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Rosdorf Feuerwehreinsatz in Rosdorf: Silo drohte zu platzen
Die Region Rosdorf Feuerwehreinsatz in Rosdorf: Silo drohte zu platzen
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20:34 11.11.2019
Krisengespräch: Einsatzkräfte stehen vor der Anlage, betroffen ist das mittlere der fünf Silos. Quelle: Meinhard
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Rosdorf

In Rosdorf drohte am Montag, 11. November, ein Getreidesilo zu platzen. Die Einsatzkräfte hatten deshalb den Bereich um das Silo abgesperrt. Die Raiffeisenstraße war über mehrere Stunden nicht passierbar, weitere Straßen waren nicht gesperrt. Betroffen war allerdings der Zugverkehr auf der angrenzenden Strecke GöttingenEichenberg. Hier ruhte seit dem frühen Montagmittag der Personen- als auch der Güterverkehr, was zu Behinderungen beim Nahverkehr führte. Eine erste Entwarnung gab es um 17.30 Uhr.

Die Sperrung war eine Sicherheitsmaßnahme. Wie groß die Gefahr eines Auseinanderreißens oder sogar eines plötzlichen Platzens des randvoll mit Getreide gefüllten Silos war, musste ein über die Leitstelle angeforderter Baustatiker des Technischen Hilfswerkes herausfinden.

Mehrere Tonnen Getreide im Silo

„Der Betreiber der Anlage hatte am Montagmorgen festgestellt, dass sich Getreide direkt am Silo befand. Bei einer Begutachtung stellte er einen etwa 30 Zentimeter langen Riss entlang einer Strebe fest und zwar im unteren Bereich des Silos“, erläuterte der Sprecher der Rosdorfer Ortsfeuerwehr, Christian Henke, gegenüber dem Tageblatt. In dem betroffenen Silo – es ist eins von insgesamt fünf – befanden sich hunderte Tonnen Getreide. Es gehört zu einer Anlage der Raiffeisen Warenhandel GmbH. Auch Rosdorfs Bürgermeister Sören Steinberg (SPD) war vor Ort, um sich über die Situation zu informieren.

Einsatz am Silo

Mit Tachymeter Silo beobachtet

Wie der Beauftragte für die Öffentlichkeitsarbeit des Ortsverbandes Göttingen des THW, Axel Rentschka, erläuterte, sei ein sogenannter ESS-Trupp des Technischen Hilfswerkes im Einsatz gewesen (ESS steht für Einsatzstellen-Sicherungssystem). Am beschädigten Silo sind im Laufe des Nachmittags mehrere Messpunkte (Spiegelprismen) angebracht worden. Um diese Arbeiten zu realisieren, hatte die Einsatzleitung die Drehleiter der Berufsfeuerwehr Göttingen angefordert. Mit Hilfe eines Tachymeters konnte dann beobachtet werden, ob und in welcher Weise sich das Silo bewegt. Im Falle des Falles hätte so frühzeitig die Gefahr eines Auseinanderbrechens erkannt werden können. Der angeforderte Bauchfachberater des THW kam aus dem hessischen Großalmerode.

Mit Spanngurten und Bohlen stabilisiert

Feuerwehrleute stabilisierten am Nachmittag den unteren Teil des Silos mit Spanngurten, wie sie für die Sicherung von LKW-Ladungen verwendet werden sowie mit Holzbohlen. Am späten Nachmittag sagte Henke, dass nun begonnen werde mit dem Ablassen des Getreides aus dem Silo, das könne zehn bis zwölf Stunden dauern. „Die Lage muss kontinuierlich beobachtet werden“, erklärte der Feuerwehr-Sprecher. Am Bahnhof Göttingen warteten indes zahlreiche Reisende auf den Schienenersatzverkehr Richtung Friedland.

Vor Freigabe Vibrationen gemessen

In Absprache mit der Bahn erfolgte gegen 17.25 Uhr eine Probemessung mit Hilfe eines in Richtung Süden (der dem Silo am weitesten entfernten Bahntrasse) sehr langsam vorüber fahrenden Zuges, um die Vibrationen festzustellen, die sich auf das Silo auswirken. Henke sagte am Abend, dass die Erschütterungen zwar wahrnehmbar, aber tolerierbar seien. Züge in südlicher Richtung konnten daraufhin in einem extrem langsamen Tempo die Stelle passieren. Eine knappe Stunde später konnten nach einer zweiten Messung auch wieder Züge in Richtung Norden fahren.

Am Einsatz in Rosdorf sind Hilfskräfte der Ortsfeuerwehr Rosdorf, des Technischen Hilfswerkes Göttingen, ein Notfallmanager der Deutschen Bahn und Polizeibeamte beteiligt. Der Anruf bei den Einsatzkräften ging am Montag gegen 11 Uhr ein, wenige Minuten später waren Polizei und Feuerwehr vor Ort.

Am 4. November platzte Silo in Gescher

Dass Getreidesilos platzen, kann zuweilen vorkommen. So ist es erst am 4. November in Gescher (Nordrhein-Westfalen) zu einem solchen Vorfall gekommen. Hier war auf dem Gelände eines Raiffeisen-Marktes ein Getreidesilo geplatzt und eingestürzt. Knapp 1300 Tonnen Weizen sollen nach Medienberichten ausgelaufen sein. Das betroffene sowie drei weitere Silos galten danach als Totalschaden. Menschen waren nicht zu Schaden gekommen; Glück im Unglück: der Vorfall ereignete sich an einem Sonntag. Der Sachschaden soll in Gescher bei über 1 Million Euro liegen. Angaben über die Höhe des Sachschadens in Rosdorf lagen erst einmal nicht vor.

Von oben befüllt, von unten geleert

Silos werden zum Speichern von Zement, Kalksteinmehl, Kunststoffgranulat, Getreide und Futtermitteln verwendet. Sie werden grundsätzlich von oben befüllt und von unten entleert. Je nach Material genügt zur Entnahme ein Schieber oder, falls die Schwerkraft nicht ausreicht, um das Material zum Fließen zu bringen, eine mechanische Fördereinrichtung wie eine Förderschnecke. Bei landwirtschaftlichen Silos besteht die Gefahr durch sich sammelndes Gas. Bevor man das Silo betritt, muss das Silogas durch Belüftung entfernt werden, sonst besteht akute Erstickungsgefahr. Zudem kann es bei Hochsilos abhängig vom Schüttgut zur Gefahr von Staubexplosionen kommen. Die höchsten Silos in Deutschland messen 116 (Ulm) beziehungsweise 120 Meter (Frankfurt/Main). (Quelle: Wikipedia). Das beschädigte Silo in Rosdorf ist 18 Meter hoch. Es kann mehrere hundert Tonnen Getreide aufnehmen.

Von Ulrich Meinhard

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