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Die Region Uni und Universitätsmedizin Göttingen: Täglich zehn Millionen Hacker-Angriffe
Die Region Uni und Universitätsmedizin Göttingen: Täglich zehn Millionen Hacker-Angriffe
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15:21 14.09.2019
Auch Einrichtungen in Göttingen sehen sich Hackerangriffen ausgesetzt und schützen sich mit großem Aufwand gegen Cyberattacken. Quelle: dpa
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Göttingen

Eine Cyberattacke hat in der vergangenen Woche die Rechner von Neustadt am Rübenberge lahmgelegt. Wie steht es um die sogenannte IT-Sicherheit von Stadt und Landkreis Göttingen sowie die Universität? Wir haben uns umgehört.

Die Stadtverwaltung von Neustadt am Rübenberge bei Hannover hatte den Trojanerangriff am Freitag, 6. September, bemerkt. „Das war eine sehr intelligente Schadsoftware, da können normale Virenprogramme nichts mehr ausrichten“, hatte eine Sprecherin der Stadt gesagt.

Die Prognose war, dass die städtischen Rechner nach dem Cyberangriff noch bis mindestens Freitag, 13. September, lahmgelegt seien. „Wir dürfen unsere Rechner nicht mehr anschalten“, sagte die städtische Sprecherin. Die Behörden hatten nur für telefonische oder mündliche Beratungen geöffnet, die Zulassungsstelle für Kraftfahrzeuge blieb ganz geschlossen.

Kampagne will Internetnutzer fit machen

Vorsicht mit den eigenen Daten, dem Smartphone und Passwörtern, keine Links aus Mails unbekannter Absender öffnen: Niedersachsen will Nutzer fit machen für die Sicherheit im Netz. „Cybersicherheit geht uns alle an“, sagte Innenminister Boris Pistorius (SPD) laut Mitteilung zum Start der landesweiten Veranstaltungsreihe „Security Expo“. „Dinge wie der Behördengang, das Einkaufen oder die Reisebuchung werden heute immer häufiger digital erledigt. Damit geraten massenweise – teils sensible – persönliche Daten in den digitalen Raum.“ Bei der Auftaktveranstaltung am Donnerstagabend in Hannover sahen rund 200 Menschen ein Live-Hacking.

„Öffnen Sie niemals einen Link aus Ihrem E-Mail-Postfach heraus“, riet IT-Sicherheitsberater Ralf Wildvang. Er zeigte den Besuchern, wie leicht Hacker an ihre Daten kommen können. In einer Ausstellung gaben Experten des Landeskriminalamtes, der Verbraucherzentrale und des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik Ratschläge. Die Veranstaltung wird im Oktober auch in anderen niedersächsischen Städten zu sehen sein. „Wir wollen mit dieser Kampagne den Menschen mehr Sicherheit geben, Gefahren im Netz zu erkennen und souverän damit umzugehen“, sagte Pistorius. dpa

Das Problem von Hackerangriffen ist für Universität und Universitätsmedizin Göttingen eine tägliche Herausforderung, wie die beiden Einrichtungen in einer gemeinsamen Mitteilung berichten. „Im gesamten Netz von Universität und Universitätsmedizin Göttingen registrieren wir circa 10.000.000 Angriffsversuche täglich.“ Dazu zählten abgewehrte Scans an Firewalls, zusätzlich Scans und/oder Angriffsversuche auf Webserver und andere erreichbare Dienste.

Darüber hinaus seien 2000 Angriffe pro Tag per E-Mail/Phishing zu konstatieren. Diese Angriffe könnten aber in der Regel abgewehrt werden. „Die ganz überwiegende Anzahl der Angriffe hat keine relevanten Folgen (von Ressourcenverbrauch bei der Abwehr abgesehen)“, heißt es in der gemeinsamen Mitteilung.

Zu den wichtigsten Maßnahmen gegen externe Cyber-Angriffe zählen laut Uni und Uni-Medizin sogenannte Netzwerksicherheitssysteme, worunter unter anderem eine Firewall fällt. Außerdem seien Mail-Server und Endgeräte mit Filtern ausgerüstet. Softwareaktualisierungen, Schulungen und Sensibilisierung ergänzen das Maßnahmenpaket.

Landesbehörden sehen sich gut geschützt

Cyberangriffe auf niedersächsische Behörden wie kürzlich auf die Stadtverwaltung in Neustadt am Rübenberge sind keine Seltenheit: Fast 90 Angriffe auf Rechner der Landesbehörden hat das Innenministerium in diesem Jahr registriert. Wie eine Sprecherin am Mittwoch mitteilte, waren es im gesamten Vorjahr 107 Angriffe. Zuvor hatte der NDR berichtet. Durch Cyberangriffe wurden der Sprecherin zufolge aber keine Behörden lahmgelegt. 

Laut Innenministerium gehen die Angriffe von kriminellen Gruppen aus – „oder auch von solchen, die Wirtschaftsspionage betreiben“, wie die Sprecherin sagte. Auch von ausländischen Nachrichtendiensten gesteuerte Hacker als Täter seien wahrscheinlich. Die Angreifer wollten Geld erpressen, die Technik der Betroffenen lahmlegen oder Daten abgreifen.

Das Innenministerium geht aber nicht davon aus, dass Hacker Daten von Bürgern gestohlen haben könnten. Die Daten würden nicht auf den von Cyberangriffen betroffenen Arbeitsrechnern gespeichert. „Wir sehen uns für die Landesverwaltung in Summe gut geschützt“, sagte die Sprecherin. Sicherheitsvorfälle gebe es vor allem in Kommunalverwaltungen. dpa

„Universität und Universitätsmedizin schützen sich nicht nur mit den vorgenannten Maßnahmen gegen Erstinfektionen mit Trojanern und vor anderen Angriffen, sondern ergreifen prophylaktisch auch Maßnahmen“, heißt es in der Antwort auf die Tageblatt-Anfrage weiter. Die prophylaktischen Maßnahmen dienten dazu, im Fall des Versagens der ersten Abwehrstufe zum Beispiel in Form der Infektion eines einzelnen Rechners die Ausbreitung über das gesamte Netz zu verhindern und eine Behebung von Schäden zu ermöglichen.

Bei der Stadt Göttingen sind demgegenüber „keine Fälle direkter Angriffe bekannt“, wie es in der Antwort auf die Tageblatt-Anfrage heißt. Die üblichen automatisierten Attacken wie zum Beispiel mit Schadsoftware versehene E-Mails seien „stets erfolgreich abgewehrt“ worden.

„Mehrstufiges Firewall-System“ der Stadt

„Das Netzwerk der Stadt Göttingen wird unter anderem durch ein mehrstufiges Firewall-System und Virenscanner geschützt, welche auf einem tagesaktuellen Stand gehalten werden“, teilt die Stadt weiter mit. „Die Sicherheitsvorkehrungen unterliegen kontinuierlicher Überprüfung und werden kontinuierlich auf dem Stand der Technik gehalten.“ Die Mitarbeiter würden in Bezug auf Informationssicherheit und Datenschutz regelmäßig geschult.

Wie Universität und Universitätsmedizin bestätigt auch der Landkreis Göttingen Attacken: „Die IT-Infrastruktur der Kreisverwaltung ist täglich einer Vielzahl von Angriffen ausgesetzt“, heißt es in einer Mitteilung. „Häufig sind es E-Mails mit Schadsoftware oder Schädlinge, die sich in Folge des Zugriffs auf sogenannte kompromittierte Webseiten Zutritt in das Behördennetz verschaffen wollen.“

Folgen habe es bisher aber nicht gegeben: „Es gab bisher im Verwaltungsnetz keinen nachhaltigen Angriff, der zu einem Schaden oder nennenswerten Systemausfall geführt hat“, teilt der Landkreis mit und unterstreicht: „Die IT-Infrastruktur der Kreisverwaltung Göttingen wird durch eine umfassende Sicherheitsinfrastruktur geschützt.“

Von Eduard Warda und Ulrich Schubert / mit dpa

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