu halten, räumt Nordmann ein. Aus den 143 Jugendfeuerwehren mit etwa 1400 Mitgliedern im Landkreis seien 2018 nur 130 Jugendliche zu Freiwilligen Feuerwehren gewechselt – weniger als zehn Prozent. Die Nachwuchsrekrutierung spiele angesichts der demografischen Entwicklung und veränderten Freizeitverhaltens eine zentrale Rolle, beginne bereits frühzeitig in den knapp 70 Kinderfeuerwehren. Seit der Kreisfusion habe der Landkreis die zweitgrößte Kreisjugendfeuerwehr in Niedersachsen. Das habe den Vorteil, dass sich jetzt bei den Kreismeisterschaften zwölf statt bisher acht Gruppen für den Bezirkswettbewerb qualifizieren können – nach dem an Mitgliederzahlen ausgerichteten Landesschlüssel.

Für die Kreiswettkämpfe hatten sich knapp 60 Gruppen angemeldet, 48 sind angetreten, einige auch als gemischte Teams mit Jugendfeuerwehr-Mitgliedern aus zwei Orten.

Die Ortsfeuerwehr Rollshausen hat die Wettkämpfe der Feuerwehrjugend in Seulingen von einer Drohne aus fotografiert. Hier seht Ihr die Bilder von oben.

„Unser Haus hat gebrannt“

Wie wichtig der familiäre Hintergrund für die Tuchfühlung mit der Feuerwehr und das Heranführen an den Brandschutz ist, unterstreichen junge Mitglieder der Jugendfeuerwehr Seulingen mit den Antworten auf die Frage nach ihren Motiven, sich zu engagieren. „Ich bin über meine Eltern dazugestoßen, die beide in der Feuerwehr sind“, sagt Jakob Mersch. Ebenso 15 Jahre alt wie Mersch ist Timo Gatzemeier. Bei ihm war es sein großer Bruder, über den er zur Feuerwehr gekommen ist. Hinzu kommt aber noch ein weiteres Ereignis, das ihm gezeigt hat, wie wichtig es ist, in einer Notsituation anderen Menschen helfen zu können: „2008 hat unser Haus gebrannt.“

Die Sieger der Kreusjugendfeuerwehrwettkämpfe in Seulingen

Für Bezirksmeisterschaft qualifiziert

Zwölf der 48 Jugendfeuerwehr-Teams, die sich an den Kreiswettkämpfen in Seulingen beteiligt haben, können am Sonntag, 23. Juni, am Bezirkswettbewerb in Hann. Münden teilnehmen. Auf dem ersten Platz landete die Wettbewerbsgruppe Rosdorf 1, gefolgt von Steina 1 und Obernfeld. Weiter geht das Ranking mit Obernjesa-Atzenhausen, Mackenrode 1, Lenglern, Billingshausen, Breitenberg, Seulingen, Krebeck, Bühren und Seeburg auf dem zwölften Platz. Beachtliche Leistungen zeigten aber auch die Teams, die sich nicht für den Bezirkswettkampf qualifizieren konnten. Für den Wettbewerb in Seulingen wurde unter anderem der Sportplatz und ein alter Gemeindeverbindungsweg in Beschlag genommen, das Ortsbild an diesem Tag von roten Feuerwehrfahrzeugen beherrscht. Auch die Parkplatz-Einweisung gehörte zu den Aufgaben der personalintensiven Organisation der Großveranstaltung.

Von Kuno Mahnkopf