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Aktuelles Abschied für Biker - Mit dem Motorrad auf die letzte Reise
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16:02 28.03.2019
Ingo Rauf auf seiner «Harley Davidson» mit Bestatter-Beiwagen. Quelle: Patrick Pleul
Eichwalde

Bestatter Ingo Rauf aus Eichwalde (Dahme-Spreewald) ist schon lange zu hören, bevor er ins Blickfeld gerät. Denn der Sound der Harley Davidson ist unverkennbar. Das schwarze Zweirad des bekennenden Motorradfans hat einen großen, verglasten Beiwagen.

Darin transportiert

Rauf einen Sarg oder eine Urne zur Beisetzung - bisher allerdings nur in der Theorie. Denn sein Angebot "Bikerabschied" ist noch ganz neu.

"Die Motorradsaison beginnt ja erst", sagt der 51-Jährige. Er bekennt, dass erst dieses Gefährt ihn wieder zum Biker-Fan gemacht hat. Als er eine Familie gründete, pausierte er mit dem Zweirad-Hobby. Nun sind die Kinder aus dem Haus, die Biker-Leidenschaft kehrte zurück. Als Rauf im vergangenen Jahr eine Bestatter-Messe besuchte, war er eigentlich auf der Suche nach einem herkömmlichen neuen Leichenwagen. Dann sah er die Harley von Tüftler Jörg Michael Grossmann aus Usingen (Hessen).

Patent auf Bestattungs-Bikes

"Ich hatte eine Biker-Bestattung mal zufällig im USA-Urlaub gesehen, allerdings reichte dort eine einfache Plattform, auf die der Sarg geschnallt war", erzählt der frühere Immobilienökonom Grossmann, der inzwischen ein europäisches Patent auf Bestattungs-Bikes hat. Zunächst hatte Grossmann gemeinsam mit Fachleuten eine Kawasaki für Bestattungen per Motorrad umgebaut. Sie fährt nach Zulassung durch das Kraftfahrtbundesamt heute mit einem Bestatter durch Sachsen. Der Anbieter, Bartsch & Pfeiffer Bestattungen, hat nach eigenen Angaben nicht nur eine Lizenz für Sachsen, sondern auch für Brandenburg.

"Von Kunden hörte ich immer wieder, dass eine Harley das ideale Gefährt für eingefleischte Biker ist", sagt Grossmann. Also baute er den Biker-Klassiker zum Bestattungsgefährt um, mit dem der leidenschaftliche Motorradfahrer jährlich 50 Beisetzungsfahrten im Auftrag von Kunden macht. Bestatter selbst hätten da weniger Interesse, blieben lieber konventionell, ist seine Erfahrung. Eine zweite Maschine samt Bestatter-Beiwagen verkaufte er nach Dänemark.

Der Eichwalder Rauf war Ende vergangenen Jahres der nächste. Derzeit entsteht eine weitere solche Maschine nebst Leichen-Beiwagen für einen Bestatter in Bayern. Grossmann schafft gar nicht alle Aufträge, wie er sagt. "Ich verstehe den würdevollen Biker-Abschied als Zusatzleistung. Vor oder nach der Trauerfeier ist so eine gemeinsame letzte Ausfahrt des Verstorbenen mit seinen Biker-Freunden möglich", sagt Rauf, der in Berlin nach eigenen Angaben der bisher einzige Bestatter mit diesem speziellen Angebot ist. In Brandenburg hat er eine Genehmigung für einen 50-Kilometer-Radius um Eichwalde, Großziethen und Königs Wusterhausen.

Mit Navigationsgerät und Musikanlage

"Grundsätzlich spricht gegen diese Art der Bestattung nichts, solange sie im gesetzlichen Rahmen liegt, würdevoll und angemessen vonstatten geht", sagt Fabian Lenzen, Sprecher der Bestatter-Innung Berlin-Brandenburg. Rauf solle sich sein Angebot allerdings vorsichtshalber von der Gesundheitsbehörde genehmigen lassen, empfiehlt er. "Da gibt es bereits zwischen den Ländern Berlin und Brandenburg Unterschiede."

Der 51-Jährige ist derzeit noch beim Innenausbau. "Ich möchte da noch eine Art Pyramide in den Beiwagen setzen, auf der Urnen repräsentativer aussehen", sagt Rauf. Zur Ausstattung des Motorradgespanns gehören ein Navigationsgerät und eine Musikanlage samt vier Lautsprechern. "Da lässt sich die Einfahrt zum Friedhof schon toll zelebrieren", glaubt er.

Das Fahren will gelernt sein

Rauf übt fleißig das Fahren mit dem Bestatter-Beiwagen. "Das ist schon eine ziemliche Herausforderung. Das Gefährt samt Maschine hat immerhin eine Breite von 2,27 und eine Länge von 2,60 Metern." Vor allem in den Kurven müsse er gefühlvoll lenken. Nicht serienmäßig, sondern zusätzlich eingebaut ist der Rückwärtsgang, um das Bestattungsgefährt aus engen Einfahrten hinaus zu manövrieren. Das Zweirad kommt auf maximal 120 Stundenkilometer. Wo der gelernte Tischlermeister mit seinem Gefährt auftaucht, sorgt er für Aufsehen. "Die Leute bleiben stehen, zücken ihre Handys und staunen." Negative Kommentare habe er noch nicht gehört.

Individuell gestaltete Beisetzungen lägen im Trend, meint der gebürtige Berliner, ob nun für den verstorbenen Reiter mit einer Kutsche oder den leidenschaftlichen Angler mit Schilf und Flusslandschaft auf großer Leinwand. Noch gut in Erinnerung ist ihm eine Mittelalter-Beisetzung in einem Friedhofs-Wald: "Da kamen alle Gäste in Kostümen und es gab Mittelalter-Live-Musik." Den Trend kann auch Innungssprecher Lenzen bestätigen. "Individuelle Wünsche nehmen zu - ob bei der Sarggestaltung, dem Programm der Trauerfeier oder dem Grabmal selbst."

dpa

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