Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Rosdorf Rosdorfer Feuerwehr setzt auf Drohnentechnik
Die Region Rosdorf

Rosdorfer Feuerwehr kauft Drohne

Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
11:03 22.09.2020
Die Rosdorfer Feuerwehr setzt auf Drohnentechnik. Pilot André Sikulski erklärt die Funktionen. Quelle: Scharf
Anzeige
Rosdorf

Sie hat eine Reichweite von acht Kilometern und kann theoretisch in eine Höhe von 6000 Meter aufsteigen. Wenn es schnell gehen muss, erreicht sie eine Geschwindigkeit von 72 Stundenkilometern. Die Rede ist von der Drohne, die am Montag erstmals vorgestellt wurde und die künftig die Arbeit der Feuerwehr in der Gemeinde Rosdorf unterstützen soll.

6000 Euro hatte die Politik bewilligt, um in ein System zu investieren, das „einmalig in Südniedersachsen“ sein soll, wie Gemeindebrandmeister Martin Willing bei der Präsentation am Montag betonte. Dabei unterscheide sich das Gerät nicht nur durch die Ausstattung sondern vor allem die Sonderrechten, mit denen die Rosdorfer Drohne ausgestattet ist.

Anzeige

Lautsprecher und Wärmebild

Als Behörde oder Organisation mit Sicherheitsaufgabe (BOS) hätte das Einsatzteam im Akutfall die Möglichkeit, mit der Drohne beispielsweise auch in Bereiche vorzudringen, deren Luftraum ansonsten gesperrt seien. In der Gemeinde treffe das beispielsweise auf die Justizvollzugsanstalt (JVA) zu, so Willing. Man habe lange nach einem geeigneten System gesucht, das Thema werde schon seit etwa eineinhalb Jahren in der Gemeinde diskutiert.

Testflug der Rosdorfer Feuerwehrdrohne

Eingesetzt werden soll die Drohne vor allem zur Lageerkundung und Einsatzdokumentation. Da sie mit einer Wärmebildkamera ausgestattet ist, kann sie Brandherde erkennen, aber auch bei der Personensuche zum Einsatz kommen. Dank eines an Bord befindlichen Lautsprechers besteht zudem die Möglichkeit, akustisch Kontakt zu Personen in Gefahr aufzunehmen. Es habe in der Vergangenheit diverse Szenarien gegeben, in denen die Drohne hätte zum Einsatz kommen können, so der Gemeindebrandmeister.

Erster Test: Bombenräumung

Einen ersten Test habe es bei der Bombenräumung am Siekanger im vergangenen Jahr mit einem Vorgängermodell gegeben. Hier habe sich gezeigt, welche Vorteile der Einsatz einer Drohne mit sich bringt. So hätte man bei der Evakuierung Personen an schwer zugänglichen Stellen warnen können. Zudem reduzierte die Drohne das Risiko für die Einsatzkräfte, wenn diese schon im Vorfeld wissen, was sie am Einsatzort erwartet.

GT/ET-Update – Der Newsletter

Die wichtigsten Nachrichten aus Göttingen, dem Eichsfeld und darüber hinaus täglich um 17 Uhr in Ihrem E-Mail-Postfach.

Stationiert ist die neue Errungenschaft bei der Ortswehr Obernjesa. Hier hat das Team um Ortsbrandmeister Christan Wiebersiek den im Vorjahr angeschafften Mannschaftswagen so umgerüstet, dass er als Einsatzzentrale für den Flugeinsatz genutzt werden kann. Ein Monitor überträgt die Bilder aus den Kameras der Drohne in Echtzeit zu den Kollegen, die vor Ort die Erkenntnisse auswerten können. Eine Ladestation im Heck und die ausreichend Zahl an Akkus ermöglicht es dabei, die Drohne theoretisch ununterbrochen in der Luft zu halten.

Piloten in Ausbildung

Gesteuert werden darf die Drohne nur mit einem Zertifikat. Derzeit werden zehn Feuerwehrleute als Piloten ausgebildet. Die Spezialisten sollen nach einer Einarbeitungsphase dann im gesamten Gemeindegebiet eingesetzt werden können – und darüber hinaus. Willing: „Das System ist sicher auch von anderen Wehren im Landkreis im Zuge der Amtshilfe einsetzbar.“ Zunächst aber werde man Erfahrungen sammeln müssen, erklärt Wiebersiek. Denn bei allen Möglichkeiten der neuen Technik sei diese nur dann sinnvoll einzusetzen, wenn jeder Kollege sie auch in der Stresssituation eines Einsatzes sicher bedienen könne.

Sie erreichen den Autor unter:m.scharf@goettinger-tageblatt.de

Von Markus Scharf