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Rosdorf Lehrerzimmer statt Baucontainer
Die Region Rosdorf Lehrerzimmer statt Baucontainer
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18:47 24.02.2017
Unterricht im Lehrerzimmer. Denn das ist in den Kopierraum umgezogen. Und dieser ist nun im Container, der vorher für den Unterricht genutzt wurde. Quelle: Mischke
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Rosdorf

Der Hort an der Heinrich-Grupe-Schule, dessen Träger die Gemeinde Rosdorf ist, soll in ein neues Gebäude umziehen. Bis es so weit ist, muss die Grundschule fünf ihrer Räume an den Hort abtreten. Ein 46 Quadratmeter großer Container auf dem Schulhof sollte daher als zusätzlicher Klassenraum dienen, doch das Provisorium ist für Unterricht ungeeignet, sagt die Schulleitung.

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Im Sommer herrschten im Innern bis zu 40 Grad, und beim Schallschutzgutachten fiel der Container durch. Doch Gemeindebürgermeister Sören Steinberg (SPD) sagt: „Bis auf die Problematik in den Sommermonaten ist der Container nutzbar.“ Schulleiterin Elke Bornemann-Polzer widerspricht energisch: „Da arbeitet kein Mensch drin.“ Um Platz zu schaffen, zog das Kollegium deshalb kurzerhand in den Kopierraum und gab das Lehrerzimmer für den Unterricht frei.

Der Container auf dem Schulhof Quelle: Mischke

In dieser Konstellation bleiben der Schule bei 280 Schülern genau 14 Klassenräume für 14 Klassen und somit keine weiteren Aufenthaltsräume. Als solcher muss derzeit die Schulmensa herhalten. „Wir platzen aus allen Nähten“, sagt die stellvertretende Schulleiterin, Katharina Freiesleben. Aufgrund der hohen Kosten von 850000 Euro wurde dem Hort-Neubau während der jüngsten Gemeinderatssitzung ein Sperrvermerk auferlegt, der die Planungen stocken lässt. Das Geld stehe bereit, versichert Steinberg. Doch was das im Umkehrschluss für die Schule bedeute, stelle sich niemand vor, kritisiert Freiesleben. So hätten unter anderem die inklusiv beschulten Kinder keinen eigenen Raum. „Die sitzen bei uns auf dem Gang, das ist unmöglich“, ergänzt Bornemann-Polzer.

Quelle: Mischke

Allmählich breitet sich auch unter den Eltern der Frust aus. Es wäre „ein regelrechtes Schreckenszenario, wenn die Situation so bliebe und zu Beginn des neuen Schuljahres die Erstklässler diesen Zustand erleben müssten“, sagt Jan Strebelow vom Schulelternrat. Da Steinberg auf einen Beschluss im März hofft und die Bauzeit auf rund sieben Monate beziffert, sagt er: „Ich würde jetzt nicht sagen der Hort steht in diesem Jahr oder im nächsten Jahr.“ Der Standort steht hingegen schon fest: Der neue Hort soll in Schulnähe auf dem Gelände an der Langen Straße gebaut werden.

Schule und Eltern pochen unterdessen auf eine Zwischenlösung. Eine Kooperation zwischen Schule und Hort scheint jedoch wegen der institutionellen Trennung durch das Hort- und Kindertagesstättengesetz ausgeschlossen. „Schön wäre, man würde ein ineinander ragendes System haben“, sagt Freiesleben. Denn die Schul- und Hortkinder seien „ein und die selben Kinder“. Der Gemeindebürgermeister verweist außer auf die gesetzlichen Vorgaben auch auf „fachkrafttechnische Unterschiede“ zwischen Hort und Ganztagsschule. Da der Betreuungsschlüssel geringer und das Angebot ein anderes sei, gebe es Eltern, die klar sagten: „Ich finde das Konzept Hort besser und bin bereit, dafür Geld zu bezahlen.“ Hinzu kommt, dass Hortkinder Nachmittagsangebote der Schule nutzen dürfen, andersherum aber nicht.

Unterdessen ist die Schule mit 60 Hortkindern und 120 Ganztagsschülern „bis halb vier randvoll“. Zu Lasten der Lehrer: „Das ist schon anstrengend, der Krankenstand ist erschreckend hoch“, sagt die Schulleiterin. 420 Vertretungsstunden stünden jährlich zur Verfügung, „die sind schon alle weg“, sagt Bornemann-Polzer. Aber: „Wenn wir schimpfen, sind wir die Bösen. Es ist grotesk.“ yah