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Aktuelles Deutsche Autobauer ganz vorne
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10:29 16.09.2013
BMW-Chef Norbert Reithofer mit dem i8. Quelle: Ralph Orlowski
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Frankfurt

Ein wahres Feuerwerk an neuen Modellen und Technologien haben die deutschen Autohersteller auf der diesjährigen Internationalen Automobilausstellung (IAA) in Frankfurt gezündet: Supersportwagen wie der Porsche 918 Spyder oder der BMW i8 mit Hybridantrieben sind die Stars der weltgrößten Autoshow. Mercedes präsentiert mit dem S 500 Intelligent Drive das erste Auto, das es autonom ohne Eingriffe des Fahrers auch durch Ballungsräume schafft und Volkswagen startet mit dem e-Up sowie dem e-Golf nun auch ins Zeitalter der Elektromobilität. Kleiner Haken an der Geschichte: Was technisch heute möglich ist, kostet entweder sehr viel Geld, oder es fehlen wie beim autonomen Fahren sämtliche Rahmenbedingungen. Daneben gibt es auf der IAA aber auch Autos, die normale Menschen demnächst kaufen können.

  • Mercedes. Die neue A-Klasse von Mercedes hat einen fulminanten Verkaufsstart hingelegt. Die Produktionsbänder stehen derzeit nicht still, und Daimler-Vorstand Dieter Zetsche verkündete in der Frankfurter Festhalle stolz, dass jeder zweite A-Klassen-Kunde von einer anderen Marke zu den Stuttgartern gewechselt ist. Kein Wunder also, dass man jetzt nach dem CLA und dem A 45 AMG mit dem GLA, der 2014 auf den Markt kommt, die nächste Ableitung des kompakten Wagens vorstellt. Das SUV gibt sich betont sportlich, ­ die hohe Schulterlinie und nur eine etwas höher gelegte Karosserie stehen dafür. Obwohl der Wagen damit den urbanen Charakter unterstreicht, soll er mit dem optionalen Allradantrieb auch recht geländetauglich werden.
  • Smart. Einen konkreten Ausblick auf Maße und Linienführung des künftigen viertürigen Smart zeigt das Konzeptfahrzeug fourjoy. Es steht bereits auf der realen Plattform und unterbietet mit einer Länge von 3,50 Metern die alte A-Klasse nur um zehn Zentimeter. Die Lücke, die mit dem Produktionsende der alten A-Klasse entstanden ist, könnte der neue kleine Viersitzer wieder schließen, so die Hoffnung.
  • Volkswagen. Volkswagen konzentriert sich neben den Elektroversionen von Golf und Up auf ein Modell, das intern zwar nie sonderlich beliebt, wirtschaftlich aber dafür umso erfolgreicher war: Mit dem Golf Sportsvan haben die Wolfsburger den Nachfolger des Golf Plus im Gepäck, der in Deutschland 20 Prozent der Golf-Verkäufe ausmachte.Zwar ist das Fahrzeug offiziell noch ein Konzeptfahrzeug, aber Insider versichern, dass es genauso auf die Straße kommen wird.
  • BMW. Der Sportsvan verschmilzt die Karosserien von Kompaktwagen und Van und bietet damit wesentlich mehr variablen Innenraum als das Basismodell. Es soll ab etwa 20.000 Euro in den Handel kommen. BMW zeigt in Frankfurt die neben dem Elektroauto i3 jetzt auch serienfertige Versionen seines Hybridrenners i8. Obwohl die endgültigen technischen Daten noch nicht veröffentlicht sind, ist bereits bekannt, dass die hoch aufgeladene Benzinmaschine (231 PS) in Kombination mit dem Elektromotor (131 PS) den karbonfaserverstärkten Leistungssportler in 4,5 Sekunden von 0 auf 100 km/h davonschießen lässt. Konzipiert als Plug-in kann die Fahrmaschine auch längere Strecken bis 35 Kilometer bei reduzierter Leistung rein elektrisch zurücklegen. Mit rund 120.000 Euro ist er obendrein geradezu ein Schnäppchen, ­ wenn man ihn mit dem Porsche 918 Spyder vergleicht, der jetzt ebenfalls serienreif ist. Denn der soll mit rund 768.000 Euro in der Preisliste stehen. Zwei Elektro- und ein Benzinmotor bringen es auf insgesamt 887 PS, der Verbrauch soll bei nur dreieinhalb Litern liegen. Bei diesem Fahrzeug kann man allerdings davon ausgehen, dass es lediglich in die Garagen einiger Sammler fahren wird.
  • Opel. Durch die Erfolge der beiden Modelle Mokka und Adam wieder selbstbewusster geworden, stellt Opel die Studie eines neuen Monza auf die Showbühne. Der Name des Coupé-Klassikers wurde ganz bewusst gewählt: Denn obwohl es die Studie in dieser Form niemals auf die Straße schaffe wird, steht sie für die künftige Formensprache, die den Rüsselsheimern offensichtlich vorschwebt: elegante, flüssige Linien, die eine endgültige Abkehr alter Biederkeit bedeuten könnte. Wesentlich bodenständiger ist da schon der neue Insignia, der demnächst in den Handel kommt.
  • Audi. Audi konzentriert sich in Frankfurt auf den A3 e-tron, den die Ingolstädter als erstes Plug-in-Modell in Serie bauen werden. Verkaufsstart dieses Premiumkompaktwagens mit 204 PS und einer rein elektrischen Reichweite von 50 Kilometern ist das Frühjahr 2014. Der Einstiegspreis liegt bei 37 0 00 Euro. Fans des legendären quattros können zudem auf ein Comeback des Sportwagens hoffen: Audi plant eine neue, nicht weniger als 700 PS starke Hybridversion eventuell als Kleinserie.

Kommentar

Die weltgrößte Automobilmesse in Frankfurt ist auch in diesem Jahr eine eindrucksvolle Leistungsschau der deutschen Autobauer. Sie dominieren viele Marktsegmente, präsentieren innovative Technologien und begeistern mit einer Qualität, von der andere Hersteller nur träumen können.

Hinter all dem Lack, Chrom und Aluminium, die mit viel Lust in Szene gesetzt sind, wird noch etwas anderes deutlich: Der Weltmarkt sortiert sich neu. Die Schere zwischen Arm und Reich geht immer weiter auseinander. Schon in den vergangenen Jahren sind einige Automarken mit einst großer Tradition von der Bildfläche verschwunden, und es ist nicht auszuschließen, dass es den einen oder anderen noch erwischen wird. Denn noch nie waren Investitionen in die Zukunft so unsicher wie heute. Dass an den Zukunftstechnologien kein Weg vorbeiführt, ist inzwischen jedem klar. Doch wann, wie und in welcher Höhe man das Geld, das heute ausgegeben wird, wieder zurückverdient, steht in den Sternen. Wer hier finanziell nicht einen entsprechend langen Atem hat, kann sehr schnell in Schwierigkeiten geraten. Und da sind die deutschen Produzenten als Global Player im Vergleich zu so mancher ausländischer Konkurrenz gut aufgestellt. Diejenigen, die hier nur die europäische Karte gespielt haben, laufen Gefahr, in ein paar Jahren von der Konkurrenz endgültig an die Wand gedrückt zu werden. Allerdings ist die rasante technologische Entwicklung auch für die deutschen Hersteller nicht ohne Risiko: Denn am sichersten verdient immer noch derjenige Geld, der Autos mit kleinen Vierzylindern bestückt. Und ums Geldverdienen geht es schließlich. Da müssen dann auch mächtige Vorstandsvorsitzende ihren Aktionären erklären, warum sie viel Geld in eine unsichere Zukunft investieren und die Dividenden deshalb nicht höher ausfallen.

Gerd Piper