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Rosdorf Harald Gerke verschenkt seit 46 Jahren selbst gebackene Lebkuchenhäuschen
Die Region Rosdorf Harald Gerke verschenkt seit 46 Jahren selbst gebackene Lebkuchenhäuschen
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08:00 14.12.2019
Harald Gerke hat ein schönes Hobby: In der Vorweihnachtszeit bastelt er Lebkuchenhäuser und verschenkt sie an Verwandte und Bekannte. Quelle: Peter Heller
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Rosdorf

Seit 46 Jahren fertig Harald Gerke Lebkuchenhäuschen, die er an Freunde und Verwandte verschenkt. 22 sind es in diesem Jahr geworden. Übernommen hat er das Hobby von seinem Vater Hermann, der seinen drei Söhnen jedes Jahr selbst gemachte Lebkuchenhäuschen geschenkt hat. „Das war Weihnachten“, sagt er.

Wenn es auf die Adventszeit zugeht, bereitet sich Harald Gerke vor. Gemeinsam mit seiner Frau Gudrun kauft er große Mengen Mehl, Zucker, Honig und Süßigkeiten. Die nächsten zwei Monate steht der 76-Jährige dann täglich in der Küche, rührt Teig mit dem Handmixer, schneidet Lebkuchenplatten zurecht und macht Zuckerguss.

Jedes Haus ein Unikat

Am Anfang hat Gerke nur für sein Sohn Joachim gebacken, später kamen Nachbarskinder dazu und „dann hat sich das verselbstständigt“, erzählt Gudrun Gerke. Immer wenn ihr Mann gefragt wurde, habe er ja gesagt. Und „schon hatte er wieder eins an der Backe.“ So wie vor Kurzem erst, als der 76-Jährige beim Arzt einen Bekannten traf.

Ein paar Mal hat Gerke in den vergangenen Jahren mit dem Teig experimentiert, zum Beispiel etwas Muskat hinzugefügt. Am Ende ist er aber immer zu seinem Rezept zurückgekehrt. „Das ist das Beste.“ Fertigen Lebkuchenteig zu benutzen, kommt für den 76-Jährigen nicht infrage. „Dann weiß ich ja nicht, was da drin ist.“ Cola-Flaschen, Schokolinsen, buntes Fruchtgummi und Schokotaler mit Zuckerstreuseln – beim Verzieren lässt Gerke seiner Fantasie freien Lauf. Jedes Haus ist ein Unikat. „Doppelt oder so gibt es nicht“, sagt er.

Gedanken an die Kindheit

Die Lebkuchenhäuser baut Gerke auf Schneidebrettchen zusammen, die er ebenfalls dekoriert. Früher waren es so viele, dass der ganze Esszimmertisch in der Weihnachtszeit vollstand. Heute wird ausgeliefert oder abgeholt, was fertig ist. „Wer kein Brettchen dabei hat, kriegt kein neues Haus“, sagt Gudrun Gerke und klopft mit dem Zeigefinger auf den Tisch, wie um sich selbst und ihren Mann zu ermahnen. Noch vor einigen Jahren seien die Häuschen „ausgeklügelt“ gewesen; mit der Zeit wurden sie einfacher. „Er kann mit den Händen nicht mehr so.“

Beim Arbeiten an den Lebkuchenhäusern kann Gerke abschalten. „Ich denke dabei sehr an meine eigene Kindheit, an Zuhause und wie Kinder sich drüber freuen können“, sagt er. Die Idee mit den Lebkuchenhäuschen stammt von seinem Vater. Hermann Gerke war Frührentner, litt nach dem Krieg unter Kopfgrippe. Die Familie musste mit wenig auskommen. Gekocht werden konnte am Sonntag erst, wenn sein Vater beim Schlachter günstig Reste bekommen hatte.

Cola-Flaschen gehören bei den Beschenkten zu den beliebtesten Süßigkeiten, sagt Harald Gerke. Quelle: Peter Heller

Erinnerungen an früher

Süßigkeiten wie Harald Gerke sie heute in allen Formen und Farben zum Dekorieren nimmt, hatte sein Vater nicht. Die Häuschen bestanden aus reinem Lebkuchen. „Mehr gab‘s ja nicht nach dem Krieg“, sagt Gerke. Um seine Eltern zu unterstützen, half er während der 7. und 8. Klasse in einer Bäckerei aus, wo er Backbleche schrubbte. Gebacken hat er dort nicht, auch nicht zu Hause. „Das war Mutters Sache.“

Die sprach mit ihren Söhnen Platt, bevor sie in der Schule Hochdeutsch lernten. Ärgerte sich Helene Gerke über ihre Kinder, fiel sie ins Plattdeutsche zurück. Daran erinnert sich Harald Gerke genauso wie an die Weihnachtsfeste von früher. „Da wurde Weihnachten noch ganz anders gefeiert.“ Der gebürtige Rosdorfer wuchs in der Unteren Mühlenstraße in einem Mietshaus auf, wo an „Weihnachten bei jedem kurz reingeguckt“ wurde.

„Den jungen Leuten was Gutes tun“

„Wenn ich dabei sitze, fällt mir das wieder ein“, sagt Gerke über die Tage am Küchentisch. Manchmal sei er ganz schön geschafft, sagt Gudrun Gerke. „Den jungen Leuten was Gutes tun“, möchte Harald Gerke trotzdem weiterhin. Aufhören kann er eigentlich auch nicht – schließlich haben die meisten schon wieder fürs nächste Jahr vorbestellt.

Harald Gerkes Lebkuchenrezept

Zutaten:250 g Honig 200 g Zucker 100 g Butter 1 Päckchen Lebkuchengewürz 500 g Mehl ½ Tüte Pottasche (12 bis 15 Gramm) 1/3 Tüte Hirschhornsalz 2 Eier

Zubereitung: 

Honig und Zucker erwärmen (nicht erhitzen). Herdplatte einschalten und unter Rühren das Fett erhitzen. Das Mehl in eine Schüssel geben und mit dem Lebkuchengewürz vermischen. Eier in die Mitte geben. Etwas Wasser mit der Pottasche verrühren und auflösen. Mit der Küchenmaschine oder dem Handmixer mit Knethaken zu kneten beginnen. Die Eier in der Mitte des Mehles anquirlen und dabei vorsichtig die Zucker-Honigmasse zufügen. Weiter rühren und die aufgelöste Pottasche einrühren.

Solange kneten, bis der Teig zu glänzen beginnt und Blasen bekommt. Teig in eine Glas- oder Tupperschüssel geben und mit einem Deckel abdecken, aber nicht luftdicht verschließen, der Teig muss atmen! Mit einem Teller abdecken, reicht auch. Den Teig an einem kühlen Ort mindestens eine Nacht ruhen lassen. Er schmeckt aber erst richtig gut, wenn man den Teig zwei Monate in Frieden lässt.

Den Teig vor dem Ausrollen richtig fest durchkneten, dann eventuell etwas mit Mehl bestäuben. Das Blech mit Backpapier auslegen und Teig etwa einen halben Zentimeter dick ausrollen; etwa ein bis zwei Stunden auf dem Blech ruhen lassen. Im vorgeheizten Ofen auf mittlerer Schiene backen. Backzeit: etwa 20 Minuten bei 180 bis 200 Grad, bei Heißluft etwas weniger, Gas Stufe 2 bis 3.

Die Teigmenge reicht für ein bis zwei normale Bleche und für zwei bis drei Lebkuchenhäuschen. Lebkuchen auf dem Rost auskühlen lassen. Maße für ein Häuschen: zweimal 10 x 14,5 cm für das Dach und zweimal 9,5 x 13,5 für den Giebel.

Von Nora Garben

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