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Die Region Streuobstwiese in Groß Lengden erhält UN-Auszeichnung
Die Region Streuobstwiese in Groß Lengden erhält UN-Auszeichnung
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20:00 23.09.2019
Die Streuobstwiese des Göttinger Ehepaares Dr. Bettina Lange-Malecki und Werner Lange wird als offizielles Projekt der „UN-Dekade Biologische Vielfalt“ ausgezeichnet. Quelle: Niklas Richter
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Groß Lengden

Die Streuobstwiese des Göttinger Ehepaares Dr. Bettina Lange-Malecki und Werner Lange ist am Montag als offizielles Projekt der „UN-Dekade Biologische Vielfalt“ ausgezeichnet worden. Eine Fachjury hatte das Projekt „Unsere Streuobstwiese – ein Kleinod der Biodiversität“ ausgewählt. Die Auszeichnung überreichte die erste Kreisrätin Christel Wemheuer bei einer Begehung der Wiese in Groß Lengden.

„Das Projekt ist etwas Besonderes“, sagte Wemheuer inmitten von vielen Vertretern verschiedener Naturschutzbehörden und -organisationen. Dann ergriff die promovierte Biologin Bettina Lange-Malecki das Wort. „Es freut uns sehr, dass Aufmerksamkeit auf die Streuobstwiesen gelegt wird“, sagte sie. Als sie gesehen hatte, dass diese auf die Rote Liste gefährdeter Arten gesetzt wurden, sei sie „entsetzt“ gewesen: „Man müsste noch viel mehr tun.“ Schließlich gehe es nicht um die Personen, sondern um das Biotop. „Für uns ist die Bewirtschaftung auch kostenfreier Sport“, sagt sie.

Bewirtschaftung und Pflege seit 1983

Vor 36 Jahren erwarben die Eheleute die Wiese und bearbeiten sie bis heute. Motivation war der Wunsch, der Natur ein Refugium zu bieten. Auf den 6600 Quadratmetern haben ihre Kinder und Enkelkinder gespielt und viel über Tiere, Pflanzen und Früchte gelernt. Als Kalkmagerrasen ist die Wiese seit 2006 als besonders geschütztes Biotop ausgewiesen, das eine reichhaltige Tier- und Pflanzenwelt beherbergt. Dort wachsen mehr als 100 Blütenpflanzenarten. Dabei sind die für Halbtrockenrasen charakteristischen Arten wie Knolliger Hahnenfuß oder Rauhaariges Veilchen. „Uns ist bewusst, dass wir mit diesem Doppelcharakter – basischer Halbtrockenrasen und Streuobstwiese – eine einzigartige Fläche biologischer Vielfalt bearbeiten“, teilt das Ehepaar mit.

Um das gesamte Areal erschließt sich eine Hecke mit Weiß-, Schlehdorn- und Rosenbüschen. Diese und die Blüten der Obstbäume bieten einen reichhaltigen Lebensraum für Bienen, Falter und Insekten, die wiederum Vögel und Säugetiere anlocken. Offene Stellen im Boden und Totholz begünstigen diese Entwicklung. Mehr als 50 Falterarten sind auf der Streuobstwiese anzutreffen, darunter auch einige stark gefährdete und dementsprechend streng geschützte Arten.

Für Vögel haben die Langes Nistkästen in den Bäumen aufgestellt. „Einige Vogelarten wie Rebhühner oder Neuntöter, die ich vor 20 Jahren noch beobachtet habe, sind leider heutzutage völlig verschwunden“, sagt Lange-Malecki. Zudem wird die Wiese von vielen Wildtieren als Nahrungs- und Lebensraum genutzt, wie Bilder einer Wildtierkamera belegen. Waldohreule, Feldhasen und Wildkatzen sind keine seltenen Gäste.

„Die Streuobstwiese ist unser Paradies“

Bei der Pflege wird konsequent auf Dünger, Insektizide und Pestizide verzichtet. Einmal im Jahr wird gemäht, gemulcht und die Reste in die Hecke gezogen, damit die Wiese frei von Verfilzung bleibt. Dieses Konzept zahlt sich aus: Im Laufe der Jahre ist beispielsweise aus der Löwenzahn- eine Orchideenwiese geworden. Die Bäume werden geschnitten, um auch ohne Dünger gute Fruchtbedingungen zu schaffen. Im Totholz entwickeln sich Käfer, auch Eidechsen sonnen sich dort. Die Trockenheit ist aber auch an der Streuobstwiese nicht vorbeigegangen. „Es wird Zeit, dass es ausgiebig regnet“, sagt Lange-Malecki.

„Wir wollen diese schöne Vielfalt erhalten, erfüllende Arbeit leisten und uns nicht nur an dem Obst, sondern auch an den ebenso vorkommenden Blindschleichen oder Fledermäusen erfreuen. Die Streuobstwiese ist unser Paradies“, betont das Ehepaar.

Die UN-Dekade biologische Vielfalt

Die Vereinten Nationenhaben die Jahre 2011 bis 2020 zur UN-Dekade für die biologische Vielfalt erklärt. Hintergrund ist ein kontinuierlicher Rückgang an Biodiversität in fast allen Ländern der Erde. Die Staatengemeinschaft möchte mit der Aktion auf die Bedeutung der Artenvielfalt aufmerksam machen. Diese umfasst Tiere, Pflanzen, deren Lebensräume und genetische Unterschiede. Alle drei Bereiche beeinflussen sich gegenseitig. Für den Menschen liefert die Natur Nahrung, Trinkwasser, Medikamente, Brennstoffe und fruchtbare Böden. Damit sie dies auch in der Zukunft weiter tun kann, setzen sich zahlreiche Menschen für die Erhaltung von biologischer Vielfalt ein, für eine nachhaltige Nutzung ihrer Bestandteile und einen gerechten Nutzenausgleich. Der UN-Dekade-Wettbewerb zeichnet ein Projekt pro Woche aus, das sich in besonderer Weise für die Erhaltung, Nutzung oder Vermittlung der biologischen Vielfalt einsetzt. Die Auswahl der Projekte trifft eine Fachjury.

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