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Radolfshausen Was für ein Theater! Stuben-Romantik und Kneipen-Zoff in Holzerode
Die Region Radolfshausen Was für ein Theater! Stuben-Romantik und Kneipen-Zoff in Holzerode
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10:32 21.11.2019
Die Akteure der Laienspielgruppe bieten Theater für alle Generationen: Schlussszene einer Aufführung am Theatertag 2018. Quelle: r
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Holzerode

Die Spielzeit beginnt mit der ersten von vier Aufführungen stets am 30. April, sagt Vereinsvorsitzende Tanja Draß. Und seit der Gründung 1952 wird Dezember so richtig Theater im Dorf gemacht. Nachdem die Kirmes („immer am zweiten Wochenende im Oktober“) Geschichte ist, beginnen die Aktiven mit den Geschichten, die die Leiterinnen der Sparten im Sommer ausgewählt haben. Krimis, Komödien, Märchen: „In der Beziehung sind wir offen“, so Draß. „Wichtig ist, dass die Rollen zu den Darstellern passen.“

In der Laienspielgruppe sind Schauspieler in drei Abteilungen aktiv: Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Von Mitte Oktober bis Mitte November steht deren Lektüre im Vordergrund – und die Sporthalle erst drei Wochen vor den Aufführungen für Proben zur Verfügung; die haben am 18. November begonnen, sagt die 47-Jährige. Die Akteure nehmen die Herausforderung an und das Manuskript-Training sportlich – so, wie es der Örtlichkeit gebührt. Klimmzüge oder andere Leibesübungen sind während der Proben übrigens nicht notwendig – mal abgesehen davon, dass im dritten Stück Steffi und Irene den Zapfhahn in ihrer Dorfkneipe bewegen dürfen, und Stammgast Rudi Routine im einarmigen Reißen in der Halbliterklasse zelebriert. Doch das passiert später.

Märchen: „Ophelia und die Schublade vom verlorenen Glück“

Los geht’s um 15.30 Uhr mit „Ophelia und die Schublade vom verlorenen Glück“. Kinder spielen für Kinder in der Kulisse eines antiquiert bestückten Dachbodens. Kleiderschrank, Kommode, Kisten: Das Gerümpel ist so alt, dass es schon nicht mehr wahr sein kann, aber sie ist wahr – die spannende Kindheit ihrer Oma, die Marlies und Fiete in diesem „Plunderland“ entdecken. Vier Mädchen und sechs Jungs im Alter von 12 bis 15 Jahren wirbeln auf den Bohlen ordentlich Staub auf. Das Abenteuer „ist richtig lustig“, nennt Bettina Heilmann, Leiterin der Gruppe, ein Kriterium für die Wahl des Märchen-Stücks. „Vor allem können viele Kinder mitspielen, das ist ganz wichtig.“ Im Anschluss an die Aufführung schaut der Weihnachtsmann vorbei.

In Holzerode spielen alle eine Rolle: Die Akteure der Kindergruppe vor den Proben zu „Ophelia und die Schublade vom verlorenen Glück“. Quelle: r

Und so langsam steigt die Vorfreude auf Teil zwei des Vergnügens. Um 19.30 Uhr heißt die Parole „Mann oh Mann“. In diesem Lustspiel setzt die Regisseurin der Jugendgruppe Carola Grub einen Jungen und fünf Mädchen im Alter von 14 bis 22 Jahren in einem Wohnzimmer in Szene. Darin geraten Ehefrau eins, die von Ehefrau zwei nichts weiß, (und umgekehrt) wegen einer Lebensversicherung aneinander, die der zweifache und mittlerweile verstorbene Gatte Anton ihnen nicht mal hinterlassen hat. Der Bigamist war an Bord vor Honolulu abgesoffen – und steht plötzlich als Klabautermann vor seinen beiden Ex.

Schwank: „Eine Leber für zwei“

Den Clou des Abends (Beginn ist gegen 20.45 Uhr) inszeniert Ilsemarie Dankenbrink. Denn im Schwank „Eine Leber für zwei“ wird tatsächlich geschwankt – sowohl an der Theke als auch auf den Stühlen vor der Bühne: im Publikum könnte sich der eine oder die andere kugeln oder wegschmeißen oder sonst was machen vor Lachen. Besagte Steffi hat die Kneipe „Zur Lustigen Leber“ geerbt und sich in den Kopf gesetzt, die gemütliche Spelunke zum Gourmettempel runterzustufen.

Das lasterhafte Vorhaben bringt nicht nur Pils-Rudi in Rage und auf den Hocker: Wo soll er sich künftig seiner Leidenschaft widmen – was macht Serviererin Irene gegen die Trostlosigkeit der Nouvelle Cuisine? Und was hat der verkleidete Starkoch, der inkognito zwischen Buletten und Bier rumschnüffelt, im Schankraum zu suchen? Nur eins: er will Irenes Gästen endgültig den Brei verderben.

Tickets: drei Euro für’s Märchen – sieben für den ganzen Abend

Tickets für die Aufführungen am Holzeröder Theatertag kosten am Nachmittag drei und für beide Abendvorstellungen zusammen sieben Euro – inklusive freier Platzwahl.

Wandern, Walpurgis, Kirmes: Schauspieler vielseitig aktiv

Die Mitglieder der 1952 gegründeten Laienspielgruppe Holzerode sind nicht nur auf den Brettern, die die Welt bedeuten aktiv. Am 23. Februar beginnt mit der Jahreshauptversammlung das Saisonprogramm. Mit der Frühlingswanderung geht’s weiter: Am 22. März sind Holzeröder jeden Alters in der Umgebung unterwegs. „1986 hielten die Hexen Einzug in Holzerode“, steht in der Vereinschronik. Elf Jahre später sei extra für die Walpurgisfeier ein Dreiakter geschrieben worden – mittlerweile wird am Vorabend des Maifeiertags üblicherweise das erste Stück des Jahres aufgeführt. Jugendfahrt-Angebote und die Kirmes am zweiten Wochenende im Oktober überbrücken die Zeit bis zum Herbst. Am 31. Oktober sind beim Halloween-Umzug Verkleidungen gefragt. Auf den Theatertag 2020 dürfen sich die Fans am 5. Dezember freuen.

Von Stefan Kirchhoff

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