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Aktuelles Drei Euro für hundert Kilometer
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10:30 09.09.2013
Der e-Up sieht aus wie jeder andere Up. Nur ist dieser hier elektrisch. Quelle: Sebastian Kahnert
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Hannover

Es hat etwas gedauert, aber nun ist es so weit: Volkswagen startet mit dem e-Up in das Zeitalter der Elektromobilität. Der Wagen wird in der kommenden Woche auf der Internationalen Automobilausstellung (IAA) in Frankfurt präsentiert und kommt im Oktober auf den Markt. Wir sind das Auto bereits gefahren.

„Der e-Up ist ein Volkselektroauto, kein Alibifahrzeug“, erklärt Rudolf Krebs, Leiter Konzern Elektro Traktion, wie die Wolfsburger ihr erstes Elektromobil gern positioniert sehen würden. Krebs: „Die Zeit ist einfach reif dafür.“ Der Konzern will das Fahrzeug in Großserie bauen und den Verkaufsstart mit einer entsprechend angelegten Werbekampagne unterstützen. Wie hoch die Stückzahlen tatsächlich sein werden, darüber gibt es noch keine konkrete Auskunft. Inoffiziell ist aber von 200 bis 300 Einheiten pro Woche die Rede.

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Beeindruckender Antrieb

Die erste Begegnung mit dem Elektro-Up fällt allerdings ernüchternd aus – da steht ein Up wie jeder andere auch. Der Grund dafür ist einfach: Das Fahrzeug wird Stoßstange an Stoßstange mit den konventionellen Antrieben gebaut, das VW-Baukastensystem macht es möglich. „Damit können wir flexibel auf die Kundennachfragen reagieren und brauchen nicht wie andere Hersteller eigene Fertigungsstraßen“, sagt Krebs.

Der erste Eindruck ändert sich schlagartig, sobald sich das Auto in Bewegung setzt: Eine Leistung von 60 kW/82 PS und das Drehmoment von 210 Newtonmetern sorgen von der ersten Sekunde an für einen beeindruckenden Vortrieb. Zwar sieht die Beschleunigung von 12,4 Sekunden für den Sprint von 0 auf 100 km/h auf der Papierform etwas betulich aus, doch das relativiert sich schnell, wenn man die Zeit betrachtet, in der das Auto von 0 auf 60 km/h beschleunigt: 4,9 Sekunden sind schon eine andere Ansage. Denn die reichen für jeden Blitzstart an der Ampel.

Dass der Wagen wie ein Gokart durch die Kurven geht, liegt maßgeblich mit an der Lithium-Ionen-Hochvoltbatterie, die im Fahrzeugboden untergebracht ist. Sie wiegt 230 Kilogramm und sorgt für ein stabiles Fundament – was sich immer dann bemerkbar macht, wenn der Fahrer das Strompedal durchtritt: Kaum Wanken, kein Aufschwingen, selbst hektische Lenkbewegungen quittiert das Auto mit stoischer Ruhe. Den Ingenieuren ist es gelungen, diesem Elektrofahrzeug Fahrdynamik-Gene anzuzüchten.

Variable Reichweitenwerte

Die Reichweite gibt Volkswagen mit 120 bis 165 Kilometern an – ein Wert für Sommerfahrten. Bei unserer ersten Testfahrt stimmten die Werte des Bordcomputers tatsächlich mit den zurückgelegten Kilometern überein. Wie sich das im Alltag darstellt, auch bei unterschiedlichen klimatischen Bedingungen, wird die Zukunft zeigen müssen – denn der e-Up ist alles andere als ein spartanisch ausgestattetes Fahrzeug: Klimaautomatik, Navigations- und Infotainmentsystem, CD-Radio, Freisprechanlage und Sitzheizung vorne gehören zur Serienausstattung. Vorsichtshalber gibt es deshalb schon jetzt die Einschränkung bei der Reichweite – für Winterfahrten werden nur 80 bis 120 Kilometer angegeben.

Der Fahrer kann außerdem zwischen den drei Fahrmodi „Standard“, „eco“ und „eco+“ auswählen, je nachdem wie und wo er unterwegs ist. Das Navigationssystem berücksichtigt außerdem unterschiedliche Streckenprofile, die automatisch in die Reichweitenanzeige eingepflegt werden. Egal, ob man nun in der norddeutschen Tiefebene oder den Kasseler Bergen unterwegs ist – man weiß jederzeit, wie weit man noch kommt. Den Durchschnittsverbrauch gibt VW mit 11,7 Kilowattstunden auf 100 Kilometern an. Das sind bei den derzeitigen Strompreisen rund drei Euro für diese Strecke, was den e-Up zum derzeit sparsamsten Elektromobil des Marktes macht. Die Ladezeiten betragen an einer normalen 230-Volt-Haushaltssteckdose neun Stunden, verringern sich an einer Wechselstrom-Wallbox auf sechs Stunden und lassen sich bis auf 30 Minuten herunterdrücken, wenn das Fahrzeug an einer sogenannten CCS-Gleichstrom-Ladestation angeschlossen ist.

10.000 Euro Mehrpreis für den Elektroantrieb

Wenn der Wagen auf den Markt kommt, wird er 26.900 Euro kosten. Volkswagen nennt das „bezahlbar“. Bei einem Auto, das in seiner Basisversion für unter 10.000 Euro zu haben ist, ein schwer nachvollziehbares Argument. Allerdings wird der e-Up nur in der höchsten „Highline“-Ausstattungsversion angeboten, inklusive der vier Türen, was das Auto auch für Familien alltagskompatibel machen soll. „Dann beträgt der Mehrpreis für den Elektroantrieb samt Batterie nur noch rund 10.000 Euro“, sagt ein VW-Sprecher.

Ob das Auto ein Erfolg wird, hängt am Ende von der Nachfrage ab. Das ist auch den Wolfsburgern bewusst. „Wenn die Stückzahlen kommen, dann klappt’s auch mit der Elektromobilität“, ist Krebs überzeugt. Unser Fazit: Der e-Up funktioniert überzeugend. Und richtig Spaß macht er auch noch.

e-Up

Technische Daten

  • Motor: Elektromotor
  • Leistung: 60 kW/82 PS
  • Max. Drehmoment: 210 Nm
  • CO2-Emission: 0 g/km
  • Beschleunigung (0-100km/h): 12,4 s
  • Höchstgeschwindigkeit: 130 km/h
  • Länge/Breite/Höhe: 3,45/1,65/1,48 m
  • Reichweite Sommer: 120-165 km
  • Reichweite Winter: 80-120 km
  • Kofferraum: 250-923 l
  • Leergewicht: 1139 kg
  • Preis: ab 26.900 Euro

Fazit:

+ alltagstaugliches Elektroauto – das auch noch Spaß macht

– der Preis ist immer noch zu hoch

Gerd Piper