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Aktuelles Der rote Teppich ist ausgerollt
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00:38 26.04.2014
Sonnengelber Hingucker: Der Audi TT offroad concept.
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Peking

Die Botschaft war mehrdeutig. Der rote Teppich, der während des ersten Besucheransturms verlegt worden war, übernahm eine Symbolfunktion. Doch wer rollte wem den roten Teppich aus? Die Gastgeber der diesjährigen Auto China 2014 in Peking den zahlreichen Autoherstellern - oder umgekehrt? Die Antwort: Es läuft wohl auf eine sogenannte Win-win-Situation hinaus. In einem Markt, der kaum zu sättigen ist und beständig nach neuen Modellen giert, scheint es nur Gewinner zu geben. Und so präsentierten auch die deutschen Automobilhersteller in der chinesischen Metropole neueste Modelle und Studien.

In offizieller Lesart heißt es zunächst immer, man wolle „mit der Studie die Marktakzeptanz testen“. Das Schaulaufen vor dem chinesischen Publikum solle „Erkenntnisse für die Serienreife liefern“. Hinter vorgehaltener Hand indes offenbarte so manch Hersteller aber, dass die Markteinführung der vorgestellten Studie eigentlich längst beschlossene Sache sei.

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Im Reich der Mitte trafen die Hersteller auf ein hungriges Publikum, „schließlich besitzen die Chinesen im Durchschnitt nur 75 Autos auf 1000 Einwohner“, erklärt Alexandra Strassburger, seit sieben Jahren Trendforscherin für Daimler in China. In den Großstädten liegt diese Zahl zwar höher, doch verglichen mit den USA beträgt dieser Quotient lediglich ein Zehntel. Und so sehen die Hersteller eine Menge Nachholbedarf. Der rote Teppich ist auf voller Länge ausgerollt.

Bei Mercedes-Benz lässt es sich Vorstandschef Dieter Zetsche nicht nehmen, das Concept-Coupé-SUV persönlich zu präsentieren. Der knapp fünf Meter lange Geländegänger erscheint wuchtig und elegant zugleich. Eine sportliche M-Klasse mit typisch gestreckter Dachlinie eines Coupés. Doch Moment mal. Ist diese Linie nicht vom BMW X6 bekannt, der bereits 2008 auf den Markt kam? Besser spät als nie, mag man sich bei Mercedes-Benz gedacht haben. Und damit liegen die Schwaben richtig. Der X6 des Münchener Mitbewerbers musste angesichts der idersprüchlichen Erscheinung anfangs zwar viel Kritik einstecken. Doch die Trendforscher haben inzwischen grünes Licht gegeben. Die Bezeichnung MLC für das voraussichtlich ab 2015 erhältliche Concept-Coupé-SUV mag Andreas Zygan, Leiter Entwicklung M- und GL-Klasse, zwar nicht bestätigen, doch verweist er darauf, dass der Concept-Geländegänger „die traditionsreiche Linie der Coupés bei Mercedes fortführen“ solle.

Einen ähnlichen Ansatz verfolgt Audi eine Nummer kleiner. Die Ingolstädter bezeichnen ihr viertüriges SUV namens Audi TT offroad concept ebenfalls als Studie, doch der Sportwagen mit breit ausgestellten Radkästen und coupéhafter Dachpartie wird wahrscheinlich kommen. Das Feedback ist positiv. Der oberhalb des Q3 positionierte TT-SUV ist ausgerichtet auf eine junge Zielgruppe“, sagte Rupert Stadler, Audi-Vorstandsvorsitzender, gegenüber dieser Zeitung und betont, dass der Geländegänger „emotional ausgerichtet“ sei. Mit den schmalen Scheinwerfern sowie dem Singleframe-Grill wirkt er deutlich aggressiver als der Q3. Mit seinem Plug-in-Hybridantrieb soll der TT-SUV eine Systemleistung von 300 kW/408 PS sowie 650 Newtonmetern erreichen. Reichlich Kraft für die deutsche Autobahnhatz, doch wahrscheinlich viel zu viel Leistung für die chronisch verstopften chinesischen Großstädte.

Nachholbedarf in Sachen Luxus will BMW mit der in Peking vorgestellten Studie BMW Vision Future Luxury sättigen. Der Name sagt alles. Das oberhalb der 7er-Baureihe angesiedelte Edelgefährt ist zwar optisch nicht neu erfunden, doch mit zahlreichen Innovationen ausgestattet. Dem Fahrer - in China vor allem dem Chauffeur - werden alle Informationen auf drei um den Fahrzeuglenker herum gruppierte digitale Displays angezeigt. Im Zentrum des Cockpits simuliert ein Kombiinstrument zudem Tacho oder Drehzahlmesser. Viele Funktionen lassen sich per Sprachbefehl steuern. Nach dem Einstieg über die sich gegenläufig öffnenden Türen erwartet den Fondinsassen ein Traum aus Leder und Holz. Selbst der Teppich erfüllt chinesische Ansprüche - ist dieser doch aus Seide.

Das größte Augenmerk bei Volkswagen richtete sich auf ein Fahrzeug, das so neu gar nicht mehr daherkommt, bei dem der Name jedoch Programm ist. Der Golf R 400 soll anlässlich des 40. Geburtstags des Wolfsburger Dauerbrenners mit satten 294 kW/400 PS Leistung aus einem 2,0-Liter-TSI-Motor in eine neue Dimension eintreten. Erst bei 280 km/h wird der Vortrieb abgeriegelt. Der jüngst vorgestellte Golf R 300 bekäme einen noch leistungsstärkeren Bruder. Bei 1420 Kilogramm entsprechen die 400 Pferdestärken einem Leistungsgewicht von lediglich 3,55 kg/PS. Über den zu erwartenden Preis hüllten sich die VW-Verantwortlichen in Schweigen, doch muss man schon ein echter Sportsfreund sein, um die im Raum stehenden knapp 50 000 Euro auf den Tisch zu legen. Dafür allerdings tritt man in einen elitären Kreis ein.

In jenem Kreis wähnen sich Porsche-Fahrer angekommen und erhalten zwei weitere Spaßgeräte. Mit der Weltpremiere der GTS-Versionen des Boxster und Cayman wollen sich die Zuffenhausener laut Chef Matthias Müller „auf die Wurzeln des Sportwagenherstellers konzentrieren“ und „die Traditionen fortführen“. Bereits im Mai 2014 kommen die Modelle auf den Markt und kosten ab 69 949 Euro (Boxster GTS) und 73 557 Euro (Cayman GTS). Der rote Teppich für China ist ausgerollt.

Nachtrag: Einer, der ebenso über den roten Teppich ging, war der frühere Fußballstar David Beckham. Der Auftritt des Jaguar-Markenbotschafters geriet angesichts eines Massenansturms von kreischenden Zuschauern fast außer Kontrolle. Wie so vieles im Reich der Mitte.

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