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Rosdorf Was passiert mit der Weltkriegsbombe in Rosdorf?
Die Region Rosdorf Was passiert mit der Weltkriegsbombe in Rosdorf?
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15:58 14.11.2019
Am Freitag ist im Gewerbegebiet der Kampfmittelbeseitigungsdienst im Einsatz. Quelle: Heller
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Rosdorf

Die Kreisstraße 30 bleibt am Freitag von 9 bis voraussichtlich 12 Uhr gesperrt. Die umliegenden Betriebe im Gewerbegebiet bleiben geschlossen, neun Anliegerwohnungen müssen evakuiert werden. Der Grund: Bei den Bauarbeiten für weitere Logistik-Hallen wurde offenbar eine 250-Kilogramm-Fliegerbombe aus dem zweiten Weltkrieg im Boden gefunden.

Der letzte Einsatz des Kampfmittelbeseitigungsdientes Niedersachsen (KBD) in der Region ist gerade einmal einen Monat her. Im Oktober mussten mehr als 14 000 Menschen rund um den Göttinger Schützenplatz evakuiert werden. Am Ende konnten die Experten um Sprengmeister Thorsten Lüdeke Entwarnung geben. Sie hatten nur Metallschrott aus dem Boden geborgen. Ein Aufatmen ging durch die Stadt, schließlich hatten 2010 bei einer Entschärfung ganz in der Nähe drei Menschen ihr Leben verloren.

Bombenabwurf im September 1944

Diese Erinnerung schwingt seither mit, wenn weitere Bomben entdeckt werden. Im konkreten Fall war eine private Spezialfirma beauftragt worden, das 180 000 Quadratmeter große Areal abzusuchen. Ein Routinevorgang, man weiß um die Ereignisse vom September 1944. Damals warfen alliierte Flugzeuggeschwader zahlreiche Bomben in dem Gebiet zwischen Rosdorf und Grone ab. Augenzeugen erinnern sich an eine Reihe von Kratern, ein Haus sei getroffen, ein Pferd bei der Feldarbeit durch Splitter getötet worden, berichtete das Tageblatt in einem Rückblick.

Focke-Wulf 190. Quelle: Archiv

2012 war das Gelände südlich der Schnellbahntrasse schon einmal auf Metall im Boden untersucht worden – damals ohne Bombenfund. Allerdings fanden die Experten das Propellerblatt eines Kampfflugzeugs vom Typ Focke-Wulf 190, das vermutlich beim Luftkampf über Göttingen am 24. März 1945 abgeschossen worden war. Einen Zusammenhang zwischen dem aktuellen Fund und dem Flugzeug wollen allerdings weder Gemeinde noch Polizei herstellen.

Art des Zünders noch unbekannt

Als die beauftragte Firma den jüngsten Fund gemeldet habe, sei der KBD eingeschaltet worden, berichtet Gemeindebürgermeister Sören Steinberg (SPD). Nach ersten Untersuchungen handele es sich um einen sogenannten Zerscheller. Eine Bombe, die beim Aufprall nicht explodiert aber zerborsten ist. Es sei Sprengstoff auch außerhalb des Metallkörpers gefunden und sichergestellt worden, so Steinberg am Donnerstag gegenüber dem Tageblatt. Um welche Art Zünder es sich handelt, könne noch nicht gesagt werden. Daher bleibt bis zum Freitagmorgen offen, ob geborgen wird oder gesprengt werden muss.

Laut Polizei befindet sich der Fundort auf der Fläche nördlich der Kreisstraße 50 etwa eineinhalb Meter unterhalb der Sohle der Baugrube. Die Experten haben für Freitagvormittag einen Sperrbezirk von 500 Metern festgelegt, in dem kaum Wohnbebauung zu finden ist. „Ein Glücksfall“, sagt Steinberg. Denn dadurch bleibt der Gemeinde eine größere Evakuierungsmaßnahme erspart. Von der wären dann nicht nur Rosdorfer und Göttinger Bürger auf dem Leineberg und dem Hamberg betroffen gewesen, sondern auch die Bahnlinie, das Postverteilzentrum und die Justizvollzugsanstalt (JVA) Rosdorf.

Keine Evakuierung der JVA

Im Zusammenhang mit dem Flugzeugfund erklärte 2012 ein Sprecher des niedersächsischen Justizministerium: „Wenn eine Bombe in der Nähe der JVA gefunden würde, müsste diese geräumt werden. Es gebe einen entsprechenden Plan, der allerdings aus Sicherheitsgründen geheim gehalten werde. „Es ist möglich, die JVA binnen fünf Stunden zu evakuieren“, so die damalige Aussage aus dem Ministerium.

Durch den kleineren Radius können die Verantwortlichen bei der Gemeinde am Freitag sowohl den Zeitrahmen als auch den Personalaufwand gering halten. Nach aktueller Planung gehe man davon aus, dass die Maßnahme nach maximal drei Stunden beendet sei, so Steinberg. Während dieser Zeit wird der Verkehr zwischen Göttingen und Rosdorf über die Siekhöhenallee und den Siekweg geleitet.

Umleitung über Siekweg

Die Strecke zwischen Siekweg und Ziegelei-Kreisel wird durch die Polizei gesperrt. An acht Kontrollpunkten stehen außerdem Mitglieder der Feuerwehr und Mitarbeiter des Bauhofs, um Feld- und Fahrradwege zu überwachen. Alle betroffenen Anlieger wurden persönlich informiert. Vor Beginn der Bergung werde ab 8 Uhr noch einmal kontrolliert, ob alle Gebäude geräumt sind.

Die Gemeinde hat ein Info-Telefon unter 0551/789010 eingerichtet.

Entschärfte 200 Kilogramm schwere Weltkriegsbombe. Quelle: dpa

Aufschlagzünder oder Langzeitzünder

Ob ein Blindgänger entschärft werden kann oder gesprengt werden muss, entscheidet die Art des Zünders. Handelt es sich um einen Aufschlagzünder, ist eine Entschärfung per Hand möglich. Als gefährlicher bei der Bergung gilt der Säure- oder Langzeitzünder. Er sollte mit einer Verzögerung von einer bis sechs Stunden auslösen. Dabei hält eine Scheibe aus Zelluloid den Schlagbolzen fest. Beim Aufprall auf der Erde zerbricht eine Glas-Ampulle voller Aceton. Das Lösungsmittel löst das Zelluloid auf, es kommt zur Explosion.

Bombentypen mit diesem Zündmechanismus haben häufig versagt, ihr Anteil an den Blindgängern ist besonders hoch. Die beiden Zünderarten wurden bei den Bombardements im Zweiten Weltkrieg häufig parallel verwendet, um so Menschen zu treffen, die nach Ende des Luftangriffs die sicheren Schutzräume wieder verlassen hatten.

Von Markus Scharf

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