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Aktuelles Lässt sich eine Klimaanlage im Auto nachrüsten?
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10:41 08.07.2019
Marcel Mühlich ist Berater für Technik, Verkehr und Umwelt beim Auto Club Europa (ACE). Quelle: Angelika Emmerling/ACE Auto Club Europa e.V./dpa-tmn
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Stuttgart/Berlin

Puh, dürften einige Autofahrer denken - die Juni-Hitzewelle ist zum Glück vorbei. Die nächste kommt aber bestimmt. Gut, dass die meisten modernen Autos eine Klimaanlage haben.

Aber gerade bei Basisversionen billigerer Neuwagen oder in älteren Gebrauchten ist der Kältespender noch nicht selbstverständlich. Kann man nachrüsten?

"Technisch ist es zwar fast immer möglich, eine Klimaanlage nachzurüsten", sagt Technikexperte Marcel Mühlich vom Auto Club Europa (ACE). "Das Problem ist der Aufwand, den man dafür betreiben muss." Denn es sind viele Bauteile wie Kompressor, Leitungen, Trockner, Verdampfer und Kondensator unterzubringen.

Auch müsse etwa für die Arbeiten das Armaturenbrett raus, um den Verdampfer einzubauen, wo das Kühlmittel Verdunstungskälte in den Innenraum abgibt. "Das ist bei manchen Autos extrem aufwendig."

Wie teuer kann es werden?

Mühlich rechnet bei relativ einfach aufgebauten Autos mit Preisen zwischen 2000 und 2500 Euro. "Bei aufwendigen Arbeiten kann man aber auch ganz schnell bei 4000 Euro liegen." In der Regel sei das Nachrüsten ein Nischenmarkt, obwohl auch Fremdhersteller es anbieten.

Wirtschaftlich könnte es sich eher noch bei Oldtimern lohnen. Da gibt es aber einen ganz wichtigen Punkt: "Wenn das betreffende Modell schon mit Klimaanlage angeboten wurde, ist es machbar und empfehlenswert", sagt der Experte.

Er warnt aber: "Wenn es das Fahrzeug niemals mit Klimaanlage gab und es früher auch nicht üblich war, diesen Fahrzeugtyp nachzurüsten, verlieren Sie nämlich Ihren Oldtimerstatus." Dann fällt ein H-Kennzeichen weg.

Das könne auch jemandem passieren, der eine moderne Klimaanlage im Oldtimer nachrüsten lässt. "Das hängt immer auch ein wenig vom Sachverständigen ab." Aber entsprechend historisch anmutende Bauteile seien in den Klassiker-Sparten der Anbieter aber durchaus noch auf dem Markt erhältlich.

Aufbauklimaanlage

Bei Minivans, Wohnmobilen oder Kleintransportern lässt sich vergleichsweise einfach eine sogenannte Aufbauklimaanlage zum Beispiel auf dem Dach installieren. Die bekommt den benötigten Strom vom Bordnetz.

Die Teile sind aber alle einer Box untergebracht. Der kalte Luftstrom gelangt dann etwa durch eine Öffnung der Karosserie ins Fahrzeug, etwa am Dach. Solche Dach- oder Aufbauklimaanlagen kosten circa ab 1300 plus Einbau, so Mühlich.

Auf dem Markt gibt es auch für Preise um die 50 Euro sogenannte Verdunstungs-Klimaanlagen für die 12-Volt-Steckdose. Davon rät Mühlich aber ab: "Die sind absolut wirkungslos", sagt der Experte.

Sie arbeiten nicht wie richtige Klimaanlagen mit Kühlmitteln wie bei einem Kühlschrank. "Sondern es sind im Prinzip Ventilatoren, vor die ein feuchtes Tuch gehängt wird", sagt Mühlich.

Der Luftstrom an sich ist zwar zu spüren, aber schlechter als bei einem normalen Ventilator. "Denn hier ist ja noch ein Gehäuse drum." Eigentlich wollen die Geräte eine Verdunstungskühle erzielen. "Doch der kleine Innenraum eines Autos mit seiner Verglasung heizt sich ja auf wie ein Gewächshaus", sagt Mühlich.

Wenn Verdunstungskühle überhaupt etwas Wirkung zeige, dann um den Nachteil einer höheren Luftfeuchtigkeit "Sie schwitzen schneller." Außerdem können die Geräte bei Unfällen gefährlich werden, wenn sie am Armaturenbrett angebracht sind und Airbags auslösen oder sie durchs Auto fliegen.

Sonstige Tipps bei Hitze

Aber was sorgt für mehr Kühle bei Hitze im alten Alltagsauto? Von zusätzlichen Ventilatoren rät Mühlich grundsätzlich ebenfalls aus Sicherheitsgründen ab. "Außerdem ist das normale Gebläse wesentlich leistungsfähiger."

Er nennt lieber grundsätzliche Tipps für heiße Tage: Vor allem die Frontscheibe des Auto kann man vor dem Abstellen mit einer Folie wie im Winter abschatten, um den Innenraum gar nicht zu stark aufheizen zu lassen. An den hinteren Seitenscheiben und an der Heckscheibe lassen sich Sonnenschutzrollos anbringen.

Windabweiser für die Seitenscheiben lassen sich für viele Modelle kaufen. "Da kann man die Fenster auch bei höheren Geschwindigkeiten etwas offen lassen", sagt Mühlich. Er rät, beim Kauf auf die Allgemeine Betriebserlaubnis (ABE) zu achten.

In sehr heißen Perioden ist es grundsätzlich besser, sehr früh morgens, am späten Abend oder nachts zu langen Fahrten aufzubrechen, um von den noch oder schon wieder kühleren Temperaturen zu profitieren.

dpa

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