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Rosdorf Autorität in weißen Hosen mit Ruhrpottcharme
Die Region Rosdorf Autorität in weißen Hosen mit Ruhrpottcharme
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00:24 17.03.2018
Schwimmmeister Detlev Haberlandt geht in den Ruhestand. Quelle: Peter Heller
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Rosdorf

Das Freibad Rosdorf hat sich in den vergangenen 20 Jahren verändert. Die Liegefläche hat sich mehr als verdoppelt, Becken, Heizung, alles neu. „Ich habe zehn Jahre lang gebraucht, um die Verwaltung von einem Umbau zu überzeugen”, sagt Detlev Haberlandt. Ohne ihn sähe es dort anders aus. Das Freibad ohne Haberlandt, für viele Stamm-Schwimmer schwer vorstellbar. Jetzt geht der Schwimmmeister in Rente. Nach 28 Jahren.

Der Liebe wegen in den Landkreis Göttingen

Wenn der hochgewachsene Mann am Beckenrand steht, strahlt er diese schwer beschreibbare Bademeister-Autorität aus. Er muss nicht laut werden. Kann er aber, wenn doch jemand das Nicht-vom-Beckenrand-springen-Verbot ignoriert. Und dann ist da diese flapsige Herzlichkeit, die den gebürtigen Duisburger für viele seiner Badegäste zur Seele des Freibades macht. Ruhrpott-Charme in weißen Hosen. Dabei stand Haberlandt als junger Mann am Hochofen. So wie es sich für einen Duisburger gehört. „Ich bin gelernter Hüttenfacharbeiter”, sagt er. Mit 14 in die Lehre, als Hobby in der DLRG aktiv, „sehr, sehr aktiv”, wie er sagt. Das Hobby von damals wurde einige Jahre später zum Beruf. Auf dem Hochofen folgt erst einmal die Bundeswehr. Dort wird Haberlandt zum Sanitäter ausgebildet. Die Bundeswehr verschlägt den Mann vom Rhein an die Leine - nach Hannover. Dort lernt er in einer Disco seine spätere Frau kennen, eine Krankenschwester aus Friedland. Das junge Paar beschließt, den Landkreis Göttingen zu seinem Lebensmittelpunkt zu machen. Und Detlev Haberlandt beschließt, eine dritte Ausbildung zu absolvieren, im damaligen Sport- und Bäderamt der Stadt Göttingen. Er arbeitet zunächst im Freibad am Brauweg, dann in Grone und im Hallenbad am Stumpfebiel. 1990 macht er seinen Schwimm-Meister. „Eigentlich hatte ich bis 1995 einen Vertrag mit den Göttingern vereinbart”, sagt Haberlandt. Als in Rosdorf die Meisterstelle ausgeschrieben wurde, bewarb er sich trotzdem. „Die Rosdorfer mussten dann eine Ablösesumme für mich bezahlen, fast wie in der Bundesliga”, sagt er und lacht. Seit dem Deal ist Haberlandt Schwimmmeister in Rosdorf. „Damals war das Bad noch eine Ruine”, erinnert sich der heute 63-Jährige. Lange arbeitete er Seite an Seite mit Heinz Kellner, nach dessen plötzlichen Tod mit anderen Kollegen zusammen. Jetzt ist André Bötte sein Co-Schwimmmeister, er übernimmt in der kommenden Saison die Position von Haberlandt. Altersmäßig könnte Haberlandt noch arbeiten, die Gesundheit aber streikt. Knie kaputt, eine Diagnose, die für einen Schwimmmeister das Aus bedeutet. Dreimal hat Haberlandt in seinem Job Menschen, die zu ertrinken drohten, reanimiert. Erfolgreich, denn sowohl die beiden Kinder als auch der betrunkene Taucher haben überlebt. Dafür muss ein Schwimmmeister topfit sein.

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Vom Beckenrand in den Kiosk

Als Haberlandt von Göttingen nach Rosdorf wechselte, wechselten einige Stammschwimmer mit. Noch immer sind einige der damaligen Überläufer aktiv, „einer ist bereits 90 Jahre alt”, sagt Haberlandt. Eine weitere Seniorin aus Geismar kommt jeden Morgen mit dem Fahrrad, auch wenn der Weg nach Rosdorf länger ist als ins das Brauweg-Bad.

Am 22. März wird Haberlandt offiziell von der Gemeindeverwaltung verabschiedet. Viele seiner Badegäste haben sich bereits von ihm verabschiedet, am Ende der vergangenen Saison. Sie werden ihren Bademeister aber voraussichtlich wieder sehen. Nicht am Beckenrand, sondern im Kiosk. Den hat sein Sohn gepachtet. Und wenn der den Vater um Hilfe bittet, „dann kann ich doch nicht nein sagen”, sagt Haberlandt.

Von Britta Bielefeld

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