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Radolfshausen Gesicht des Seeburger Freibads: Dieter Weidemann geht in Rente
Die Region Radolfshausen Gesicht des Seeburger Freibads: Dieter Weidemann geht in Rente
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00:20 31.12.2018
Dieter Weidemann (Mitte) diskutiert mit Seeburgs Bürgermeister Martin Bereszynski (r.) und Stefan Gnatowski von der DRLG Eichsfeld über Blaualgen. Quelle: Foto: r
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Seeburg

„Ich habe mich um alles rund um das Freibad gekümmert“, sagt der Platzwart. „Die ersten sieben Jahre zusammen mit meiner Mutter.“ Gelernt habe er den Beruf des Maurers. „Ich bin aber froh, dass ich den Job am See bekommen habe.“ Er sei damals gefragt worden, ob er Interesse daran habe. Für den Seeburger stand die Antwort schnell fest.

Entwicklung des Freibades

Er sei auch immer an der Entwicklung des Freibades interessiert gewesen. „Der Spielplatz ist aus meiner Idee entstanden“, nennt er ein Beispiel. Dafür habe er Geräte genutzt, die an anderer Stelle nicht mehr benötigt wurden. „Ich habe den Eingangsbereich neu gestaltet“, sagt er. Auch die Informationstafel gehe auf ihn zurück.

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Weidemann erzählt, wie es dazu kam, dass er am Strand eine Treppe als Einstieg für Behinderte in den See bauen konnte. Zunächst habe es eine Spende gegeben, und die Gemeinde habe den Rest bezahlt. Die Treppe sei mit einem Gelenk versehen, damit sie herausgeklappt werden könne.

Freiwillige Helfer

Weidemann war zwar allein für das Freibad zuständig, hatte dort aber auch immer zuverlässige Helfer, die ihm zur Seite standen, wenn das Bad voll war und er sein Kassenhäuschen nicht verlassen konnte. Monika und Hartmut, ein Rentnerehepaar aus Birkungen, und John zählten dazu, sagt er. „Sag Bescheid, wenn es brennt“, hätten diese angeboten. So hätten sie zum Beispiel geschaut, ob Toilettenpapier oder Seife fehlen würden und die fehlenden Dinge dann aufgefüllt.

Dieter Weidemann Quelle: Rüdiger Franke

Aufgaben und Pflichten

Zu Weidemanns Aufgaben zählten die Pflege des Rasens, der Hecke und der Wege. „Jeden Morgen habe ich mich um die Minigolfanlage gekümmert“, sagt er. Den Volleyballplatz friedete er ein, weil das Gras immer in das Feld hineingewachsen sei. Auch die Wasseraufbereitung im Planschbecken gehörte zu seinen Pflichten. Dreimal täglich habe er das Wasser im Schwimmbecken gemessen. Entsprechend der Werte habe er es dann aufbereitet – mit Chlor und PH-Wertsenkern.

Blaualgen

In den vergangenen drei Jahren habe es dann noch das Thema Blaualgen gegeben. Zwischenzeitlich habe das Bad dann auch schließen müssen. „In diesem Jahr waren sie spät dran“, erzählt er. „Ich dachte, wir kommen drumherum.“ Allerdings sei es dann auch nicht so extrem gewesen wie in den vorangegangenen Jahren. „Wenn das Wasser richtig blau ist, ist es schon eklig“, sagt er. „Es stinkt dann auch, und dann geht auch keiner rein.“

Schnelle Ideen

Manchmal waren auch schnelle Ideen gefordert. Weidemann erinnert sich an einen Sturm, der eine Nutzung des Freibades auch nach seinem Auftritt nicht zuließ. „Es war alles voll mit Ästen und Laub“, erzählt der ehemalige Platzwart. „Die Liegewiese war außer Betrieb.“ Die Feuerwehr hatte andere Einsatzorte mit höherer Priorität. „Also habe ich beim DLRG gefragt, ob sie ein paar Kräfte mobilisieren könnten“, sagt der 63-Jährige. Dazu habe er auch einige Jugendliche gefragt, ob sie mit anfassen. „Am Nachmittag konnten wir wieder öffnen.“

Liebling der Kinder

Weidemann war auch der Liebling der Kinder: Ich war für alle Dieter, nicht Onkel Dieter oder Herr Weidemann.“ Dabei kann er sich auch an manch lustige Anekdote erinnern. „Da war zum Beispiel Lenny, vielleicht fünf Jahre alt“, erzählt er. „Im Bad herrschte Hochbetrieb. Da kommt der kleine Knirps mit einer großen Wasserpistole und schießt durch das Fenster. Ich war klatschnass und die Geldscheine auch.“ Da der Junge immer wieder vorbeigekommen sei und seine Tat mehrfach wiederholt habe, sei er dann schon verärgert gewesen. Mittlerweile könne er darüber lachen.

Die schönsten Jahre

„Ich gehe mit Wehmut“, sagt Weidemann. „Es ist eine Arbeitsstelle, die einem zwar viel abverlangt, aber die auch viel Spaß macht.“ Er bedankt sich bei allen Helfern und Freunden und der Gemeinde Seeburg, „welche mir ermöglicht hat, an so einem schönen Fleckchen Erde zu arbeiten. Ich habe mich sauwohl gefühlt. Es waren die schönsten Jahre meines 49-jährigen Berufslebens.“

Von Rüdiger Franke