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Die Region Servicestelle berät zu Wohnraum im Alter
Die Region Servicestelle berät zu Wohnraum im Alter
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16:00 28.10.2019
Stellen das Angebot der Servicestelle Wohnberatung vor (v. l.): Gaby Quintscher, Hartmut Wolter, Tanja Heiligenstadt, Eva-Maria Martin, Kreisrat Marcel Riethig, Björn Brüntrup, Astrid Winter und Ulrike Stahmann. Quelle: Tobias Christ
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Göttingen

Der Bedarf an sozialem Wohnraum im Landkreis Göttingen wächst. Viele dächten, „Wohnen auf dem Land ist doch kein Problem – weit gefehlt“, sagt Kreisrat Marcel Riethig. Er ist zu Gast in der Servicestelle Wohnberatung des Landkreises. Diese stellt ihr vielfältiges Angebot vor. Ziel der Beratungsstelle ist, Ältere und Menschen mit Beeinträchtigung bei Fragen zu unterstützen. Dafür bieten die Mitarbeiter auch Vor-Ort-Termine an.

„Wohnen ist für einige Experten das Thema des 21. Jahrhunderts“, erläutert Riethig. Das sei jedoch sehr „pathetisch und überzogen“, meint er. Dennoch sei es ein großer Themenkomplex, bei dem die Menschen unterstützt werden müssten. Diese Hilfe liefert die Anfang dieses Jahres gegründete Servicestelle mit Sitz im Kreishaus, Reinhäuser Landstraße 4. Das vorliegende Wohnraumversorgungskonzept zeige deutlich, dass es trotz des demografischen Wandels einen großen Bedarf an barrierefreiem Wohnraum im Landkreis gebe. „Es werden Hunderte Wohnungen benötigt.“

„Möglichst lange selbstständig bleiben“

Ausgehend von der Annahme, dass „alle möglichst lange selbstständig wohnen wollen“, gebe es viele Menschen, die dabei Hilfe benötigen. „Viele Fragen können nur im persönlichen Gespräch beantwortet werden“, betont er. Die Servicestelle hilft dabei, Antworten zum barrierefreien Umbau des eigenen Wohnhauses, zur Finanzierung oder Technischen Hilfen zu finden.

„Die meisten Älteren wollen in ihrem häuslichen Umfeld bleiben“, sagt Fachdienstleiterin Tanja Heiligenstadt. Die Beratungsstelle plant für die Zukunft eine Angebotslandkarte und eine Wohnraumbörse, zudem werden Gespräche mit verschiedenen Bürgermeistern geführt, um zu eruieren, wo eventuell Wohnraum verfügbar ist und auch in den einzelnen Orten auf die Angebote aufmerksam zu machen. „Wir brauchen die Gemeinden an Bord“, meint sie.

Es geht um einen sensiblen Bereich

Seit etwa 15 Jahren ist der Kooperationspartner, die Freie Altenarbeit Göttingen (FAG), in diesem Bereich aktiv. Kürzlich erlangten neun ehrenamtlichen Wohnberater ihre Qualifizierung. Dass diese ausgebildet werden, sei wichtig, denn schließlich arbeiten sie in einem „sensiblen Bereich“. Denn wenn sie in die Häuser der Hilfesuchenden kommen, „sehen sie alles, vom Bade- bis zum Schlafzimmer“, sagt Hartmut Wolter von der FAG. Viele Menschen hätten große Scheu, „Fremde ins Haus zu lassen.“ Dabei sei es vorteilhaft, sich „frühzeitig um das Älterwerden zu kümmern“. Denn „erst dann, wenn man pflegebedürftig ist, geht das Geschrei los“, fügt Eva-Maria Martin von der Servicestelle hinzu.

Deshalb müsse das Bewusstsein der Betroffenen frühzeitig geweckt werden, „damit die Rente nicht für das Pflegeheim genutzt werden muss.“ „Mit 50, 60 Jahren bin ich doch eher bereit, etwas zu investieren, als mit 80“, stimmt Wolter ihr zu. Gerade auf dem Land, wo es zu 70 Prozent um Wohnraumeigentum geht und Mietverhältnisse in der Unterzahl sind, würde sich ein zeitiger Umbau des Eigenheims im Alter auszahlen. Auch bei diesem Finanzierungsaspekt gibt die Beratungsstelle Unterstützung.

Beratung zu Technischen Hilfen

Ebenfalls zum Beratungsprogramm gehören Technische Hilfen. Das muss nicht etwa ein Treppenlift sein, und zum Notfallknopf gebe es günstige Alternativen. So gibt es mittlerweile Sensoren im Bettvorleger, die per Funk den Angehörigen, Nachbarn oder Freunden signalisieren, dass die Person aufgestanden ist. Auch beim Einschalten der Kaffeemaschine oder Betätigen der Toilettenspülung könnten solche Signale ausgelöst werden. „Ein Meldesystem für Aktivitäten im Wohnraum kann Leben retten“, sagt Wolter.

Die Servicestelle Wohnberatung

Die Servicestelle Wohnberatung des Landkreises kooperiert eng mit der Freien Altenarbeit und dem Senioren- und Pflegestützpunkt Niedersachsen. Insgesamt stehen 15 qualifizierte Wohnberater zur Verfügung, die ehrenamtlich tätig sind. Diese mobile Wohnberatung ist kostenlos. Die Servicestelle hilft dabei, dass ältere Menschen oder solche mit Beeinträchtigungen selbstbestimmt, sicher und barrierefrei in ihrem Zuhause leben können. Gerade ein barrierefreier Umbau des Eigenheims ist oft mit hohen Kosten verbunden, von denen ein Teil von der Pflegeversicherung übernommen wird. Deshalb ist eine präventive Beratung eine Möglichkeit, um sich für das Alter abzusichern. Für eine persönliche Beratung in den eigenen vier Wänden ist eine Terminvereinbarung erforderlich. Diese kann beim Senioren- und Pflegestützpunkt des Landkreises Göttingen, Reinhäuser Landstraße 4, erfolgen. Telefon: 0551 5252908 oder -2909 sowie 3016. Auch per E-Mail kann ein Termin ausgemacht werden: senioren-undpflegestuetzpunkt@landkreisgoettingen.de.

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Von Tobias Christ

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