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Aktuelles Der Nissan Juke - ein Unikum auf Rädern
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00:30 02.03.2013
Nissan Juke: Das kleine japanische Crossover-Modell soll vor allem Spaß machen. Und genau das tut es auch.
Nissan Juke: Das kleine Crossover-Modell soll vor allem Spaß machen. Quelle: Hersteller
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Hannover

Ach ja, die lieben Mitmenschen. An ihren Mienen kann man gut ablesen, wie ihr Urteil ausfällt. Wo wir mit dem Nissan Juke auftauchten, reichten sie von freundlich, manchmal sogar entzückt (meistens waren es Frauen), bis, nun ja, leicht verstört. Und ehrlich gesagt, auch uns war anfangs nicht ganz klar, was wir von diesem Auto halten sollten: Ist es nun ein Sportwagen, der auf dem Transporterstrahl durch den luftleeren Raum falsch zusammengesetzt wurde, oder ist es ein SUV, das beim Schrumpfen ein paar Kanten und Dellen zu viel davongetragen hat? Ganz sicher ist aber: Dieses Auto polarisiert wie derzeit kaum ein zweites.

Nissan selbst nennt das Fahrzeug ein „originelles Crossover-Modell“, eine „Jukebox“ auf Rädern, zusammengefügt aus Sport- und Geländewagenkomponenten. Also Fahrzeugkonzepten, die gegensätzlicher nicht sein können. Ob dieses Konzept langfristig bestehen wird? Kein Mensch weiß es. Sicher ist dagegen, dass der Wagen am oberen Ende des B-Segments angesiedelt ist, in dem die Japaner weiter unten auch noch mit dem Micra und dem Note unterwegs sind.

Vielleicht bringt ein kleiner Hinweis ein wenig Licht ins Designerdunkel: Der Juke wurde in seinen Grundzügen im Nissan Design Center Europa konzipiert. Und das liegt im Herzen Londons, also genau in jener Metropole, in der die Menschen konsequent links fahren, den Euro verabscheuen und überhaupt gern gegen den Strom schwimmen. Denn der Grundgedanke, mit diesem Auto gegen den automobilen Mainstream zu schwimmen, setzt sich im Innern konsequent fort. Nur hat man hier nicht Anleihen aus dem Sportwagen- und Offroadbereich verbaut, sondern sich bei den Motorrädern bedient, denn die Mittelkonsole erinnert stark an einen Motorradtank. Konsequent heißt im Fall des Nissan Juke: konsequent anders.

Wobei wir an dieser Stelle eins gleich zurechtrücken wollen: Nach einer gewissen Zeit der Eingewöhnung haben wir dann doch Gefallen an dem Fahrzeug gefunden. Nicht etwa weil der Wagen sich als besonders praktisch entpuppt hätte. Hat er nicht. Das Kofferraumvolumen von gerade einmal 207 Litern ist für ein SUV - und das soll der Juke am Ende doch wohl sein - ein Scherz.

Selbst bei umgelegter Rückbank und dachhoher Beladung werden es gerade einmal 786 Liter. Das können andere besser. Und auch auf den Rücksitzen geht es eher beengt zu. Nein, es ist etwas anderes ­­- der Wagen, so merkwürdig er auch sein mag, fasst sich gut an.

Das liegt zum einen an der leicht erhöhten Sitzposition, einem Konstruktionsmerkmal, das immer mehr Menschen schätzen lernen, die ungern mit dem Hintern über den Asphalt rutschen wollen. Zum anderen war es der Antrieb, der uns einnahm: Allradantrieb gekoppelt an einen 140 kW/190 PS starken Turbobenziner kann auf der Straße eine Menge Charme entwickeln. Dass die Hinterachse gegenüber einem Juke mit reinem Frontantrieb wesentlich aufwendiger konstruiert ist (Multilink-Einzelradaufhängung statt Torsionsstarrachse), dürfte zu dieser guten Vorstellung einiges beitragen. Zumal die Antriebskraft nicht nur zwischen Vorder- und Hinterachse, sondern auch zwischen den Hinterrädern bedarfsgerecht verteilt wird.

In der Summe hat das zur Folge, dass der Juke in dieser Konfiguration wirklich zügig vorankommt und sich auch in Kurven keine Ausrutscher leistet. Im Gegenteil. Der Wagen hält zuverlässig die Spur, selbst wenn es mal etwas schneller sein soll. Den Sprint von 0 auf 100 km/h erledigt der kleine Japaner in 8,4 Sekunden - so etwas ging noch vor Jahren als GTI-Killer durch. Das hat natürlich seinen Preis, denn die im Durchschnitt versprochenen 7,6 Liter Sprit auf 100 Kilometer haben wir nie erreicht. Zwei Liter sollte man schon draufschlagen, was für ein Fahrzeug in diesem Segment viel ist.

Zur Serienausstattung zählen unter anderem ein Tempomat mit Speed-Limiter-Funktion, eine Bluetooth-Freisprecheinrichtung, ein USB-Anschluss, eine Klimaautomatik sowie Nebelscheinwerfer. In der Topausstattung Tekna kommen noch ein schlüsselloses Zugangs- und Startsystem, eine Rückfahrkamera, elektrisch anklappbare Außenspiegel, ein Navigations- und Multimediasystem, eine Fahrlichtautomatik und ein Regensensor dazu. Geradezu aufreizend spartanisch und deshalb umso sympathischer fällt die Aufpreisliste aus, die gerade einmal fünf Posten umfasst, darunter ein Sport-Paket, Ledersitze mit Sitzheizung vorn und Sonderlackierungen.

Etwas skurril wird es übrigens noch einmal bei Dunkelheit. Dann strahlen die auf dem Kotflügel angebrachten Scheinwerfer (sie sind zweigeteilt) hübsch nach oben ab. Wir können es nur vermuten, aber offensichtlich ist einer der Designer ein leidenschaftlicher Freizeitkapitän, der wie auf See auch auf der Straße nicht auf die Positionslichter verzichten wollte.

Gerd Piper