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Rosdorf Justizvollzug bekommt Hilfe aus aller Welt
Die Region Rosdorf Justizvollzug bekommt Hilfe aus aller Welt
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17:33 02.05.2019
Der Videodolmetscher wird seit April in der JVA Rosdorf eingesetzt. Quelle: Hinzmann
Rosdorf

Es werde immer schwieriger, geeignete Dolmetscher für die vielen Sprachen zu finden, die in den 13 Justizvollzugseinrichtungen des Landes gesprochen werden, hieß es in einer Mitteilung aus dem Niedersächsischen Justizministerium in der vergangenen Woche. Gleichzeitig sei der Anteil ausländischer Inhaftierter gestiegen – von etwa einem Viertel im Jahr 2014 auf aktuell rund ein Drittel.

Die gesprochenen Sprachen reichen von Englisch, Französisch und Spanisch über die Sprachfamilien des Balkan und des eurasischen sowie vorderasiatischen Raumes bis hin zu den Dialekten Nord- und Südafrikas. Um die Verständigung mit allen Gefangenen zu ermöglichen, setzt das Ministerium auf den Videodolmetscher. Ein Dienst, der vereidigte Dolmetscher aus aller Welt per Klick auf dem Ipad zur Verfügung stellt.

Rückmeldung schon nach wenigen Minuten

Zwei der Geräte sind seit vergangenem Monat auch in der Rosdorfer JVA im Einsatz. Der erste Eindruck nach der vierwöchigen Testphase ist durchaus positiv. Juliane Reimann, Sozialarbeiterin in der Strafhaft, erklärt die Arbeitsweise der neuen Technik: „Per App wird ein Termin mit einem Dolmetscher vereinbart. Der meldet sich von irgendwo aus der Welt nach wenigen Minuten zurück und kann per Video zum Gespräch zugeschaltet werden.“ Die Reaktionszeit auf eine Anfrage variiere je nach Sprache zwischen fünf und 120 Minuten. „Für Notfälle gibt es eine zusätzliche Hotline.“

Nach Angaben des Ministeriums soll Videodolmetschen insbesondere dann eingesetzt werden, wenn Gefangene in einer Haftanstalt aufgenommen werden. Schon im Erstgespräch gehe es darum zu erkennen, ob beispielsweise Verwandte benachrichtigt werden müssten oder psychische Auffälligkeiten zu erkennen seien. Wichtige Fragen, die ohne ein reibungsloses gegenseitiges Verständnis nur schwer zu klären sind.

„Sprache ist der Schlüssel zu allem“

Justizministerin Barbara Havliza betonte zur Einführung des neuen Services: „Sprache ist der Schlüssel zu allem, auch in einem Gefängnis. Einander zu verstehen kann in der Haft vieles erleichtern. Missverständnisse können vermieden und Aggressionen abgebaut werden.“ Auf dem Weg in ein straffreies Leben sei die Verständigung enorm wichtig. Hier sollte man sich in der Kommunikation auch in eiligen Fällen nicht auf Mimik und Gestik verlassen müssen.

Im konkreten Einsatz sei die Dreieckskommunikation mit dem Videobild zunächst einmal gewöhnungsbedürftig, sagt Reimann. „Es ist wichtig, dass man das Gespräch weiterhin direkt mit dem Gefangenen führt und nicht mir dem Bildschirm. Nur dann kann man weiterhin Gestik und Mimik beobachten.“ Sie persönlich habe in zwei Fälle auf die Hilfe des Dolmetschers zurückgegriffen.

1,20 Euro pro Minute

Zunächst galt es, einem Mann zu erklären, was auf ihn im Strafvollzug zukomme. Im anderen Fall sollte ein Gefangener gegenüber der Polizei eine Aussage machen, konnte diese aber weder in deutscher Sprache formulieren noch aufschreiben. Der nächste Einsatz ist beim medizinischen Dienst geplant: „Ohne Dolmetscher kann der Betroffene sein Leid nicht ausreichend artikulieren.“ Reimann hat die Erfahrung gemacht, dass die Nutzung der App auch bei den Gefangenen gut ankomme. „Sie fühlen sich besser verstanden.“

Und letztendlich hat der Videodolmetscher auch für das Land Niedersachsen einen Vorteil. Bislang mussten für Übersetzungen Dolmetscher zeitraubend und kostenintensiv in die Anstalten bestellt werden. Jetzt betragen – zusätzlich zur monatlichen Grundgebühr in dreistelliger Höhe – die Kosten 1,20 Euro pro Minute.

Von Markus Scharf

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