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Rosdorf Mit dem Ertrag der Rosdorfer Biogasanlage können 3750 Menschen klimaneutral leben
Die Region Rosdorf Mit dem Ertrag der Rosdorfer Biogasanlage können 3750 Menschen klimaneutral leben
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10:15 03.10.2019
Abdecken der Maissilage an der Biogasanlage. Quelle: Peter Heller
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Rosdorf

Für die Biogasanlage bei Rosdorf ist in diesem Jahr eine Maisfläche von rund 650 Hektar gehäckselt worden. Dies entspricht etwa einer Erntemenge von knapp 31.000 Tonnen. „Der Durchschnittsertrag pro Hektar lag bei etwa 50 Tonnen Frischmasse“, sagt Jan Hampe, Geschäftsführer von Biogas Göttingen.

Damit liege der Ertrag zwar leicht unter dem Durchschnitt, doch angesichts des insgesamt trockenen Jahres sei es ein guter Wert. Positiven Einfluss auf den Ertrag haben nach Angaben Hampes die Niederschläge im Frühjahr gehabt. „In anderen Regionen sieht es da schlechter aus“, erklärt er. Der Geschäftsführer des Landvolks Göttingen, Achim Hübner, verweist in diesem Zusammenhang auch auf die „guten Böden“ im Leinetal auf denen es oftmals leichter sei, einen guten Ertrag zu erzielen, als auf anderen Böden.

„Klimaneutral produzieren“

Dirk Augustin, Leiter der Versuchswirtschaften an der Universität Göttingen, betont, dass der Ersatz fossiler Energien, der durch Biogas erzielt werde, in der öffentlichen Diskussion nicht der Landwirtschaft, sondern der Energiewirtschaft zugeschrieben werde. In Niedersachsen sei die Landwirtschaft für einen CO2Ausstoß von 14 Millionen Tonnen im Jahr verantwortlich. „Durch Biogas werden in Niedersachsen jährlich etwa sieben Millionen Tonnen an Kohlenstoffdioxid eingespart“, erklärt Augustin. In der Biogasanlage in Rosdorf seien es etwa 30 000 Tonnen. „Wir gehen davon aus, dass wir in den kommenden Jahren noch mehr Einsparpotenzial nutzen können“, sagt Augustin. Der Ausstoß dessen, was zum Betreiben an Diesel für die Trecker, Düngen auf den Feldern, das Walzen und Mischen eingesetzt werden müsse, entspreche in Rosdorf in etwa der Menge an Kohlenstoffdioxid, die durch das Biogas eingespart werde. „Das heißt, wir können klimaneutral produzieren“, sagt Augustin, der auch Aufsichtsratsvorsitzender von Biogas Göttingen ist.

Achim Hübner Quelle: Christina Hinzmann

Ausstoß bei Flugreisen nicht vergleichbar

Dass der Ausstoß von Kohlenstoffdioxid in der Landwirtschaft in Niedersachsen negativ gesehen werde, hänge vor allem mit dem genutzten Diesel zusammen. Die Vorteile, die durch das Heizen mit Biogas und der damit verbundenen Einsparung an Kohle entstehen, würden hingegen nicht gesehen. „Bei unserem Ausstoß, den wir haben, wird oftmals auch vergessen, dass wir ihn für etwas Lebensnotwendiges erzeugen, denn Nahrung braucht jeder“, sagt Hübner. Deshalb sei der in der Landwirtschaft entstehende Ausstoß auch nicht mit dem zu vergleichen, der entstehe, wenn Menschen einen Urlaubsflug beispielsweise in die Karibik machen.

Aus einer Tonne Mais entstehen etwa 240 Kubikmeter Biogas. Die Energiedichte je Kilowattstunde betrage je Kubikmeter Biogas 5,2. Der Energieertrag in Kilowattstunden je Hektar Mais liege bei 66 144. Bei der diesjährigen Maisernte, die 7, 5 Tage gedauert habe, habe es aufgrund des trockenen Wetters kaum Schmutz auf den Straßen gegeben. Dafür sei aber einmal auch in der Nacht geerntet wurden, um möglichst viel vor dem angesagten Regen zu schaffen.

Monokulturen entstehen nicht

Beim Produzieren von Lebensmitteln müsse aus Sicht Augustins aber auch geguckt werden, wo es Sinn mache, ein Lebensmittel zu produzieren. So sei es beispielsweise sinnvoller, Soja nach Deutschland zu importieren, statt es hier anzupflanzen. Dadurch entstehen aber nach Angaben Hampes Verteilungsprobleme, da zwar nach Deutschland importiert, aber nicht exportiert werde. Allgemein sei der Anteil der genutzten Düngemittel in Deutschland in den vergangenen Jahren zurückgegangen, weshalb auch die Nitratbelastung des Grundwassers kaum noch ein Problem sei.

Einen Kritikpunkt, der an der Nutzung von Biogas immer wieder geübt wird, ist, dass dadurch Maismonokulturen entstehen würden. Doch dies sei zumindest im landwirtschaftlichen Sinne nicht der Fall, denn die Fruchtfolge auf den Feldern werde eingehalten. Außerdem werde für Biogasanlagen nicht nur Mais verwendet. In der Anlage bei Rosdorf werden 200 Tonnen Substrat verwendet, davon seien 90 Tonnen Mais. Der Rest setzt sich nach Angaben Hampes aus Hühnertrockenkot, Gülle und Stallmist aus der Region zusammen. Mit den 30.000 Tonnen Kohlenstoffdioxid, die in der Rosdorfer Anlage eingespart werden, können 3750 Menschen in Göttingen klimaneutral gestellt werden.

Immer mehr Zipfelmützen dominieren die Landschaft

Sie erinnern an die Zipfelmützen der Zwerge, die Biogasanlagen in der Region. Dort wird mit Biogas ein brennbares Gas hergestellt. Dies wiederum entsteht durch Vergärung von Biomasse jeglicher Art. In den Anlagen werden sowohl Abfälle als auch nachwachsende Rohstoffe vergoren.

Biogasanlage Rosdorf

Die Biogasanlage bei Rosdorf gibt es seit 2011. Sie hat nach Angaben von Geschäftsführer Jan Hampe vier Mitarbeiter. Je ein Mitarbeiter haben sieben Tage lang einen Bereitschaftsdienst. Die Anlage hat mit einem Hektar etwa die Größe eines Sportplatzes. Mit dem Biogas werden die Stadtwerke Göttingen beliefert, die es unter anderem in ihrem Energiecenter nutzen. Außerdem werde die Wärme auch für die Eigenversorgung am Standort genutzt. Sogenannte Satellitenstandorte der Anlage seien das Freibad Rosdorf, in dem die Wassertemperatur durch die genutzte Biowärme ein bis zwei Grad Celsius wärmer sei als in anderen Freibädern der Region. Außerdem würden auch das Seniorenheim, das Feuerwehrhaus und eine Werkstatthalle damit geheizt. Die JVA Rosdorf nutze die abfallende Abwärme.

Elektrische Energie, der Betrieb von Fahrzeugen oder die Einspeisung in ein Gasversorgungsnetz - all dazu kann das Gas verwendet werden. Der Methananteil ist für die Verwertung von Biogas am wichtigsten. Durch seine Verbrennung wird Energie freigesetzt. Methan und Kohlendioxid sind die Hauptprodukte, die beim natürlichen Prozess des mikrobiellen Abbaus organischer Stoffe freigesetzt werden. Mikroorganismen setzen die enthaltenen Kohlenhydrate, Eiweiße und Fette in die Hauptbestandteile um.

Blick auf die Biogasanlage bei Rosdorf. Quelle: Peter Heller

Wasserdampf ist nicht nutzbar

Neben den Hauptkomponenten sind meist auch Stickstoff, Sauerstoff, Schwefelwasserstoff, Wasserstoff und Ammoniak enthalten. Am wertvollsten ist das zu rund 60 Prozent enthaltene Methan. Je höher der Anteil ist, umso energiereicher ist das Gas. Überhaupt nicht nutzbar ist der Wasserdampf. Schwefelwasserstoff und Ammoniak werden bei der Aufbereitung vor der Verbrennung entfernt, da Gefährdungen des Menschen, Geruchsbelästigungen sowie Korrosion beispielsweise in Motoren und Turbinen verhindert werden sollen.

Doch welche Rohstoffe eignen sich überhaupt, um daraus Biogas zu gewinnen. Vergärbare, biomassehaltige Reststoffe wie Klärschlamm, Bioabfall oder Speisereste. Darüber hinaus kann Wirtschaftsdünger wie Gülle und Mist verwertet werden. Aber auch bisher nicht genutzte Pflanzen sowie Pflanzenteile (beispielsweise Zwischenfrüchte, Pflanzenreste und dergleichen) sowie gezielt angebaute Energiepflanzen. Dabei ergeben verschiedene Ausgangsmaterialien unterschiedliche Biogaserträge.

Kraft-Wärme-Koppelung

Im Klima- und Umweltschutz spielt Methan eine große Rolle, denn Methan ist ein wichtiges Treibhausgas. In diesem Zusammenhang spielt die Prüfung der Dichtigkeit von Biogasanlagen und aller zugehörigen Komponenten einen maßgeblichen Beitrag zum Klimaschutz. Denn Biogasanlagen gelten als nicht vollständig dicht. Seinen maximalen Wirkungs- und Versorgungsgrad erreicht Biogas, wenn es gleichzeitig zur Strom- und Wärmeerzeugung genutzt wird. Unter Kraft-Wärme-Koppelung (KWK) beziehungsweise Wärme-Kraft-Kopplung (WKK) ist die gleichzeitige Gewinnung von mechanischer Energie und nutzbarer Wärme zu verstehen, die in einem gemeinsamen thermodynamischen Prozess entstehe. In der Regel wird die mechanische Energie unmittelbar in elektrischen Strom umgewandelt.

Von Vera Wölk und Vicki Schwarze

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